Gigaliner: Öko-Laster oder Umweltmonster?

Gigaliner: Öko-Laster oder Umweltmonster?

von Wolfgang Kempkens

25 Meter lange Gigaliner sind umweltfreundlicher als klassische LKW - aber verschärfen den Wettbewerb mit der Schiene.

Gigaliner sind überlange LKW, die bis zu 25,25 Meter lang sein dürfen. 44 Tonnen wiegen die Riesen-Fahrzeuge. Und verursachen bei Umweltfreunden ein mulmiges Gefühl.

Sie emittieren pro Kilometer und Tonne 92 Gramm Kohlendioxid (CO2). Das macht sie deutlich umweltverträglicher als normale Fernlaster, die sieben Meter kürzer sind, aber 108 Gramm CO2 emittieren. Diese Zahlen hat das Bundesverkehrsministerium herausgefunden.

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Wenn also Gigalinern bald normale LKW ersetzen, könnte das ein Vorteil für die Umwelt sein. Zumal sie auch die Straßen nicht entscheidend stärker belasten – und insgesamt weniger Fahrzeuge auf der Straße sein müssten. Das wird aber nicht passieren, sagen Herbert Sonntag von der Fachhochschule Wildau und Professor Gernot Liedtke von der Technischen Universität Berlin.

In einer Studie kommen die beiden Verkehrswissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die endgültige Einführung der riesigen Fahrzeuge nicht zu weniger, sondern zu mehr Verkehr auf den Straßen führt. Sie erwarten 7000 zusätzliche Fahrten pro Tag – und damit wäre der theoretische Umweltvorteil wieder dahin.

Das begründen sie damit, dass Fracht von der Schiene abgezogen wird, weil der Transport mit Gigalinern billiger ist als der mit normal langen Fernlastern. Der LKW gewinnt also preislich an Attraktivität gegenüber der Bahn und holt damit Fracht von der Schiene.

Bahn zahlt EEG, Laster sparen MautDie Bahn steht durch die kostenerhöhenden EEG-Abgabe für den Schienenverkehr unter mehr Druck. Zudem profitieren LKW von der kostenmindernden Veränderung der Maut im Straßengüterverkehr: Die die seit dem 1. Januar 2015 geringeren Mautgebühren entlasten die Speditionen um 250 Millionen Euro pro Jahr. Bahnunternehmen müssen dagegen jährlich 18,5 Millionen Euro mehr bezahlen, so die Autoren der Studie.

Die 16 Gramm gespartes CO2 lassen Gigaliner noch lange nicht in einer Umweltliga mit der Bahn spielen: Ganzen sieben Gramm emittiert der Schienenverkehr pro Kilometer und Tonne. Aber „die Hoffnung vieler Politiker, durch den Einsatz von längeren LKW die Zahl der Lastwagen auf den Straßen zu vermindern, wird sich nicht erfüllen", sagt Sonntag. Rund neun Milliarden Tonnenkilometer würden von der Schiene auf die Straße verlagert, fürchten die beiden Professoren. Das entspricht 7,6 Prozent des jetzigen Frachtaufkommens bei der Bahn. Dadurch würden 1000 Arbeitsplätze vernichtet.

„Um die langfristigen gemeinsamen EU-Ziele für den Güterverkehr real werden zu lassen ist eine verkehrspolitische Offensive pro Schiene gefordert“, meinen die Autoren. Damit befinden sie sich absolut im Gleichklang mit ihrem Auftraggeber, der Allianz pro Schiene, die vehement die reguläre Einführung der Gigaliner in Deutschland ablehnt, die derzeit im Testbetrieb laufen.

Die Allianz pro Schiene ist ein Zusammenschluss von Gewerkschaften, Hochschulen, Umwelt- und Verkehrsverbänden. Letztere sprechen sich vor allem aus Sicherheitsgründen gegen die Gigaliner aus. Schon heute ist an jedem fünften Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang ein Lkw beteiligt. Gigaliner hätten mehr Wucht, längere Bremswege und würden Überholvorgänge noch unübersichtlicher machen.

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