Feldheim: Dorf in Brandenburg baut größten Batteriespeicher Deutschlands

Feldheim: Dorf in Brandenburg baut größten Batteriespeicher Deutschlands

von Wolfgang Kempkens

Ein Brandenburger Dorf versorgt sich vollständig mit Ökoenergie - und verdient dank einem Großakku bald auch Geld damit.

Der 10. April dieses Jahres war ein Supertag für Stromverkäufer. Kurzzeitig sprang der Preis an der Leipziger Strombörse Epex auf mehr als vier Cent pro Kilowattstunde. Am 20. April freuten sich die wiederum die Käufer. Gerade mal einen Viertel Cent mussten sie für die Kilowattstunde berappen. Die Preissprünge – auch abseits der Börse – können noch weit stärker sein.

Von diesen Schwankungen will künftig das 120-Seelen-Dorf Feldheim bei Treuenbrietzen im Südwesten Brandenburgs profitieren. Das Dorf versorgt sich selbst zu 100 Prozent mit Strom und Wärme aus erneuerbaren Quellen. Und mehr noch: Die dörflichen Wind-, Solar- und Biogasanlagen erzeugen weit mehr Energie, als vor Ort verbraucht werden kann.

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Größte Batterie DeutschlandsDie ortsnahen Windenergieanlagen, die eine Leistung von insgesamt rund 74 Megawatt haben, lassen sich derzeit nicht optimal nutzen. In stürmischen Zeiten werden sie manchmal ganz oder teilweise abgeschaltet, weil die Netze ihren Strom nicht aufnehmen können und überlastet sind. Diesen Strom wollen die Feldheimer künftig mit einer riesigen Batterie speichern und dann verkaufen, wenn Spitzenpreise gezahlt werden.

Zehn Megawattstunden Strom wird der Großakku speichern, der damit der größte seiner Art in Deutschland ist und dessen Bau im Juni beginnen soll. 13 Millionen Euro investieren der örtliche Versorger Energiequelle und der Auricher Windenergieanlagenbauer Enercon in das Projekt.

Der zweitgrößte Akku Deutschlands wird gerade in Schwerin gebaut. Er puffert fünf Megawattstunden ab. Mitte 2015 soll er in Betrieb gehen. Auch in Aachen ist ein solcher Großspeicher im Bau; in Herne, NRW, tut jetzt schon ein 90 Tonnen schwerer Akku seinen Dienst, der Solarstrom speichert.

Eine kleine Rechnung zeigt, dass selbst der Größenrekord in Feldheim eigentlich eine bescheidene Dimension hat. Er kann gerade mal so viel Strom speichern, wie der Windpark in kaum zehn Minuten produziert. Trotzdem kann die Rechnung aufgehen.

Eine Investition, die sich lohntDenn für so genannte Primärregelleistung, die sekundenschnell zur Verfügung stehen muss, seien im Durchschnitt 2,50 Euro pro Kilowattstunde zu berappen, sagt Dirk Uwe Sauer, Professor für Elektrochemische Energiewandlung und Speichersystemtechnik an der Technischen Hochschule Aachen.

Manchmal ist der Preis noch höher. Der Strom wird benötigt, um sehr kurzfristige Versorgungslücken zu schließen. Manchmal wird er nur für ein paar Minuten abgezapft.

 „Wenn man von 20 Jahren Lebensdauer ausgeht, dann kann man mit Systemen, die maximal 1,2 Millionen Euro pro installiertem Megawatt Leistung kosten, Geld verdienen“, sagt Sauer - was beim Speicher in Brandenburg in etwa hinkommt. Er hat eine Gesamtleistung von zehn Megawatt. Um die verwendeten Lithium-Ionen-Batterien vor den Unbillen des Wetters zu schützen, erhalten sie eine 30 mal 17 Meter große Halle.

Allzu viele Speicher dieser Art lassen sich in Deutschland aber nicht realisieren, wenn sie Gewinn bringen sollen. Sauer beziffert den Gesamtmarkt an Primärregelleistung in Deutschland auf 600 Megawatt. 60 Anlagen vom Kaliber Feldheim würden also genügen.

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