Fahrprognosen und Ladesteuerung: Projekt macht Thüringen fit für E-Mobilität

Fahrprognosen und Ladesteuerung: Projekt macht Thüringen fit für E-Mobilität

von Angela Schmid

Unternehmen und Hochschulen entwickeln gemeinsam neue Programme, die der E-Mobilität den Weg ebnen sollen.

Dass Elektromobilität nicht in Schwung kommt, hat mehrere Gründe: Die Stromer sind für den Normalverbraucher viel zu teuer, die geringe Reichweite ist eine psychologische Hürde und das gesamte Handling ist zu umständlich, oder zumindest zu ungewohnt.

Für Frank Schnellhardt ist schon allein die Auswahl einer Wallbox, einer Wandladestation, viel zu kompliziert. Der Geschäftsführer der Ilmenauer Innoman GmbH fordert, Mobilität neu zu denken, damit Elektroautos für die Menschen interessant werden.

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Einen Ansatz hat ein Konsortium (das aus Innoman, fünf weiteren Unternehmen und drei Forschungseinrichtungen besteht) mit dem Projekt "sMobility - sMart Mobility" in Thüringen aufgezeigt. Das Ziel: Alle Einzelteile der E-Mobilität zu vernetzen.

Das Auto, die Verkehrsinfrastruktur, die Ladeboxen, das Energieversorgungsnetz sollten in die Lage gebracht werden, miteinander zu kommunizieren. Was sie bisher nicht können. Notwendig sind dafür der Aufbau einer Informations- und Kommunikations-Plattform und die Schaffung einheitlicher Standards, die einen intelligenten Austausch erst ermöglichen. Nur so können die Server aller Beteiligten miteinander kommunizieren und Mobilität kann anders gestaltet werden.

Klingt so abstrakt wie aufwendig, aber Schnellhardt sagt: "Wir haben gezeigt, dass es funktioniert." Und er ist seit dem Projekt davon überzeugt, dass die Möglichkeiten der Informationstechnologie die Mobilität vollkommen verändern werden.

76 Elektroautos von zehn verschiedenen Herstellern und 16 unterschiedliche Fahrzeugtypen wurden für das Projekt eingesetzt. Die große Bandbreite war für wichtig, um möglichst viele Erfahrungen sammeln und damit ein realistisches Bild aufzeigen zu können. Deutliche Unterschiede haben sich zum Beispiel bei den Lademöglichkeiten aufgezeigt. Ziel war, das Laden so zu steuern, dass Spannungsspitzen in den Netzen vermieden werden und Fahrer idealerweise günstige Tarife ausnutzen können.

Prognosen der Einspeisung und des Verbrauchs waren dafür genauso notwendig wie eine Vorhersage der Einspeisung für einzelne Wind- und Solarparks. Doch nicht bei allen Stromern funktioniert das gesteuerte Laden. Manche Modelle sind technisch noch nicht dafür ausgelegt. Eine wichtige Erkenntnis.

Neue Fahrprognosen notwendigVorausschauendes Fahren ist ein weiterer wichtiger Aspekt für Elektroautos. Informationen über Berge, stockenden Verkehr oder auch Baustellen sind für die Reichweite eines Stromers wichtig. Daten, die es bisher nicht gibt. "Mit der Reichweitenbegrenzung intelligenter umzugehen bietet dem Fahrer mehr Sicherheit", erklärt Schnellhardt. In Erfurt ist dafür ein System entwickelt worden, bei dem Daten aus dem Elektrofahrzeug, dem städtischen Verkehrsmanagementsystem und der öffentlichen Ladeinfrastruktur zusammenfließen.

Die dafür notwendigen Daten werden über ein entwickeltes drahtloses Sensornetzwerk gewonnen. Dafür wurde nicht nur auf vorhandene Sensoren zurückgegriffen. "Wir haben über 170 neue Sensoren in die Infrastruktur der Stadt integriert und ein neues Prognosesystem aufgebaut", so Schnellhardt. Herausgekommen ist ein Verkehrsleitsystem, das für alle Autofahrer genutzt werden kann.

Eine Win-Win-Situation: Die Verkehrsplaner können aufgrund der direkten Verbindung sehen, welchen Weg die Autos gerade nehmen und so den Verkehrsfluss besser managen. Der Fahrer des Elektroautos erhält Informationen über die aktuelle lokale Verkehrslage mittels einer Smartphone-Applikation, die die optimale Route in punkto Reichweite ermittelt. Keine Prognosen, sondern Daten in Echtzeit. Darüber hinaus sind die Standorte und die aktuelle Belegung von Ladestationen und Parkhäuser in Erfurt sowie Informationen zum ÖPNV-Angebot über die App abrufbar.

Innovative Konzepte für mehr MobilitätFür Thüringen ist das erst der Anfang: In einem Folgeprojekt sollen alle Forschungsaktivitäten vernetzt und so eine großflächige Demonstration und Erprobung realisiert werden. So viele Fahrzeuge wie möglich sollen auf die Straße gebracht werden, um Probleme zu ermitteln und Lösungsansätze zu entwickeln.

63 Elektroautos fahren zurzeit in der Landeshauptstadt Erfurt. Innerhalb von zwölf Monaten sollen 100 zusätzliche Stromer auf die Straße gebracht und mindestens 150 zusätzliche Ladepunkte installiert werden. Schnellhardt: "Wir wollen einen Leuchtturm mit bundesweiter Ausstrahlungskraft im Bereich Elektromobilität realisieren."

Dass Elektromobilität der Antrieb der Zukunft sein wird, daran hat Schnellhardt keinen Zweifel. Genauso wenig Zweifel hat er, dass sich die Mobilität komplett verändert. Er stellt sich dabei so etwas wie eine Mobilitäts-Flatrate vor, mit der Auto, Bus und Bahn zu einem festen Preis genutzt werden. Wie es heute bei Smartphones und Internet längst Standard ist. "Die Nutzung eines eigenen Fahrzeugs spielt dann nur noch eine untergeordnete Rolle", ist der Projektleiter überzeugt.

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