Green IT: In Schweden entsteht das erste "klimapositive" Rechenzentrum

Green IT: In Schweden entsteht das erste "klimapositive" Rechenzentrum

von Tobias Finger

Das Internet verbraucht Unmengen an Strom und emittiert tonnenweise CO2. Das soll sich ändern.

Egal ob mit Smartphone, Tablet oder Laptop: Wir können jederzeit und fast von überall ins Internet und sind ständig erreichbar. Während das Web für uns zum Alltag gehört, fehlt häufig das Bewusstsein dafür, wie viel Strom unsere digitalen Aktivitäten verbrauchen.

Denn nicht nur für die Akkus und die Herstellung der Geräte sind große Mengen Energie nötig. Vor allem der permanente Datenverkehr verbraucht Unmengen an Energie. Die Rechenzentren, in denen unsere Server stehen, sind echte Stromfresser. Und von denen brauchen wir in Zukunft immer mehr.

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Bedarf an Server-Kapazitäten steigtEinem Report von Greenpeace-USA aus dem Jahr 2014 zu Folge wird sich die Datenmenge, die transferiert und gespeichert wird, bis 2017 verdreifachen (wir berichteten). Maßgeblich verantwortlich dafür sind Streaming-Dienste für Musik und Videos oder der Trend, die eigenen Daten in der Cloud zu speichern. Diese Onlinespeicher verbrauchten 2011 alleine 684 Terawattstunden Energie.

Bis 2020 wird der durch Internetnutzung verbrauchte Strom um 300 Prozent zunehmen, da auch die Zahl der globalen Webnutzer kontinuierlich steigt. Ein für die schwedische Stadt Falun geplantes Eco Data Center geht daher jetzt neue Wege, um seinen Stromverbrauch grüner zu machen.

Rechenzentrum mit negativem Co2-FußabdruckDas Serverzentrum, das von der städtischen Tochterfirma Falu Energi & Vatten gebaut wird, reduziert nicht nur den Stromverbrauch. Es trägt zusätzlich zum kommunalen Energie- und Heizsystem bei.

Laut CEO Bengt Gustafsson stellt „die Zusammenspiel zwischen dem Datenzentrum und dem Heizsystem des Distrikts sicher, dass die Emissionen soweit reduziert werden, dass es über den Verlauf eines Jahres einen negativen CO2-Fußabdruck hat.“ Das bedeutet, dass das Eco Data Center mehr Treibhausgase bindet, als es emittiert.

Für diese Zwecke ist das Datenzentrum optimal in das lokale Strom- und Heiznetz eingebunden. Der Strom für die Server stammt ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen. Hierfür gibt es in Schweden eine gute Infrastruktur. Grüner Strom kommt aus Wind-, Solar-, Wasser-, und Biomasse-Kraftwerken.

Gekühlt werden die Server unter anderem durch die mit 5 Grad Celsius sehr niedrige durchschnittliche Umgebungstemperatur. Im Sommer treibt auch Dampf vom kommunalen Elektrizitätswerk die Kühltechnik mit an.

Server beheizen Wohnungen im WinterWährend bepflanzte Dächer für zusätzliche Kühlung und auch für die CO2-Kompensation sorgen, heizt die von den Servern ausgestrahlte und umgeleitete Wärme im Winter die Wohnungen der Bewohner von Falun.

„Wir binden das Datenzentrum in ein bereits funktionierendes Stromsystem ein und nutzen so die gesamte Energie“, sagt Gustafsson. „So bauen wir das erste klimapositive Datenzentrum der Welt.“

Die Standort-Wahl für das 2016 in Betrieb gehende Rechenzentrum ist definitiv gelungen. Das Ausmaß, in dem es erneuerbare Energiequellen und andere innovative Wärme-Regelungstechniken nutzt, ist für andere Datenzentren aber kaum denkbar.

Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick auf die in Falun angewandten Methoden. Das gilt besonders in Hinblick auf die enormen Stromverbrauchszahlen, die nicht nur horrende Kosten sondern auch tonnenweise CO2 verursachen.

Auch Apple investiert in grüne DatencenterFür das Klima ist es günstig, wenn neue Datenzentren in Ländern mit einem hohem Anteil an erneuerbaren Energien entstehen. Die Entwicklung hin zu mehr Ökostrom-Projekten für das Internet könnten die finanzstarken Nutzer der Anlagen wie Google oder SAP beschleunigen, indem sie grüne Energie zur Bedingung machen.

Apple will 1,7 Milliarden Euro in zwei grüne Datencenter in Europa investieren. Die Anlagen sollen in Irland und Dänemark entstehen und vollständig mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben und gekühlt werden. Neben der Entlastung für die Umwelt werden laut dem Apple-CEO Tim Cook auch „hunderte Jobs“ entstehen.

Der Markt für nachhaltige Serverzentren wächst also offensichtlich: laut Danfoss, einem der Marktführer in der Wärme-Regelungsbranche, mit einer jährlichen Rate von 27 Prozent.

Zurecht, möchte man meinen, denn der Bedarf nach mehr Servern bedeutet einen höheren Stromverbrauch und eine stärkere Umweltbelastung. Grüne Datenzentren können diese reduzieren und sogar Energie in das kommunale Stromnetz zurückzuführen.

Hier ein Youtube-Video des Eco Data Center:

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