Fracking: Mehr Gefahr als Nutzen in Deutschland

Fracking: Mehr Gefahr als Nutzen in Deutschland

von Benjamin Reuter

Fracking in Deutschland sei so sinnvoll, "wie am Nordpol Bananen zu pflanzen". Das ist das Ergebnis einer neuen Studie zur unkonventionellen Erdgasförderung.

Das Thema Fracking sorgt derzeit wieder für hitzige Diskussionen - zumindest in den USA. Gerade erst wurde dort eine Studie veröffentlicht, die Trinkwasserschäden durch die unkonventionelle Erdgasförderung beschrieb. Gleichzeitig zog sich die US-Umweltbehörde von einem Projekt zurück, in dem sie ganz offiziell Schäden nachweisen wollte. Für die Gesetzgebung in den USA wäre eine Untersuchung einer Bundesbehörde aber entscheidend gewesen. Seitdem rätseln die Kommentatoren über den Grund für diesen Schritt.

In Deutschland wurde es dagegen in den vergangenen Wochen ruhig um das Thema Fracking, nachdem die Bundesregierung an einer Novellierung eines entsprechenden Gesetzes zur Regelung der unkonventionellen Erdgasförderung gescheitert war. Dabei werden Millionen Liter Wasser vermischt mit Sand und Chemikalien unter hohem Druck in den Boden gepresst, um das Gas aus dem Schiefergestein zu lösen.

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Diese Ruhe stört nun eine neue Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitutes (HWWI) und der privaten Berenberg Bank (hier als PDF). Sie beschäftigt sich vor allem mit der Frage, wie die Erdgasmengen, die durch den US-Frackingboom gefördert werden, den Weltmarkt verändern. Aber auch zu der Frage, ob man in Deutschland fracken sollte, gibt die Studie Antworten. Hier die wichtigsten:

1. "In Deutschland sollte ein vorschnelles Handeln in Bezug auf die Schiefergasförderung vermieden werden: Gerade in den Ländern mit einer großen Bevölkerungsdichte hätten negative Umweltauswirkungen (Trink- und Grundwasserverschmutzung, Bohrunfälle, CO2-Ausstoß) erhebliche Folgen für große Teile der Bevölkerung."

2. "Gerade aus den Bundesländern, wo im Boden Schiefergas lagert, ist mit Widerstand zu rechnen. Die Politiker aus Niedersachen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg befürchten, in der Wählergunst zu sinken, sollten sie dem Fracking zustimmen."

3. "Auch in Deutschland liegen bedeutende Schiefergasvorkommen. Diese befinden sich vor allem in Norddeutschland (Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen). Die BGR schätzt in ihrer 2012 erschienenen Studie zur Abschätzung des Schiefergaspotenzials in Deutschland die Vorkommen auf ca. 13 Billionen Kubikmeter. Unter der Annahme, dass ca. 10 % technisch förderbar sind, liegen die Vorkommen mit 1,3 Billionen Kubikmetern deutlich über Deutschlands konventionellen Erdgasressourcen (0,15 Bio. m3)."

4. "Für Deutschland rechnet die BGR mit einer Deckung des Gasbedarfs von 13 Jahren. Vergleicht man jedoch die Schiefergasressourcen in Deutschland (ca. 1,3 Bio. m3) mit den weltweiten Vorkommen (157 Bio. m3), so zeigt sich, dass die deutschen Vorkommen keinen Effekt auf die weltweite Reichweite für Erdgas haben."

5. "Des Weiteren sind Beschäftigungseffekte, wie sie in den USA in großem Maße entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu beobachten waren, in Deutschland nicht zu erwarten. Um signifikante Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt festzustellen, sind die Vorkommen und Fördermöglichkeiten in Deutschland zu gering und folglich nicht mit den amerikanischen Verhältnissen zu vergleichen."

Das Fazit, das Thomas Straubhaar, Direktor des HWWI, gegenüber dem Berliner Tagesspiegel aus der Studie zieht: Fracking sei so sinnvoll, "wie Bananen am Nordpol zu pflanzen". Es sei technisch machbar, aber wegen der Widerstände und Umweltauflagen wären die Kosten unkonventioneller Förderung von Gas oder Öl hierzulande unverhältnismäßig hoch.

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