Grüner lernen: Dieses Gymnasium ist ein Passivhaus (und spart massig Geld)

Grüner lernen: Dieses Gymnasium ist ein Passivhaus (und spart massig Geld)

von Wolfgang Kempkens

Ein Gymnasium nahe Aachen spart 150.000 Euro Heizkosten pro Jahr nach der Sanierung – Solarduschen inklusive.

Es ist kein Geheimnis: Ohne einen sparsameren Umgang mit Energie sind die ehrgeizigen Klimaziele der Bundesregierung nicht zu schaffen. Erst vor einigen Wochen hat die Internationale Energieagentur wieder darauf hingewiesen, dass mehr Effizienz im Verkehr, bei Gebäuden und in der Industrie riesige Sparpotenziale bietet.

Allein: Auf dem Feld des Energiesparens kommt die Welt kaum voran, und auch Deutschland tut sich schwer; vor allem im Bereich der Gebäudesanierung, wo rund 40 Prozent (!) des deutschen Energieverbrauchs anfallen.

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Einsparungen von 150.000 EuroNun zeigt ein Beispiel aus Nordrhein Westfalen, dass vor allem bei vielen öffentlichen Gebäuden enormes Energiesparpotenzial besteht – es sich durchaus lohnen kann, es zu heben.

Denn die nahe Aachen gelegene Stadt Baesweiler spart nach der energetischen Sanierung des Gymnasiums rund 150.000 Euro an Heizkosten pro Jahr. Lag der Bedarf ursprünglich bei umgerechnet 220 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter, sind es jetzt nur noch 15 – ein Minus von rund 90 Prozent. Damit erfüllt die Schule die Vorgaben für ein Passivhaus.

Saniert haben Handwerker die Unterrichts- und Verwaltungsräume, das Lehrerzimmer sowie Mensa, die Bibliothek und die schuleigene Dreifach-Turnhalle mit insgesamt beinahe 12.000 Quadratmetern Grundfläche.

Kleckern war nicht, Klotzen schon eher. Die Außenwände der vier Trakte verkleideten die Sanierer mit einer 30 Zentimeter dicken Lage Mineralwolle. Dem Dach spendierten sie sogar 36 Zentimeter. Die Kellerdecke erhielt eine Dämmung aus Kunststoffplatten.

Erdsonde heizt die RäumeNeue Fenster, die nicht mehr geöffnet werden sollen, ermöglichen einen weiteren Spartrick: Alle Räume werden zwangsbelüftet. Die warme Luft aus den Räumen wird mit kälterer Frischluft vermischt, bevor sie in die Klassenzimmer kommt. Das senkt den Heizbedarf bereits um 50 Prozent. Den Rest liefert im Winter eine Wärmepumpe, die mit Wärme aus der Erde versorgt wird.

Die Erdsonden, in denen durchgepumptes Wasser erwärmt wird, reichen 140 Meter in die Tiefe. Im Sommer ist das Wasser aber kühl genug, um die Räume auf einem angenehmen Temperaturniveau zu halten.

Das warme Wasser für die Duschen in der Turnhalle liefern Solarkollektoren auf dem Dach. Elektrizität sparen zusätzlich automatische Dimmer beim Licht, die sich nach der Helligkeit außerhalb der Unterrichtsräume richten und Bewegungsmelder, die Lampen an- oder ausschalten.

Zwölf Millionen Euro hat die aufwendige Sanierung gekostet. Davon trugen 4,9 Millionen Euro der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) begleitete das Projekt mit einem umfassenden Messprogramm, das 125.000 Euro kostete.

Auf Grund der erfassten Betriebsdaten und des Nutzerverhaltens der Schüler und Lehrer über einen längeren Zeitraum konnten zusätzlich bis zu 30 Prozent des Energieverbrauchs eingespart werden, glauben die Experten der DBU.

Nachtrag: Tatsächlich entfällt ein großer Teil der Kosten auf Sanierungsmaßnahmen, die ohnehin nötig gewesen wären. Neben den Fenstern gehört dazu der gesetzlich vorgeschriebene Austausch der uralten Ölheizung. Außerdem wurde eine Mensa gebaut, so dass nun ein Ganztagsbetrieb möglich ist. Hinzu kamen ein Selbstlernzentrum, ein größeres Lehrerzimmer und ein zusätzlicher Arbeitsraum für Lehrer. Diese Baumaßnahmen sind in der Gesamtsumme enthalten. Eine exakte Aufschlüsselung der Kosten wäre nur möglich, wenn man die Materialkosten extra berechnet, die mehr Effizienz bringen als bei einer vergleichbaren "herkömmlichen" Sanierung, die den Fokus nicht auf Energieeinsparung setzt.

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