Fracking: Nach dem Rausch kommt der Kater

Fracking: Nach dem Rausch kommt der Kater

von Uwe Albrecht

Die US-Energiebehörde hat die Schieferöl-Reserven in Kalifornien um 96 Prozent herabgestuft. Zeit, sich vom Fracking-Hype zu verabschieden.

Uwe Albrecht ist Geschäftsführer der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik (LBST), einem international tätigen Beratungsunternehmen für nachhaltige Energie und Mobilität in München. Bis 2008 arbeitete Albrecht für Siemens.

In den vergangenen Tagen ging es durch die Presse: Die Amerikanische Energiebehörde EIA bewertete die durch Fracking gewinnbaren Ölmengen in Kalifornien neu und hat ihre Prognosen dabei um 96 Prozent nach unten korrigiert – nur 600 Millionen Barrel anstatt der bisher erhofften Menge von 13.700 Millionen Barrel sollen förderbar sein. Zum Vergleich: Deutschland verbraucht pro Jahr derzeit rund 870 Millionen Barrel pro Jahr.

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Wieder einmal, möchte man rufen.

Schon 2012 mussten die Gasvorräte im größten US-Schiefergasvorkommen „Marcellus“ von derselben Behörde um 66 Prozent nach unten korrigiert werden. Und dabei war doch erst kurz zuvor die amerikanische Energierevolution ausgerufen worden. Fracking würde alles anders machen, in Zukunft würden keine Öl- oder Gasimporte mehr benötigt – so oder so ähnlich verkündete es selbst die Internationale Energieagentur und die weltweite Presse nahm es begierig auf.

Gründe für den MedienhypeDer aufmerksame Beobachter wusste schon damals, dass diese laut verkündete Euphorie mehr einem Wunschkonzert glich. Zu übertrieben waren die Hoffnungen. Auch für andere Weltregionen prophezeiten Studien, dass diesen ein goldenes Zeitalter des Erdgases bevorstünde. Ob in Europa, China, Australien oder Südamerika: Fracking werde die Energielandschaft verändern.

Doch der Boom in den USA währte nur wenige Jahre. Neben herben Verlusten bleiben noch nicht quantifizierbare ökologische Kollateralschäden zurück.

Doch viel wichtiger ist die Frage, warum dieser Medienhype entfacht wurde. Es drängt sich die Antwort auf, dass damit verzweifelt versucht wird, eine ernsthafte Diskussion um die begrenzte Verfügbarkeit fossiler Rohstoffe zu verhindern. Unaufhaltsam erschweren sich die Förderbedingungen für Öl- und Gasfirmen.

Analysen, die wir für öffentliche Auftraggeber und die Industrie durchführen, zeigen klar, dass die ehemals reichlichen Vorräte an leicht erschließbarem (konventionellem) Erdöl und Erdgas zur Neige gehen. Die Explorationskosten haben sich in den letzten 10 Jahren vervielfacht.

Weniger Öl und Gas sind unvermeidlichDie Fracking-Vorkommen waren seit langer Zeit bekannt. Einzig die Tatsache, dass es keine vernünftig erschließbaren Felder mehr gibt, verleitet dazu, eine vermeintlich goldene Zukunft mit Öl und Gas aus Fracking zu propagieren.

Doch das ist kontraproduktiv. Wesentlich sinnvoller ist eine Energiestrategie, die Zeit und Investitionen nutzt, um die Abhängigkeit vom schwarzen Gold (und Gas) in allen energieverbrauchenden Sektoren zu reduzieren. Die Notwendigkeit dafür wird kommen, eher früher als später.

So untersucht auch die laufende Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie des Bundesverkehrsministeriums, wie unsere auf den Stromsektor fokussierte Energiewende durch integrierte Maßnahmen im Mobilitätssektor erweitert werden kann. Die aktuellen Nachrichten zur Realität der Fracking-Potenziale erinnern uns daran, dass dies auch dringend erforderlich ist.

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