Fracking: Dänemark stoppt Probebohrung wegen ungeprüfter Chemikalie

Fracking: Dänemark stoppt Probebohrung wegen ungeprüfter Chemikalie

von Peter Vollmer

Der Energiekonzern Total wollte in Dänemark nach Schiefergas bohren. Doch daraus wird vorerst nichts.

Für den Energie-Konzern Total war der vergangene Montag ein großer Tag: Die Franzosen durften als erstes Unternehmen für ein Frackingprojekt auf dänischem Boden probebohren. Allerdings war die Freude schon am nächsten Tag vorbei: Die Regierung stoppte die Bohrungen nach Schiefergas wegen einer der dabei verwendeten Chemikalien.

Diese sei "nicht Teil der autorisierten Produkte" gewesen, zitiert die Nachrichtenagentur AFP einen Sprecher von "Energistyrelsen", der dänischen Energieagentur. Diese ist dem Energieministerium unterstellt und kümmert sich auch um Auslands-Kooperationen.

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Der öffentlich-rechtliche Sender "DR" sprach von einem Produkt namens "Null Foam", das Schaumbildung verhindern soll und als umweltschädlich gilt. Das Ministerium hat das Produkt wegen fehlender Tests noch nicht freigegeben, berichtet das Portal "Shalegas International".

Total überrascht, Stadtrat wütendTotal-Projektleiter Henrik Nicolaisen hingegen sagte, die Chemikalie sei nicht illegal und habe nicht auf der genehmigten Liste gestanden, "weil wir nicht erwartet haben, dass es ein Problem sein würde."

Man habe seit Februar mit der Gemeinde und der Energieagentur in Kontakt gestanden und "gefühlt, dass wir eine gemeinsame Verständigung darüber hatten, dass diese Substanz genutzt werden könne", so Nicolaisen weiter.

Die Testbohrungen fanden im Norden Dänemarks, in der Region Vendsyssel statt. Der Vorsitzende des Umweltausschusses des zuständigen Rates in der Stadt Frederikshavn, Anders Brandt Sørensen, sagte gegenüber DR: Die Nutzung des nicht erlaubten Produktes mache ihn "sehr wütend".

Aktivisten kletterten auf den Bohrer

Wütend waren schon im Vorfeld Anwohner und Umweltorganisationen. Gegner hatten die Bohrfelder im vergangenen Jahr blockiert, noch diesen April waren Greenpeace-Aktivisten auf die 45 Meter hohe Bohrmaschine geklettert.

Die Erdgasvorkommen Dänemarks (und Grönlands) sind nach derzeitigen Schätzungen die viertgrößten in Europa. Die Schiefergasvorkommen gelten dagegen als weit weniger bedeutend.

Die bislang tolerante Haltung gegenüber Fracking macht das Land aber attraktiv für Unternehmen – andere Staaten wie Frankreich oder die Niederlande haben allen Frackingbemühungen zumindest vorerst eine Absage erteilt.

In Deutschland will die Regierung Fracking unter Auflagen erlauben, auch wenn sich zahlreiche Politiker dagegen aussprechen. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf beschloss das Kabinett Anfang April. Einen Fracking-Boom wie in Vereinigten Staaten dürfte es laut einer aktuellen Studie hierzulande allerdings nicht geben.

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