Flüssiggas im Tank: Erster Kühltruck fährt in den Niederlanden

Flüssiggas im Tank: Erster Kühltruck fährt in den Niederlanden

von Wolfgang Kempkens

Leiser und sauberer fahren Trucks mit Flüssiggas. Die Entwickler wollen sie bald im großen Stil auf die Straße bringen.

Früh am Morgen, wenn die meisten Menschen noch schlafen, rollt ein mächtiger Sattelschlepper durch das Zentrum niederländischer Städte. Er bringt für eine Spedition Tiefkühlkost in Filialen einer Lebensmittelkette. Der Truck ist der einzige, der zu derart früher Stunde unterwegs sein darf. Denn seine Geräuschbelastung liegt unterhalb von 72 Dezibel, einem Grenzwert, der in mehreren Städten des Landes gilt. Damit können die Fahrzeuge vor der Rushhour liefern. Damit vermeiden sie ärgerliche Staus, die Zeit und unnötig Treibstoff kosten.

Der Iveco-Truck ist vergleichsweise leise, weil er nicht von einem Dieselmotor angetrieben wird, sondern von einem Otto-Motor. Aber der verbrennt kein Benzin, wie zu vermuten wäre, sondern bedient sich aus Flüssiggastanks (auch als LNG bekannt, kurz für Liquefied Natural Gas), die unter der Ladezone angeordnet sind.

Anzeige

Das Erdgas in den extrem gut isolierten zylindrischen Behältern hat eine Temperatur von minus 161 Grad. Damit der Motor nicht vereist, muss es auf dem Weg dahin erwärmt werden. Dabei gibt es seine Kälte an ein Thermoöl ab, das in einen Wärmetauscher im Laderaum fließt. So bleibt die Kühlkette zwischen Lager und Laden erhalten.

Bei herkömmlichen Kühltrucks treibt der Motor eine Kältemaschine an, die den Laderaum kühlt. Sie verbraucht pro Fahrstunde drei Kilowattstunden oder einem Liter Diesel. Franz Lürken, Kühltransportspezialist bei der Krefelder Dependance des französischen Gasespezialisten Air Liquide, hatte die Idee zur Doppelnutzung von LNG, die noch weitere Vorteile bringt. So emittiert der Gastruck 90 Prozent weniger Stickoxide und zwölf Prozent weniger Kohlendioxid als ein konventionell angetriebener Diesel-Lkw.

Zudem kostet die Kühlenergie während der Fahrt keinen Cent. Lediglich bei stehendem Motor, also beim Be- und Entladen, springt ein zweites Kühlsystem ein. Es bedient sich aus einem Tank mit flüssigem Stickstoff, der eine Temperatur von minus 196 Grad Celsius hat. Statt mit LNG wird das Thermoöl jetzt mit dem Stickstoff gekühlt, das in die Umwelt entweicht. Das bringt keine neuen Umweltprobleme, denn Luft besteht zu rund 78 Prozent aus diesem Gas.

Weil Emissionsminderung bisher im Verkehr für die Speditionen kein wirtschaftlicher Faktor ist, bei einer Kostenrechnung also keine Rolle spielt, lohnt sich die – von Air Liquide nicht bezifferte – Investition in die Nachrüstung erst nach einigen Jahren. In den USA ist das wegen der äußerst günstigen Gaspreise anders. So rüstet das Logistikunternehmen UPS gerade tausende Trucks auf LNG-Antrieb um. Auch Speditionen ziehen nach.

Auch in den Niederlanden experimentieren weitere Speditionen schon seit 2012 mit mehr als 40 LNG-Trucks. Sie sparen nach Angaben der Unternehmen rund 10.000 Euro Spritkosten pro Jahr. Nach rund sechs Jahren hat sich die Investition damit gelohnt.

Air Liquide glaubt trotz der vergleichsweise langen Amortisationszeit an den Erfolg seiner seine CTL2 genannten Technik auch in Deutschland – das Kürzel steht für Cryogen Trans LNG+LIN, LIN ist kurz für Liquefied Nitrogen. Denn obwohl keine kurzfristigen Einsparungen winken, können sich die Unternehmen, die ihre Produkte mit den Trucks ausliefern lassen, mit einem Plus an Umweltfreundlichkeit schmücken. Zudem könnte die geringere Lärmbelastung Vorteile bei Behörden bringen; wie eben die extrem frühen Lieferzeiten in den Niederlanden. Allein in Deutschland sollen in den nächsten Jahren 500 CTL2-Lkw rollen.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%