Flaschen-Lampe: Die 1-Dollar-Leuchte bringt Licht in die Slums

Flaschen-Lampe: Die 1-Dollar-Leuchte bringt Licht in die Slums

von Benjamin Reuter

Illac Diaz hat mit seinem Startup fast eine halbe Million Solarlampen installiert – mit einem genialen Geschäftsmodell.

"Wenn man von oben auf die Hütten blickt", sagt der Architekt Illac Diaz, "dann ähneln die Slums einem Ozean aus Wellblech." Und tief in diesem Ozean kann es, wie auch im wirklichen Meer, sogar am Tag sehr dunkel sein.

Bei seinen Streifzügen durch die Slums von Manila fiel dem heute 42-jährigen Diaz immer wieder auf, dass die notdürftigen Hütten so nah nebeneinanderstanden, dass kaum Licht in die Räume drang. Auch tagsüber zündeten die Bewohner deshalb Glühbirnen, Petroleumlampen oder Kerzen an. Wollten sie Geld sparen, mussten sie im Dunkeln leben.

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Ähnlich wie auf den Philippinen ergeht es Millionen armen Menschen weltweit. Doch wie könnten die Bewohner ihre Hütten besser beleuchten, fragte sich Diaz? Die Antwort fand er an der US-Eliteuni "Massachusetts Institute of Technology" (MIT), an der er alternative Architektur studierte.

Die Flaschen-Lampe aus Brasilien

Am MIT lernte er Alfredo Moser kennen, einen Brasilianer, der bereits ein Konzept entwickelt hatte, das Licht in die Slums bringen konnte: Moser hatte einfach eine Plastikflasche mit Wasser gefüllt und etwas Bleiche gegen den Algenwuchs ins Wasser gemischt. In ein Loch im Dach gesteckt und abgedichtet, lieferte die Flaschen-Lampe tagsüber bis zu 55 Watt an Licht - ungefähr das, was auch eine Glühbirne schafft.

Nur hatte Moser außer ein paar Schulen in brasilianischen Dörfern nie viele Haushalte mit seiner Entwicklung erreicht. Dazu brauchte es Diaz' Unternehmergeist: Er ist heute CEO des Startups Liter of Light.

Beinahe 500.000 Flaschen-Lampen sind seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2011 weltweit installiert worden. Hinzu kommen rund 100.000 Solarlichter. Die Lampen fertigt Diaz aber nicht selbst: Das übernehmen lokale Kooperativen, die meist aus Frauen bestehen. Die Komponenten dazu kaufen sie entweder vor Ort - oder geschulte Ausbilder zeigen ihnen, wie sie die Schaltkreise aus Elektroschrott selbst herstellen können.

Diaz' Anspruch an den Flaschen-Bauplan ist daher, dass alle Teile vor Ort erhältlich sind. Das kurbelt die lokale Wirtschaft an und hat einen weiteren positiven Nebeneffekt: Sind die Lampen vor Ort gefertigt, wissen die Handwerker auch, wie sie die Technik reparieren können. Bei komplizierten Importprodukten ist das nicht immer der Fall. Alle Bauanleitung stehen zusätzlich frei verfügbar im Internet.

Eine Lampe aus einer gebrauchten Plastikflasche mit Bleiche und einer Versiegelung für das Dach kostet dabei im Verkauf einen Dollar. Beauftragen die Bewohner einen Handwerker für die Installation, kostet das 50 Dollarcent extra.

Finanzierung durch EinsparungenDas Besondere: Die Bewohner der Hütten können die Lampen auf Kredit kaufen. Was sie an Geld für Kerzen, Petroleum oder Strom sparen, zahlen sie erst nach einiger Zeit an die Kooperative. Die kann wiederum mit dem Gewinn Lampen bauen und dann auf Kredit an die Bewohner abgeben. Liter of Light liefert dafür die Anschubfinanzierung (das Startup selbst finanziert sich über Spenden).

Dieses System ist aus Industrieländern auch als Contracting bekannt – der niederländische Technikkonzern Phillips zum Beispiel bringt so Städte dazu, Straßenlaternen mit stromsparender LED-Beleuchtung auszurüsten.

Aber da endet die Idee von Liter of Light noch nicht. Nachdem die Bewohner die Flasche abbezahlt haben, können Sie weiteres Geld für ein Solarlicht sparen, das sich an der Flasche nachrüsten lässt. Es besteht im Wesentlichen aus einem kleinen Solarpanel, einigen Batterien, wie sie auch in E-Zigaretten stecken, einem Hitzeschutz und einem Schaltkreis. Zwischen acht und zehn Dollar soll dieses nachrüstbare Solarlicht kosten.

Inzwischen haben Diaz und seine Mitstreiter auch günstige Solarstraßenlaternen entwickelt, die vor allem in Katastrophengebieten wie aktuell in Nepal zum Einsatz kommen. Demnächst sollen einige Teile für die Straßenlaternen auch per mobilem 3D-Drucker entstehen.

Diaz hat mit seinem Projekt weder das Rad, noch die Lampe neu erfunden. Trotzdem bringt er Licht in arme Haushalte - umweltfreundlich und vor allem bezahlbar. Deshalb wurde er bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet; jüngst mit dem Zayed Future Energy Prize, der jährlich in Abu Dhabi herausragende Leistungen im Bereich Umweltschutz und Entwicklungsarbeit prämiert. Mit dem Preisgeld will Diaz jetzt weitere Kooperativen in Afrika aufbauen.

Dieses Video zeigt, wie Liter of Light funktioniert:



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