Großbritannien: Weltweit größter Meeres-Windpark darf gebaut werden

Großbritannien: Weltweit größter Meeres-Windpark darf gebaut werden

von Benjamin Reuter

Vor der Küste von England soll ein Offshore-Windpark mit rund 1000 Windrädern entstehen.

2014 war kein gutes Jahr für die Offshore-Windenergie. Der Ausbau in Europa sank im Vergleich zum Vorjahr leicht, die Windkraft an Land boomt dagegen immer noch. Doch 2015 könnte die Wende für die Windkraft auf dem Meer bedeuten, die viele Experten als eine der Säulen der globalen Energiewende sehen, die aber bisher von hohen Kosten und technischen Problemen geplagt wurde.

Im Laufe dieses Jahres könnten allein in Deutschland neun Windparks in der Nord- und Ostsee mit einer Gesamtleistung von rund zwei Gigawatt ans Netz gehen. Damit würde sich die Leistung der deutschen Kraftwerke auf dem Meer mit einem Schlag verdreifachen.

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Weltweit größter MeereswindparkAber gegenüber dem, was derzeit in Großbritannien passiert, wirken die Offshore-Pläne in Deutschland zwergenhaft. Gerade hat die britische Regierung grünes Licht für den Bau des Dogger Bank Creyke Beck Windparks gegeben, der 130 Kilometer vor der Küste im Osten Großbritanniens entstehen soll. Es wird die weltweit größte Windfarm auf dem Meer sein.

In einer ersten Ausbaustufe sind rund 400 Windräder mit einer Leistung von 2,4 Gigawatt geplant, die etwas mehr als zwei Prozent des britischen Stromverbrauchs decken sollen und pro Jahr rund acht Terawattstunden Strom produzieren. Am Ende soll das Areal auf bis zu sechs große Windparks mit einer Leistung von 7,2 Gigawatt anwachsen. Dann würden sich rund 1000 Windräder in dem Areal drehen, das eine Wassertiefe zwischen 18 und 63 Metern hat.

Die finale Entscheidung für den Bau liegt jetzt beim Konsortium Forewind, einem Zusammenschluss von Energieversorgern aus Norwegen und Großbritannien an dem auch das deutsche Energieunternehmen RWE beteiligt ist. Welche Unternehmen die Entwicklung des Parks übernehmen, muss noch entschieden werden.

Dabei sind die Vorteile der Windräder auf dem Meer klar: Liefert eine 6-Megawatt-Turbine an der Küste laut Siemens pro Jahr im Schnitt 23 Gigawattstunden Strom, so sind es auf dem Meer 31. Außerdem liefern sie stetiger Energie, Flauten sind seltener.

Kostensenkungen möglichDer Betrieb und der Bau der Windfarm könnte laut der britischen Regierung rund 900 Jobs schaffen, das Konsortium spricht von knapp 5000 direkten und indirekten neuen Arbeitsplätzen. Wieviel das Projekt kosten wird, ist noch nicht bekannt. Allein die Vorarbeiten, um das Areal zu erkunden und zu prüfen kosteten 60 Millionen Pfund (ca. 80 Millionen Euro).

Unsicher ist allerdings noch, wie der neue Windpark vergütet werden wird. Seit Anfang 2014 müssen sich Windparks auf dem Meer um eine feste Einspeisevergütung wie in Deutschland bewerben. Sie erhalten dann rund 14 Pence (19 Eurocent) pro Kilowattstunde für 15 Jahre. Politiker haben allerdings schon angekündigt, dass ihnen die Offshore-Windkraft derzeit zu teuer ist und die Kosten sinken müssen.

Dass die Unternehmen die Kosten für den häufig als zu teuer verschrieenen Meeresstrom tatsächlich senken können, haben sie in den vergangenen Jahren bewiesen. Auch für die Zukunft sieht die Branche noch erhebliches Potential, um den Strom günstiger anzubieten.

Die durchschnittlichen Investitionskosten für einen Megawatt Leistung könnten bis 2023 um bis zu 25 Prozent sinken, sagten Branchenvertreter in einer Umfrage im vergangenen Jahr. Allerdings variieren die Kosten je nach Standort (hier sind Wassertiefe und Küstennähe entscheidend) stark.

Größer, weiter, tieferAuch die Kosten für eine Kilowattstunde Meeresstrom haben Luft nach unten. Siemens will sie auf zehn Cent pro Kilowattstunde bis 2020 senken.

Allein die Skaleneffekete auf Grund der Größe eines Windparks wie Dogger Bank könnten dazu führen, dass die Kosten dort noch weit unter denen für kleinere Projekte liegen.

Zahlen von RWE zeigen, warum der finanzielle Aufwand in den vergangenen Jahren gesunken sind. Derzeit baut das Unternehmen zwei große Windparks, einmal den zwei Milliarden Euro teuren Gwynt y Môr vor der Küste von Wales mit einer Leistung von 576 Megawatt und den Park Nordsee Ost mit knapp 300 Megawatt vor der deutschen Küste.

Verglichen mit dem Windpark North Hoyle von RWE, der 2003 mit 60 Megawatt Leistung in der Irischen See in Betrieb ging, haben sich die Laufzeiten der Windräder wegen effizienterer Wartung und neuer Technik erhöht. Neue Anlagen stehen im Schnitt an 340 Tagen im Jahr zur Verfügung und produzieren so mehr Strom.

Außerdem wurden die Anlagen größer. Drehen sich in North Hoyle noch kleine Zwei-Megawatt-Turbinen haben sie bei Nordsee Ost die dreifache Leistung. Auch der Durchmesser der Rotoren stieg von 80 auf 126 Meter. Pro Anlage wird also signifikant mehr Strom produziert.

Allerdings liegen die neuen Riesenwindparks meist weiter draußen im Meer, was die Installation und Anbindung teurer macht. Zudem haben die Unternehmen die Logistik für den Aufbau der Anlagen effizienter gemacht und damit Kosten gesenkt.

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