EU-Projekt: Borkum wird zum Vorbild für die europaweite Energiewende

EU-Projekt: Borkum wird zum Vorbild für die europaweite Energiewende

von Angela Schmid

Mit verschiedenen Speichern und mehr Erneuerbaren will Borkum energieautark werden - und EU-weites Vorbild.

Auf der kleinen Nordseeinsel Borkum zeigen Forscher, wie in Zukunft eine intelligente Energiespeicherung aussehen kann. "NETfficient" heißt das internationale Projekt, an dem sich 13 Forschungseinrichtungen, Großunternehmen und Stadtverwaltungen aus sieben europäischen Ländern beteiligen. Und sie testen im Grunde alles, was sich im Speicherbereich testen lässt.

Vom Einsatz ausrangierter Batterien aus E-Autos über Superkondensatoren, Lithium-Ionen-Batterien und Wasserstoff bis hin zu einer Hybrid Technologie als eine Kombination aller Speichertechnologien - über vier Jahre wollen sich die Forscher anschauen, welche Speicherung am effizientesten ist. Als Konsequenz soll sich der Anteil der erneuerbaren Energien erhöhen und die Insel einen großen Schritt weiter in Richtung Energieautarkie bringen.

Anzeige

Nur 5.200 Einwohner leben auf der kleinen Nordseeinsel. Im Sommer steigt die Zahl mit den Urlaubern auf über 25.000 an. Und die verbrauchen eine Menge Strom. Die meiste Energie kommt über ein Seekabel vom Land. Das soll sich in Zukunft ändern. Borkum setzt auf regenerative Energien und darauf, möglichst unabhängig vom Strom vom Festland zu sein.

Um die Speicher auch füllen zu können, soll eine neue, zwei- bis drei Megawatt starke Windenergieanlage gebaut werden. Zwei drehen bereits ihre Flügel. Zahlreiche Photovoltaikanlage und ein Solarpark kommen hinzu. Das Problem: Wie überall wird der erzeugte Strom nicht immer dann verbraucht, wenn er gerade erzeugt wird. Zu volatil sind die regenerativen Energien.

Anstatt die Anlagen abzuschalten, wenn zu viel Strom erzeugt wird, soll das das Projekt NETfficient dabei helfen, den Strom zu speichern. Im Sommer ist maximal eine Leistung von 7,5 Megawatt nötig – im Winter sind es lediglich drei Megawatt. Neben einem zentralen Speicher sollen 40 Häuser mit Photovoltaik-Anlagen eigene kleine Speicher bekommen.

EU-weites Interesse"Das Interesse an dem Projekt ist sehr groß", erklärt Olaf Look von den Stadtwerken Borkum. Für den Energieversorger eine große Chance. Denn allein mit dem Verkauf von Strom ist schon lange nicht mehr viel Geld zu verdienen. Die Stadtwerke wandeln sich zum Energiedienstleister. In Zukunft, so Look, könnten vielleicht die Stadtwerke die Solarmodule den Hausbesitzern kostenlos zur Verfügung stellen, montieren und für den Strom einen günstigeren Preis als den herkömmlichen verlangen. Gleichzeitig würden sie einen Speicher zur Verfügung stellen, den sie nach Belieben als Zwischenspeicher nutzen dürfen.

Noch ist das allerdings Zukunftsmusik. Wie schnell diese Realität werden kann, das interessiert auch andere europäische Staaten. Deshalb fördert die EU-Kommission das Projekt mit rund neun Millionen Euro.

NETfficient soll später auch auf andere Regionen übertragen werden. Daher werden Prognosen zur Lebenserwartung und zum Wartungsbedarf der eingesetzten Technologien getroffen sowie ein Management- und Entscheidungshilfetool entwickelt, das alle Beteiligten - inklusive Stadtverwaltungen und Bürger - von der Energiegewinnung bis zum Energieverbrauch durch den Endnutzer mit einbezieht. Die Entwicklung von Geschäftsmodelle soll dabei helfen, die bestehenden Marktbarrieren für lokale Energiespeicherung zu senken.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%