Fotovoltaik: Sharp präsentiert Strom erzeugende Fenster

Fotovoltaik: Sharp präsentiert Strom erzeugende Fenster

von Andreas Menn

Der japanische Elektronikkonzern stellt erstmals durchsichtige Solarmodule vor, mit denen Fenster, Balkonbrüstungen oder Pavillons bald Strom erzeugen.

Der japanische Elektronikkonzern Sharp will in dieser Woche auf einer Solarmesse in Japan Strom erzeugende Fenster präsentieren. Wie das Unternehmen heute bekannt gab, wird Sharp auf der PV Japan 2013 ein durchsichtiges Solarmodul vorstellen, aus dem sich Fenster und Balkonbrüstungen herstellen lassen. Darüber hinaus lasse sich die Durchblick-Solarzelle "in einer Reihe weiterer Anwendungen" integrieren.

Welche Produkte das sein könnten, verraten die Japaner nicht. Aber auf der Illustration des Messestands, die schon im Internet zu sehen ist (siehe oben), lässt sich ein gläserner Unterstand für Fahrräder erkennen. Denkbar ist, dass damit künftig Pedelecs Sonnenstrom tanken können.

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Mit ihrer Innovation setzen die Japaner ganz auf einen aktuellen Trend: Solarmodule auf dem Dach werden mehr und mehr durch neue Produkte ersetzt, bei denen Solarmodule direkt in Gebäude eingebaut werden. Fachleute sprechen von der Gebäudeintegrierten Fotovoltaik. So arbeiten Forscher am renommierten National Renewable Energy Laboratory in den USA an Dachziegeln aus Glas, die mit einer Strom erzeugenden Solarzelle beschichtet sind. Dazu verwenden sie biegsames Gorilla-Glas des Herstellers Corning, das auch im iPhone eingebaut wird.

Die Idee dahinter ist faszinierend: Bald werden Bauteile von Häusern - Dächer, Fassaden oder Fenster - ab Werk zu kleinen Kraftwerken. Das spart viel Material, denn bisher müssen Solarmodule auf speziellen Halterungen aufwendig an Dächern befestigt werden. Monteure müssen dazu obendrein viele Arbeitsstunden investieren, die am Ende Solarstrom deutlich teurer machen, als die Module allein kosten.

Der Nachrichtenanbieter Bloomberg hat diesen Trend heute in einem spannenden Beitrag analysiert. Demnach entwirft nun sogar der britische Stararchitekt Norman Foster Gebäude, in denen Solarzellen von vornherein eingebaut sind. Ein Accenture-Experte, der im Bericht zitiert wird, geht sogar davon aus, dass Einbau-Solarzellen bald für Architekten und Bauherren ein "must-have" werden, also in etwa so obligatorisch werden wie Fenster und Türen.

Das Marktforschgungsinstitut Nanomarkets geht davon aus, dass der Markt für Fotovoltaik-Glas im Jahr 2016 schon 6,4 Milliarden Dollar groß sein wird. Verschiedene Unternehmen arbeiten an der Technik, darunter das australische Solarunternehmen Dyesol, das britische Startups Oxford PV und das US-Startup New Energy Technologies.

Fotovoltaik aus dem DruckerKünftig können neuartige Solarzellen sogar in gewöhnlichen Siebdruckmaschinen auf Stahl, Glas oder Plastik aufgedruckt werden. Möglich machen es sogenannte Farbstoff-Solarzellen, die statt Silizium billige Farbstoffe verweden, um Sonnenlicht in Strom zu verwandeln - ganz nach dem Vorbild der Pflanzen. Auf der Messe in Japan will Sharp auch solche Farbstoff-Solarzellen präsentieren. Wenig wahrscheinlich ist aber, dass sie  den Rekord-Wirkungsgrad von 15 Prozent knacken, den der Erfinder der Farbstoff-Solarzelle, der Schweizer Chemiker Michael Grätzel, erst kürzlich aufgestellt hat.

Dass Sharp nicht die deutsche Messe Intersolar, sondern die Konkurrenzveranstaltung in Japan wählt, um seine Neuheiten vorzustellen, dürfte nicht nur daran liegen, dass es sich um ein japansiches Unternehmen handelt. Denn Japan ist in diesem Jahr auch der wohl dynamischste Markt für Fotovoltaik weltweit, wie die Marktforscher von Greentech Media berichten. 5,3 Gigawatt könnten die Japaner bis Jahresende neu installieren - und wären damit zweitgrößter Markt nach China.

Durchsichtige Solarfenster sind übrigens nicht die einzige Neuheit, mit der Sharp derzeit auf sich aufmerksam macht. Erst vor kurzem hatte der japanische Elektronikkonzern eine Rekord-Solarzelle präsentiert, die einen Wirkungsgrad von 44,4 Prozent hat.

Wahrscheinlich erfasst das Fotovoltaikfieber dank neuer Produkte jenseits der herkömmlichen Module künftig nicht nur wohlhabende Hausbesitzer mit genügend Dachfläche. Auch Mehrfamilienhäuser und Bürotürme werden mit Balkon-Panels oder Strom erzeugenden Fassaden bald zu Kraftwerken. Jeder kann dann Sonnenenergie gewinnen - und sich die Installation der neuartigen Fotovoltaiksysteme, die künftig gar als Strom-Rollo oder energieliefernde Fensterfolie daherkommen, wohl auch leisten.

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