Fraunhofer-Studie: Windstrom in Deutschland billiger als Kohlekraft

Fraunhofer-Studie: Windstrom in Deutschland billiger als Kohlekraft

von Benjamin Reuter

Strom aus Windkraftanlagen ist an guten Standorten mit 4,5 Cent pro Kilowattstunde erstmals billiger als Kohlekraft.

Mitten hinein in die Kostendiskussion über die Energiewende, die im Zuge der Koalitionsverhandlungen gerade stattfindet, platzt eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg (ISE), die für Aufsehen sorgen wird.

Denn bisher galt es als gesichert, dass fossile Energieträger - und hier vor allem Kohle - sehr viel günstiger sind als erneuerbare Energien. Dass, so zeigt eine Auswertung der ISE-Forscher von Neubauprojekten, stimmt so nicht mehr.

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Konkret bedeutet das: Bauen Projektierer heute ein Windrad an einem sehr guten Standort an den deutschen Küsten, produzieren sie Strom für 4,5 Cent pro Kilowattstunde. Neu gebaute Steinkohlekraftwerke liegen im besten Fall bei 6,3 Cent pro Kilowattstunde und neue Braunkohlekraftwerke im Mittel bei 4,55 Cent. Im besten Fall liegen sie allerdings mit 3,8 Cent noch etwas unter den aktuell niedrigsten Kosten für Windstrom.

Auch beim Solarstrom sinken die Kosten weiter: Schon vor einigen Monaten waren die Preise für Strom aus neuen Solaranlagen unter die von aktuell gebauten Kernkraftwerken gefallen. Jetzt stellt das ISE fest: Große, frei stehende Solaranlagen in Deutschland liefern Strom für 7,8 Cent pro Kilowattstunde. Sehr weit weg von der Steinkohle ist man hier also auch nicht mehr.

Vergütung für Windstrom könnte sinkenDie Bandbreiten bei den Kosten für die verschiedenen Energieträger hat Christoph Kost, Leiter der ISE-Studie, in dieser Grafik zusammengefasst:

Bevor man sich an die Interpretation der Ergebnisse macht, noch ein Wort zu den Berechnungsgrundlagen. Kohlekraftwerke wurden in der Studie mit einer Lebensdauer von 40 Jahren gerechnet. Die Kosten für die Kohle selbst, die verbrannt wird, steigen in diesem Zeitraum kaum. Allerdings legen die ISE-Forscher ihren Kalkulationen zugrunde, dass die Preise für CO2-Zertifikate, die Betreiber fossiler Kraftwerke erwerben müssen, in den nächsten Jahrzehnten moderat steigen. Insgesamt handelt es sich bei den Kosten der Kohleenergie in diesem Fall also durchaus um eine konservative Rechnung.

Aber was bedeuten die Ergebnisse?1. In den vergangenen Tagen wurde viel über die Pläne von CDU und SPD diskutiert, die die Vergütung für Windkraftanlagen an den Küsten senken wollen. Und tatsächlich, so zeigt die ISE-Untersuchung, könnte die EEG-Umlage für diese Standorte etwas reduziert werden. Derzeit erhalten Windparkbetreiber an guten Standorten auf 20 Jahre berechnet rund 6 Cent pro produzierter Kilowattstunde Strom. Allerdings: An den Gesamtkosten der Energiewende würde eine solche geringfügige Anpassung kaum etwas ändern.

2. Nun, da Solarenergie billiger als Kernkraft ist und Windstrom billiger als Kohle, kann man sich außerdem fragen: Wie geht es weiter? Theoretisch müssten jetzt auf der Welt nur noch Wind- und Solaranlagen an guten Standorten gebaut werden. Aber ganz so einfach ist die Rechnung nicht.

Denn eine Kilowattstunde Strom aus einem Windrad und die aus einem Kohle- oder Gaskraftwerk lassen sich schlecht vergleichen. Einmal sind da die Folgen für die Umwelt. Da ein Windrad sehr viel sauberer arbeitet als ein Kohlekraftwerk ist Windstrom ökologisch sehr viel wertvoller.

Da aber eine Windkraftanlage nicht immer Strom liefert, wenn man ihn braucht, ist sie vom Standpunkt der Versorgungssicherheit weniger wert. Vereinfacht gesagt: Der Windstrom muss für Flauten gespeichert werden. Oder Gaskraftwerke müssen einspringen, wenn der Wind sich legt - all das erzeugt zusätzlich Kosten.

Das zeigt: Nur die sogenannten "Stromgestehungskosten" zu betrachten, also den Betrag für Installation und Betrieb der Anlage, greift zu kurz. Vielmehr muss man Größer denken.

Aber auch hier liefert das ISE mit einer zweiten aktuellen Studie Antworten. Die Forscher haben in einer großen Simulation errechnet, wie viel eine klimafreundliche Energieversorgung im Jahr 2050 kosten würde.

Und da zeigt sich: Ein Energiesystem, das auf Erneuerbaren fußt, muss nicht unbedingt teurer sein, als ein solches mit fossilen Energieträgern. 2050 könnte ein nachhaltiges Energiesystem rund 170 Milliarden Euro kosten, haben die ISE-Forscher berechnet. Im Jahr 2008 zahlten die Deutschen ohne Abgaben, Steuern und Gewinne für Unternehmen rund 125 Milliarden für ihre Energie. Allerdings dürften die Kosten für Öl, Kohle und Gas künftig steigen.

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