Globale Energiewende: Bangladesch wird Solarland

Globale Energiewende: Bangladesch wird Solarland

von Wolfgang Kempkens

Immer noch leben Millionen Menschen in Bangladesch ohne Strom. Jetzt sollen Solarkraftwerke ganze Dörfer lokal versorgen.

Mit Kleinststromnetzen will das Unternehmen Solaric die verstreut in Bangladesch lebende Landbevölkerung mit Energie versorgen. Die bis zu 250 Meter langen Leitungen sollen unterirdisch bis zu 50 Nachbarhaushalte verbinden – so weit, so unspektakulär. Allerdings erhalten mit dem von Solaric als Nano-Grid bezeichneten System Millionen Menschen Zugang zu einer sicheren und bezahlbaren Stromversorgung, die es in vielen Landesteilen bis heute nicht gibt.

Gespeist werden die Netze aus Fotovoltaikaanlagen. Ein Batterieblock überbrückt Regentage und Nächte. Typischerweise besteht ein solches System aus Solarzellen auf dem Dach eines Gebäudes mit einer Leistung von drei Kilowatt peak (peak bedeutet Spitzenleistung, die bei maximaler Sonneneinstrahlung erreicht wird), einem Batterieblock, der 36 Kilowattstunden Strom speichert, und einer auf dem Boden stehenden Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von fünf Kilowatt peak – fertig ist die lokale Stromversorgung. Zur Einordnung: Ein Deutscher Durchschnittshaushalt verbaucht rund zehn Kilowattstunden Strom pro Tag.

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Unterschätzter MarktDer kleine Kraftwerkspark reicht, um Pumpen für die Bewässerung von Feldern zu betreiben sowie Fernseher, Radios, Ventilatoren, Laptops, Ladegeräte für Mobiltelefone und LED-Lampen. Ein Wechselrichter, den Solaric-Ingenieure entwickelt haben, wandelt den von den Solarzellen erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom mit den landestypischen Spannungen 125 oder 220 Volt um.

Dieses Solar Optimizer genannte Bauteil dient gleichzeitig als Energiemanager, der dafür sorgt, dass der Batterieblock stets ausreichend geladen ist.

Solaric hat eine Produktionskapazität von 15.000 Einheiten pro Monat. In Bangladesch werden landesweit pro Monat rund 80.000 Solaranlagen installiert. Damit ist das Land einer der größten – und am meisten unterschätzten – Märkte für Solaranlagen.

Ein typisches Nano-Grid kostet, so schreibt die in Bangladesch erscheinende Tageszeitung „The Daily Star“, 800.000 Taka, das sind rund 10.000 Euro. Dazu kommen ein paar 1000 Euro für den Optimizer.

Nano-Grids produzieren und verteilen Strom weitaus günstiger als Dieselgeneratoren. Deshalb boomen Solaranlagen in Bangladesch. Rund vier Millionen Solaranlagen sind bisher installiert worden. Sie versorgen fast 20 Millionen Menschen in ländlichen Regionen mit Strom. Der Bedarf ist allerdings weiter groß. Fast 40 Prozent der 160 Millionen Bewohner des Landes haben noch keinen Zugang zu elektrischer Energie.

Mit einem neuen Geschäftsmodell will Solaric-Chef Didar Islam, der lange in den USA lebte und dann in seine Heimat als Unternehmer zurückkehrte, die Installation von Nano-Grids beschleunigen. Sie sollen von lokalen Geldgebern finanziert werden, die den Strom dann an die angeschlossenen Haushalte verkaufen. Der Erlös für ein System soll pro Monat bei umgerechnet 110 Euro liegen.

Hier noch ein Video zum lokalen Stromnetz von Solaric:

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