Flunderkraftwerk: Deutsches Startup entwickelt Strom erzeugende Solarstraße

Flunderkraftwerk: Deutsches Startup entwickelt Strom erzeugende Solarstraße

von Andreas Menn

Straßen sollen Strom erzeugen - mit einem Teppich aus Solarzellen, der sich am Fließband produzieren lässt.

Fast 650.000 Kilometer Straßen ziehen sich durch Deutschland – damit würden sie sich mehr als 16-mal um die Erde schlingen. Dieses immense Band aus Asphalt wollen deutsche Ingenieure und Forscher nun nutzen, um grünen Strom zu erzeugen.

"Wir wollen Straßen in Solarkraftwerke verwandeln", sagt Donald Müller-Judex, Gründer des Startups Solmove aus Herrsching am Ammersee, "und damit der Fotovoltaik ganz neue Flächen erschließen."

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"Solarteppich" zum AusrollenMöglich machen soll das ein neuartiges Solarmodul, über das sogar Lastwagen rollen können, ohne es zu zerstören. Es besteht aus acht mal acht Zentimeter großen Fliesen aus einem besonders bruchsicheren Spezialglas, in dem Solarzellen eingelassen sind.

Ein Netz verbindet hunderte der Fliesen zu einem Teppich – und leitet auch gleich den Strom weiter, den die Solarzellen erzeugen. "Der Solar-Teppich lässt sich industriell vorfertigen", sagt Müller-Judex, "und auf der Straße bequem ausrollen."

Auch bestehende Straßen sollen sich so zu Solaranlagen aufrüsten lassen. Dazu will Solmove den Fotovoltaik-Teppich mit einem speziellen Gummiasphalt auf der Straße festkleben. Im Labor hat das Glas des Gründers bereits Belastungstests überstanden.

"Unser Glas hält länger als Asphalt", ist der 52-Jährige überzeugt. Mindestens 25 Jahre soll die Fotovoltaik-Fahrbahn durchhalten - das entspricht der Lebensdauer von Solarmodulen auf dem Dach. Heutige Straßen dagegen brauchen spätestens nach 20 Jahren eine Grundsanierung.

Namhafte Institute beteiligen sich

Bisher existiert allerdings nur ein Labormuster der befahrbaren Solarzellen, in etwa so groß wie ein DIN-A3-Blatt. Doch Müller-Judex plant, bis Sommer 2017 einen Parkplatz in der Gemeinde Inning am Ammersee mit seiner Erfindung zu pflastern. Dazu hat er namhafte Entwicklungspartner gewonnen, darunter zwei Fraunhofer-Institute, die RWTH Aachen, die Bundesanstalt für Straßenwesen und das Forschungszentrum Jülich. Zusammen wollen die Experten die Technologie weiter entwickeln. Zudem sucht Solmove nach Investoren, die die Kommerzialisierung der Technik finanzieren.

Unter anderem will Müller-Judex die Ausbeute der Solarzellen steigern und die Glasfahrbahn noch griffiger machen, damit Autos bei Regen nicht ins Rutschen geraten.

Eine spezielle Oberfläche soll ihr außerdem selbstreinigende Eigenschaften verleihen, so dass möglichst wenig Schmutz das Sonnenlicht von den Solarzellen abhält. Künftig könnten auch LED-Lampen in die Module integriert werden, so dass Straßen nachts etwa leuchtende Seitenstreifen bekämen.

Für Kommunen attraktivDie Kosten für die Strom erzeugende Fahrbahn, hofft Müller-Judex, könnten mittelfristig genauso hoch sein wie für eine Solaranlage auf dem Dach. Zwar erzeugen flach verlegte Solarmodule weniger Strom; dafür könnte die Installation der Solar-Fahrbahn deutlich preiswerter sein als die Montage von Modulen auf Gebäuden.

Vor allem, weil Solmove keine Betonkonstruktion benötigt, wie sie die Solarstraßen-Projekte Solarroadways in den USA und Solaroad in den Niederlanden nutzen.

Kommunen müssten zunächst mehr Geld in die Hand nehmen, um ihre Straßen zu modernisieren. Sie könnten langfristig aber Ausgaben sparen: "Herkömmliche Straßen kosten Geld", sagt Müller-Judex. "Eine Solarstraße verdient Geld."

Er rechnet vor: Würden alle geeigneten horizontalen Flächen in Deutschland für die Solarstromerzeugung genutzt, ließen sich mit dem Strom 20 Millionen Elektroautos betreiben. Mit Hilfe eingebauter Induktionsschleifen könnten die Fotovoltaik-Fahrbahnen in ein paar Jahren sogar Autos während der Fahrt drahtlos mit Energie versorgen. Aber selbst, wenn nur Parkplätze gepflastert würden, käme schon eine beträchtliche Menge Strom zusammen.

Das zeigen nun auch Ergebnisse des Projekts Solaroad in den Niederlanden: Dessen 70 Meter langer Solar-Fahrradweg in der Gemeinde Krommenie nördlich von Amsterdam ist seit einem halben Jahr in Betrieb - und hat mehr Strom erzeugt, als die Konstrukteure gehofft hatten. Mit den mehr als 3000 erzeugten Kilowattstunden, heißt es bei Solaroad,  könne ein Elektroscooter zweieinhalb mal um die Welt fahren.

Nun muss Solmove beweisen, dass die Technik reif ist für ihren Auftritt auf der Straße. Im Allgäu, wo Müller-Judex öfter mit dem Auto unterwegs ist, wäre sie vermutlich eine willkommene Alternative zu Solarparks auf der grünen Wiese und auf Scheunendächern. Letztere sind in manchen Dörfern schon vollständig mit Solarmodulen belegt.

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Lesen Sie auch:Energie-Revolution: Niederländer bauen Fahrradweg aus Solarmodulen

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