Globale Energiewende: Saubere Stromerzeugung wächst und wächst, aber ...

Globale Energiewende: Saubere Stromerzeugung wächst und wächst, aber ...

von Benjamin Reuter

... es gibt in den kommenden Jahren auch einige Risiken, die den Erneuerbaren-Boom gefährden.

Für die erneuerbaren Energieträger Sonne, Wind, Wasser und Biomasse war 2013 ein Rekordjahr. Nie wurden mehr Anlagen installiert. Das Ergebnis: Ganze 22 Prozent der globalen Stromerzeugung kamen 2013 aus Erneuerbare-Energien-Kraftwerken, ebensoviel wie aus Gaskraftwerken. 250 Milliarden US-Dollar investierten Unternehmen und Privatleute in die Grünstromanlagen. Das schreibt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem neuesten Report zum Stand der Entwicklung der erneuerbaren Energien. Die IEA ist eine Art Energie-Think-Tank der Industriestaaten mit Sitz in Paris und die einflussreichste Institution ihrer Art.

Doch die Experten sehen das rapide Wachstum gefährdet. Dazu aber gleich. Hier ersteinmal die wichtigsten Zahlen für das Jahr 2013 und der Ausblick auf 2020:

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– insgesamt lieferten die grünen Energieträger im Jahr 2013 5040 Terawattstunden Strom. Das ist genug, um Deutschland rund acht Mal zu versorgen und fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor.

– sieht man sich nur Wind- und Solaranlagen an, dann nahm ihre Leistung 2013 im Gegensatz zum Vorjahr weltweit um 16 Prozent zu.

– bis 2020 hält die IEA Wachstumsraten bei den Erneuerbaren von fünf Prozent pro Jahr für möglich. Damit würde ihr Anteil an der Stromerzeugung am Ende dieses Jahrzehnts auf rund 27 Prozent steigen. Das klingt ersteinmal gut für die Branche, die Rate würde aber eine Stabilisierung des Wachstums bedeuten. Bisher wuchsen die Erneuerbaren meist jedes Jahr stärker als im Vorjahr.

– ein besonders starkes Wachstum sagen die Experten der Windkraft (Erzeugung steigt von 633 Terawattstunden 2013 auf 1409 Terawattstunden im Jahr 2020) und der Solarenergie (von 131 auf 482 Terawattstunden) voraus.

– Allerdings: bei der Wärmeerzeugung, für die beinahe die Hälfte der Energie weltweit aufgewendet wird, haben die Erneuerbaren nur einen Anteil von acht Prozent, obwohl auch hier Zuwächse zu verzeichnen sind.

– immerhin 35 Prozent der neu installierten Kraftwerke in den Entwicklungsländern werden bis 2020 auf die Erneuerbaren entfallen, glaubt die IEA. China ist dabei der stärkste Treiber. In den Industriestaaten sind sogar 80 Prozent der bis 2020 neu ans Netz gehenden Kraftwerke Grünstromanlagen.

Die IEA ist also durchaus optimistisch, was die Entwicklung der Erneuerbaren weltweit angeht. Dennoch sehen die Experten auch einige Risiken für deren Entwicklung.

– vor allem in Europa sei der Energiemarkt derart durcheinander, dass ohne staatliche Unterstützung überhaupt kein Kraftwerk mehr gebaut werden würde. Werden gleichzeitig wie in vielen Ländern Subventionen für die Erneuerbaren heruntergefahren, bremst das deren Ausbau.

– zudem verlangsamen eine stagnierende Stromnachfrage und unsichere Rahmenbedingungen auf dem Energiemarkt den Ausbau der erneuerbaren Energien in manchen europäischen Staaten und den USA. In den USA zum Beispiel stehen immer wieder die Steuererleichterungen für Solar- und Windkraft in Frage. In Europa sind es die Unsicherheiten bei der Entwicklung der Einspeisetarife.

– in Ländern wie der Türkei, Chile, Korea und Mexiko, die eine starke Nachfrage nach neuen Kraftwerken haben, fehlt häufig die Finanzierung.

– auch in China wächst die Stromnachfrage nicht mehr so schnell wie in den vergangenen Jahren. In dem Land könnten insgesamt weniger Kraftwerke gebaut werden, als noch vor einigen Jahren angenommen.

– Trotz der stark sinkenden Preise für die erneuerbaren Energien bedeute das nicht automatisch, dass sie auch verstärkt gebaut werden, schreibt die IEA. Zwar würden heute schon in Ländern wie Brasilien, Südafrika und Chile auch auf einem freien Markt erneuerbare gegen fossile Kraftwerke gewinnen. Vielfach seien die Märkte in den einzelnen Staaten aber nicht darauf ausgerichtet, den Investoren genug Sicherheiten zu bieten, dass sie auch investieren. Konkret: Wenn die Geldgeber nicht wissen, ob ihnen der Strom aus einem Windpark auch sicher abgenommen wird, bauen sie ihn nicht. Dasselbe gilt aber auch für fossile Kraftwerke.

Neben den vielen Details der Marktentwicklung, die die IEA-Experten bringen, gibt es in dem Report auch ein klares Fazit: Für einen wirksamen Klimaschutz, der die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt, reicht das Wachstum der Erneuerbaren bei weitem nicht. Soll das Zwei-Grad-Ziel eingehalten werden, müssten 2020 etwas mehr als 8000 Terawattstunden Strom aus Erneuerbaren-Kraftwerken kommen. 2025 dann mehr als 10.000. Derzeit sehen die IEA-Experten die Erneuerbaren im Jahr 2020 bei rund 7300 Terawattstunden. Auch bei den Biokraftstoffen wären stärkere Wachstumsraten nötig (2013 legte ihre Produktion um sieben Prozent zu).

Allerdings werden die Vorhersagen der IEA von vielen Experten als zu konservativ angesehen. Vor allem der Solarenergie trauen Marktbeobachter ein stärkeres Wachstum zu, als von der IEA angenommen.

Aber auch wenn die Solarenergie stärker als erwartet zulegt: Die jährlichen Investitionen, um das Klimaziel von zwei Grad zu erreichen, müssten bis 2035 pro Jahr rund 400 Milliarden Dollar betragen. 2013 waren es nur 250 Milliarden. Zeit also für die Politik, einen Rahmen zu schaffen, in dem es für Investoren attraktiv wird, dieses Geld auch in die Hand zu nehmen.

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