Experten zur Energiewende: So lassen sich Milliarden sparen

Experten zur Energiewende: So lassen sich Milliarden sparen

von Benjamin Reuter

Die Monopolkommission fordert ein radikales Umschwenken bei der Förderung von erneuerbaren Energien. Neu sind die Vorschläge nicht.

Vorschläge wie dem Strompreisanstieg am besten Herr zu werden ist, diskutieren Experten und Politiker derzeit rauf und runter. Jetzt schalten sich auch die Wettbewerbshüter der Monopolkommission ein. Sie haben heute in Berlin ein Gutachten vorgestellt, das eine Reform der Energiewende-Gesetzgebung fordert.

Die Monopolkommission ist ein Beratergremium, das die amtierenden Regierungen unterstützt. Themen sind die Bahn, die Post, Telekommunikation und eben Energie.

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Die Mitglieder der Kommission sollen immer dann warnen, wenn sie den Wettbewerb in Deutschland auf diesen Feldern gefährdet sehen. Ihre Gutachten, die aller zwei Jahre erscheinen, sollen Fehlentwicklungen aufzeigen und Alternativen beschreiben.

Und die sehen laut dem aktuellen Papier (hier als PDF) für die Energiewende so aus:

- "Die wesentlichen Probleme und Ineffizienzen des EEG-Fördersystems liegen insbesondere in der fehlenden Zielgenauigkeit hinsichtlich des gesamten Förderumfangs und EE-Anlagenzubaus, der massiven Überförderung und der allokativen Ineffizienzen aufgrund der fehlenden Technologieneutralität."

Zu Deutsch: Beim Ausbau der erneuerbaren Energien herrscht bisher teurer Wildwuchs.

- Deshalb, so die Empfehlung der Kommission, "sollte die Energiepolitik stärker auf Wettbewerb, den Preismechanismus und marktliche Anreize setzen".

- "Das ambitionierte Ziel von 80 % erneuerbaren Energien an der Stromversorgung lässt sich dabei am verlässlichsten und effizientesten mithilfe eines Quotenmodells erreichen."

- "Grundsätzliches Ziel des Quotenmodells ist eine Steigerung der Produktion erneuerbarer Energien bei gleichzeitiger Kosteneffizienz."

- "Im Unterschied zur EEG-Einspeisevergütung wird in einem Quotenmodell nicht der Einspeisepreis für die Erneuerbaren ex ante festgelegt, sondern die Menge erneuerbarer Energien (Quote)."

- "Die Monopolkommission spricht sich für eine technologieneutrale Ausgestaltung der Förderung erneuerbarer Energien aus ..."

Schon vergangenes Jahr hatte Justus Haucap, Mitglied der Kommission, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschrieben, wie ein solches Quotensystem in Deutschland aussehen könnte. Insgesamt, so meinen manche Ökonomen, könnte es die Energiewende in den nächsten Jahren um rund 50 Milliarden Euro günstiger machen.

Die Idee dahinter: Für die Stromversorger wird eine bestimmte Menge an grünem Strom festgelegt, den sie anbieten müssen. Aus welchen Quellen der kommt, ist dabei egal. Damit würden die Versorger nur den günstigst möglichen grünen Strom einkaufen. Zugespitzt gesagt, wären damit Solaranlagen in schattigen Tälern raus aus der Förderung.

Fraglich ist allerdings, ob die Vorschläge greifen. Denn schon im Jahr 2011 hatten die Wettbewerbshüter ähnlich argumentiert. Aber selbst die Schwarz-Gelbe Regierung schien nicht viel von den Ideen zu halten. Umgesetzt wurde davon nichts.

Idee mit vielen NachteilenEines der Probleme: In England, wo es lange eine Quote für Grünstrom gab, lagen die Preise für Windstrom am Ende höher als in Deutschland. Insgesamt ist die Zahl der Länder, die eine Quote nutzen, geringer als die mit einer festgesetzten Einspeisevergütung wie in Deutschland (hier gibt es eine Übersicht als PDF). Die Kommission verweist allerdings auf Schweden als Vorbild.

Schon vor zwei Jahren - als der letzte Energiebericht der Kommission erschien - kritisierte Björn Klusmann, ehemals Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE) in einem Artikel auf Zeit-Online: "Quotensysteme sind weniger effizient und weniger effektiv als Systeme auf Basis von Einspeisevergütungen." Leider, so seine Kritik weiter, ignoriere die Monopolkommission diese Erkenntnisse seit Jahren und wärme ihre alten Vorschläge immer wieder von Neuem auf.

In der Theorie zumindest hat ein Quotensystem auch Vorteile: Man könnte sehr genau festlegen, wo die Anlagen enstehen sollen. Zum Beispiel könnte man solche Standorte fördern, wo es genügend Netzkapazität gibt, um den Strom abzutransportieren.

Windkraftboom an den KüstenDie Gefahr ist allerdings: Achtet man bei den Ausschreibungen tatsächlich nur auf den Preis und nicht auf die Technologie, würden derzeit nur Windanlagen an Deutschlands Küsten gebaut - denn der Strom von dort ist mit rund 6 Cent die Kilowattstunde extrem günstig.

Die Folge: Im Rest Deutschlands käme der Ausbau von Wind- und Solaranlagen zum Erliegen. Das Problem der fehlenden Stromleitungen, um die Energie nach Süden zu transportieren, würde damit noch akuter als ohnehin schon. Außerdem würden Flauten im Norden ein riesiges Loch in die Stromproduktion reißen. Bisher können Anlagen an anderen Standorten in Deutschland dies ausgleichen.

Ein weiteres Problem ist zudem: Selbst wenn man auch für die Solarenergie eine Quote einführen würde,  würden vor allem große Solarparks gefördert, weil sie sehr viel günstiger Strom liefern als kleine Solaranlagen auf einem Einfamilienhaus. Eine Energiewende aus Bürgerhand - sie wäre damit vom Tisch.

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