Flüssig-Erdgas: Unternehmen plant LNG-Terminal in Schleswig-Holstein

Flüssig-Erdgas: Unternehmen plant LNG-Terminal in Schleswig-Holstein

von Angela Schmid

Die Brunsbüttel Ports GmbH will ein Terminal für Flüssigerdgas bauen. Doch der Bund ziert sich noch.

Wenn Frank Schnabel von etwas überzeugt ist, zieht er es auch durch. Und dabei beweist der Geschäftsführer der Brunsbüttel Ports GmbH Ausdauer. Seit 2011 setzt er alle Hebel in Bewegung, um in dem größten Industriegebiet Schleswig-Holsteins ein Import-Terminal für Flüssiggas (LNG) zu errichten. Damit will Schnabel den Transport des Erdgases, das sich bei minus 162 Grad Celsius verflüssigen lässt, einfacher machen.

Unterstützung für seine Idee bekommt er vom Land. Und mit VTG hat Schnabel eines der führenden Schienenlogistikunternehmen in Europa für das Projekt gewonnen. Im Rahmen einer Kooperation will er gemeinsam mit VTG den Ausbau eines LNG-Transport- und Logistiksystems voranbringen. Vor kurzem stellten sie den Prototyp des europaweit ersten LNG-Kesselwaggons vor, mit dem sich Flüssigerdgas in Europa erstmals auf der Schiene transportieren ließe. Konzipiert wurde der Waggon für den europaweiten Transport und den Einsatz auf unterschiedlichen Spurbreiten.

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Niederländisches Unternehmen macht Druck auf den BundWas Schnabel aber fehlt, ist die Unterstützung des Bundes. Das niederländische Energie-Infrastruktur-Unternehmen Gasunie, das Europas größten Flüssigerdgas-Terminal in Rotterdam betreibt, bietet sich zwar als Investor an. Allerdings will das Unternehmen das teure Vorhaben nicht ohne politische Unterstützung schultern – das Investitionsvolumen wird auf knapp eine Milliarde Euro geschätzt.

Das niederländische Unternehmen setzt den Bund nun mit der Forderung nach staatlichen Fördergeldern unter Druck. Marcel Tijhuis von Nederlandse Gasunie attestiert Brunsbüttel zwar Chancen für ein Terminal – wenn denn die Entscheidung beim Bund nicht zu lange auf sich warten lasse. „Die Anbieter von Flüssiggas in Katar, den USA und Kanada sind jetzt dabei, sich Standorte auszusuchen“, sagte er der Norddeutschen Rundschau.

Dass die Zeit für eine Entscheidung drängt, zeigt auch eine Studie der Unternehmensberatung AT Kearney. Demnach wird derzeit die Gasimportinfrastruktur sowohl bei Pipelinegas als auch bei LNG massiv ausgebaut. AT Kearney erwartet, dass die Pipelinekapazitäten um mehr als 65 Prozent zunehmen und sich die Kapazitäten der LNG-Importterminals bis 2020 mehr als verdoppeln.

Berlin lotet das Thema LNG kaum ausNach Aussage der Unternehmensberatung sind die Importe von Pipelinegas in den vergangenen beiden Jahren signifikant zurückgegangen, wohingegen der Import von (LNG) in den Jahren 2009 und 2010 um elf beziehungsweise 18 Milliarden Kubikmeter angestiegen ist. „Diese Entwicklung lässt sich auf günstige LNG-Spotmengen zurückführen, die aus einem weltweiten Überangebot resultierten“, so Florian Haslauer, Partner bei AT Kearney und Leiter des europäischen Beratungsbereiches Energiewirtschaft. Um nicht von anderen Ländern abgedrängt zu werden, muss sich der Bund bald entscheiden.

In Berlin wurde der mögliche Bedarf auf Seiten der Industrie bisher kaum ausgelotet. Allerdings räumt Frank Bonaldo, Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium, ein: „LNG ist mehr als eine Option, es ist der zurzeit wichtigste alternative Energieträger der Zukunft für die Schifffahrt und den Langstrecken-Schwerlastverkehr. Viele europäische Nachbarn haben dies schon früh erkannt. Wir können von ihnen lernen und müssen unsere Chancen in Deutschland nutzen.“ In einer Anfrage der Grünen betonte die Bundesregierung, dass ein LNG-Terminal „als zusätzliche Importinfrastruktur zu einer höheren Versorgungssicherheit beitragen“ würde.

LNG bietet sowohl geopolitische als auch ökologische Vorteile: Es kann unabhängig von Pipelines in großen Mengen auf Tankern transportiert werden, gleichzeitig werden durch das Flüssigerdgas Stick- und Kohlendioxide deutlich verringert und die Feinstaubemission sowie Schwefel ganz vermieden.

Flüssigerdgas zu teuer für ReedereienDass aus Exportländer wie Katar, Oman, Indonesien, Malaysia oder in Zukunft auch den USA kommende LNG könnte von Brunsbüttel aus an Industrieunternehmen, Speditionen und Reedereien geliefert werden. Sie sind interessant als Kunden, weil sie immer stärker auf Alternativen zum Schweröl setzen. Nur leisten können es sich beispielsweise Reedereien bisher nicht: Die Investitionskosten für ein Schiff mit einem zusätzlichen LNG-Motor liegen um bis zu 30 Prozent höher als für einen herkömmlichen Schiffsantrieb.

Bislang werden Containerschiffe auf hoher See daher von Schweröl angetrieben, das früher von den Raffinerien als Abfallprodukt betrachtet wurde. Strenge Umweltvorschriften in wichtigen Fahrtgebieten schränken dies allerdings schon heute ein. Spätestens 2020 wird es damit ganz vorbei, wenn weltweite Schwefel-Grenzwerte gelten. LNG könnte dafür eine Alternative bieten.

Aber auch direkt vor Ort, im Industriepark Brunsbüttel, mit seinen großen Gasverbrauchern und der Schifffahrt an Elbe und im Nord-Ostsee-Kanal, sieht Schnabel potentielle Abnehmer. „Für Industrieunternehmen ist eine dauerhaft gesicherte Energieversorgung von höchster Priorität, sodass auch Alternativen zum regulären Pipelinegas in Betracht gezogen werden“, so der Geschäftsführer der Brunsbüttel Ports GmbH.

Fraunhofer Institut arbeitet an StudieIn trockenen Tüchern ist der Terminal in Schleswig-Holstein aber noch lange nicht. Zurzeit arbeitet das Fraunhofer Institut Maritime Logistik und Dienstleistungen aus Hamburg im Auftrag des Wirtschaftsministeriums Schleswig-Holstein, der Wirtschaftsförderung und der Brunsbüttel Ports GmbH an einer LNG-Potentialstudie für den Standort Brunsbüttel. Ergebnisse werden im Herbst erwartet.

Für den Standort an der Westküste Schleswig-Holsteins spricht der seeschifftiefe Elbehafen und dass die Betreiber bereits Erfahrungen im Handling von vergleichbaren Gütern gesammelt haben. Und hafennahe Freiflächen gibt es in dem Industriegebiet reichlich. „Mit der Errichtung eines LNG-Importterminals können Potentiale für eine bundesweite Diversifizierung der Gasversorgung entstehen“, ist Schnabel überzeugt.

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