Fahrräder aus Holz: Diese Drahtesel kommen (fast) ohne Draht aus

Fahrräder aus Holz: Diese Drahtesel kommen (fast) ohne Draht aus

von Jan Willmroth

Ikea-Bausatz, Design-Studie oder Luxus-Rad: Fahrräder aus Holz liegen im Trend. Wir stellen fünf von ihnen vor.

Der erste Gedanke beim Anblick von Fahrrädern aus Holz liegt nahe: Wie lange das wohl hält? Schließlich handelt es sich nicht um ein Möbelstück, das im Wohnzimmer einstaubt, sondern um einen Gebrauchsgegenstand, der Bordsteine, Kopfsteinpflaster und Split meistern muss. Da wirkt es doch ziemlich sinnlos, den Rahmen ausgerechnet aus Holz zu bauen.

Doch genau das machen Designer rund um den Globus. Sie experimentieren mit Bambus und Holz von Ahornbäumen, konstruieren Rahmen und Bauteile oder bauen gleich das ganze Bike aus Holz. Sie wollen zeigen, dass Holz als Rohmaterial für Fahrräder sehr wohl taugt – und noch dazu super aussieht. Nicht zu vergessen: Stammt das Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, ist seine Ökobilanz gegenüber allen Metallen unschlagbar gut.

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Weil mit dem so sonnigen März auch die Fahrradsaison in diesem Jahr früher startet, haben wir uns einmal nach Bikes aus Bäumen umgesehen. Hier sind 5 Ideen, die hölzernen Fahrspaß versprechen.

Das Bike nach IKEA-Prinzip

Wie ein normales Fahrrad sieht die Entwicklung des Design-Studenten Daniel Gestoso nicht gerade aus. Ist es auch nicht: Vor dem ersten Tritt in die Pedale muss der Schraubenschlüssel ran. Denn der Spanier verpackt die Einzelteile des Rads in einem IKEA-artigen flachen Karton. Wenn die letzte Schraube festgezogen ist, steht man vor einem ziemlich nachhaltigen Gefährt: Der Rahmen besteht aus laminiertem Ahorn-Holz, die mechanischen Bauteile wie Gabel und Sattelstütze waren mal Getränkedosen.

Marketingsprache kann Gestoso auch schon: „The ultimate ecologic vehicle“ nennt er seine Design-Studie. Mal sehen, wen er davon so überzeugen kann. Denn bislang sind seine Fahrräder aus Holz nur eine Idee.

Bamboocycles: Teure Unikate

Die Firma Bamboocycles ist da schon etwas weiter. Drei Rahmen haben die Mexikaner bislang im Angebot: Ein Rennrad, ein Rad mit Damen-Rahmen für die Stadt und einen Universal-Rahmen in klassischer Form. Alle Rahmen sind handgefertigt und bestehen hauptsächlich aus Bambus – jeder Stock wird in der Werkstatt aufwändig bearbeitet und angepasst. Als Verbindungsstücke setzt das Unternehmen Carbonfasern oder Alu-Bauteile ein.

Inzwischen bietet Bamboocycles auch Workshops an: In wenigen Tagen können Kunden ihr eigenes Bike zusammenschrauben – und kommen damit etwas günstiger weg. Denn die Bambus-Räder sind nur etwas für Luxusfreunde: Ein komplettes Rennrad kostet zurzeit – im Angebot – 10.000 Dollar. Dafür bekommt man aber auch ein Unikat.

In Deutschland werden die Bamboocycles nicht vertrieben. Die Berliner Fahrrad-Schmiede Naturrad baut allerdings ähnliche Fahrräder aus Holz und vertreibt einzelne Holz-Bauteile, die an jedes Fahrrad passen.

Bambus-Mountainbike mit Akku

Auch E-Wheels aus Dänemark hat Bambus-Stauden als Werkstoff entdeckt – und mit dem „Beast“ kürzlich das weltweit erste Holz-E-Bike vorgestellt. Die Bauweise ist mit der von Bamboocycles vergleichbar: Der Bambus-Rahmen stammt von Zambikes aus Sambia, die die Bambusfasern mit einem Spezialkleber verbinden. Metallteile machen den Rahmen steif genug, um Belastungen standzuhalten. Denn die sind bei Mountainbikes bekanntlich stärker als bei anderen Rädern.

Der Akkublock für den 250 Watt starken Elektromotor erinnert an eine Trinkflasche im Flaschenhalter. Erst auf den zweiten Blick wird so überhaupt deutlich, dass da jemand mit Akku-Unterstützung fährt. Das Ganze hat seinen Preis: Wer sich sein Bike zu Hause selbst zusammenschraubt, bekommt die Einzelteile für derzeit 4.500 Euro. Als normales Mountainbike gibt es das „Beast“ schon für "schlappe" 3.200 Euro.

Das Öko-Rad zum Nachbauen

Der Rahmen ist aus Buchenholz, die Speichen sind aus Bambus, die Verbindungsstücke aus Hanf: Das NaWaRo-Fahrrad einer Studentengruppe der TU Berlin setzt Maßstäbe in Sachen nachhaltiger Fahrradbau. Sie verwenden Lack aus Leinöl, bauen Lenkergriffe aus Kork und setzen bei den Lampen auf Bio-Kunststoff.

Und sie setzen auf die Fahrer als Konstrukteure: Das Rad solle sich mit möglichst einfachen Mitteln aus dem Baumarkt nachbauen lassen, sagte Thomas Finger im vergangenen Jahr auf der Hannover-Messe zu WiWo Green. Dort war der erste Prototyp zu sehen. Finger betreut das Projekt als Tutor. Nach und nach wollen er und seine Mitstreiter die Bauanleitungen für die Einzelteile ins Netz stellen.

Nur ein paar Verschleißteile gibt es noch nicht aus nachwachsenden Rohstoffen – Kette, Zahnräder, Lenkerstange und Kugellager sind aus altbewährtem Metall.

Japan: Schmuckstück mit maximalem Holz-Anteil

Der japanische Design-Student Oshima Yojiro von der Fakultät für Handwerks- und Industriedesign an der Musashino Art University geht mit seinem Abschlussprojekt einen Schritt weiter: Zwar braucht auch er Metall für Bremsen, Zahnräder, Schrauben und Kette – aber sonst ist an seinem „fusion“-Rad wirklich alles aus Ahorn.

Den Rahmen hat er aus sechs bis zwölf Millimeter starken, ausgehöhlten Teilen gebaut. Auch die Speichen bestehen aus geschwungenen Holzteilen und geben dem Bike eine ungewöhnliche Optik. Ein Hingucker ist auch der Lenker: Wie aus einem Guss, mit integrierten Armlehnen.

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