Fracking-Gesetz: Umweltschützer verlieren gegen Wirtschaftsministerium

Fracking-Gesetz: Umweltschützer verlieren gegen Wirtschaftsministerium

von Benjamin Reuter

Viele Abgeordnete der Regierungsparteien wollen die Schiefergasförderung verbieten – daraus wird jetzt nichts mehr.

Vor einigen Wochen hielt es ein Vertreter aus dem Wirtschaftsministerium noch für unmöglich, dass sich am angedachten Fracking-Gesetz noch viel ändert. Dessen Eckpunkte waren schon Anfang Juli öffentlich geworden. Einer der wichtigsten Aspekte damals: In Tiefen weniger als 3000 Metern dürfe das umstrittene Fracking zur Erdgasförderung nicht angewandt werden. Dabei pumpen die Ingenieure Wasser vermischt mit Sand und einigen Chemikalien in den Untergrund. Genau diese Grenze ist jetzt in den Verhandlungen zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium überraschend gekippt worden.

Der neue Entwurf, über den das Nachrichtenmagazin Der Spiegel am Sonntag erstmals berichtete, sieht vor, dass auch oberhalb von 3000 Metern Schiefergas gefördert werden darf. Das ist insofern wichtig, da kommerzielle Vorkommen zuerst dort erkundet werden, weil die Bohrungen weniger teuer sind. Dennoch gehen Geologen davon aus, dass sich die größten Schiefergasreserven in Deutschland tiefer als 3000 Meter befinden.

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Dass die Grenze fällt, ist vor allem dem industriefreundlichen Wirtschaftministerium und dem Verhandlungsführer und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) geschuldet. Verloren hat das Umweltministerium, das die Grenze nicht halten konnte. Vor allem Abgeordnete aus den Regionen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, wo möglicherweise gefrackt werden wird, wollten mit dieser Grenze jeglichen Erkundungen einen Riegel vorschieben.

Probebohrungen könnten also nun auch in flacher gelegenen Schiefersteinschichten stattfinden, was es sehr viel wahrscheinlicher macht, dass es Pilotprojekte zur Schiefergaserkundung geben wird. Wollen Unternehmen das Erdgas später einmal kommerziell fördern, wird eine eigens einberufene Expertenkommission darüber entscheiden, ob die Umweltfolgen vertretbar sind. Zusätzlich müssen lokale Bergbau- und Wasserbehörden dem Vorhaben zustimmen. Für jede Art von Schiefergas-Fracking gilt: Es dürfen dabei keine wassergefährdenden Mittel zum Einsatz kommen.

Die Grenze von 3000 Metern ist allerdings eine politische Setzung, die keine wissenschaftliche Grundlage hat. Viele Forscher halten einen Abstand von 1000 Metern zum Grundwasser für völlig ausreichend. Hinzu kommt: Die Gefahr beim Fracking ist nicht, dass Stoffe aus den Tiefen an die Oberfläche kommen, sondern dass Bohrungen schadhaft sind und Stoffe nahe der Oberfläche ins Grundwasser gelangen. Diese Gefahr berücksichtigen die öffentlich gewordenen Pläne der Bundesregierung bisher überhaupt nicht.

Allerdings geht der Fracking-Entwurf jetzt erst einmal in die Ressortabstimmung und muss auch noch durch den Bundestag verabschiedet werden. Änderungen sind also durchaus noch möglich.

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Morgen lesen Sie an dieser Stelle ein ausführliches Interview zu den Risiken des Frackings mit dem Gutachter Uwe Dannwolf, der für das Umweltbundesamt kürzlich eine ausführliche Studie zur Schiefergasförderung erstellt hat.

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