Grüner Nahverkehr: Englische Stadt startet Marathontest für Elektrobusse

Grüner Nahverkehr: Englische Stadt startet Marathontest für Elektrobusse

von Felix Ehrenfried

Busse sind laut und stinken? Die Stadt Milton Keynes will das jetzt mit einem groß angelegten Test ändern.

Milton Keynes ist keine besonders schöne, besonders große oder besonders auffällige Stadt. Rund 70 Kilometer nordwestlich von London gelegen und in den 60er Jahren erbaut, liest man bei Wikipedia, dass das vermutlich größte Highlight der Stadt ein 720 Meter langes Einkaufszentrum sei. Damit haben es die Engländer sogar in das Guinness Buch der Rekorde geschafft.

Jedoch tut sich in Milton Keynes einiges - jedenfalls wenn man sich die Verkehrskonzepte ansieht, mit denen die Stadtplaner den Ort ausstatten wollen. So sollen ab 2015 hier kleine, autonom fahrende Kapseln für einen sauberen und schnellen öffentlichen Nahverkehr sorgen. Vor wenigen Tagen hat die Stadt außerdem eine komplette Buslinie, auf der vormals Dieselbusse fuhren, auf Gefährte mit Elektroantrieb umgestellt.

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Spritschlucker gegen Elektrofahrzeuge austauschen - das ist an sich nichts Besonderes mehr heutzutage. Jedoch wollen die Entwickler des Busprojekts zeigen, dass sich Elektromobilität nicht nur auf dem kurzen Weg zur Arbeit, sondern auch im harten Alltagseinsatz, dem öffentliche Busse ausgesetzt sind, bewähren kann. Denn die Stromerbusse sollen täglich bis zu 17 Stunden in Betrieb sein, bevor sie an die Steckdose müssen. Rund 90.000 Kilometer wird jeder Bus im Jahr zurücklegen.

Möglich machen soll das ein ausgeklügeltes, kontaktfreies Ladesystem. Elektromagnetische Felder, die an bestimmten Ladepunkten erzeugt werden, füllen so die Batterien des Busses wieder auf. Dazu sind keinerlei Kabel notwendig, das Laden kann sozusagen "im Vorbeifahren" stattfinden.

Laden im VorbeifahrenSo soll praktisch aufgetankt werden, wenn die Busse an Haltestellen stehen, um Fahrgäste aus- und einsteigen zu lassen. Jede Stunde müssten sich die Busse nur für zehn Minuten an solchen Ladepunkten befinden, so das Versprechen der Entwickler. Eine durchaus realistische Zeit, ist das Netz von Haltestellen doch gerade im städtischen Bereich meist sehr kleinmaschig, sodass Busse selten mehrere Minuten fahren, ohne an einer Haltestelle zu stoppen.

Die acht Elektrobusse, die auf der rund 24 Kilometer langen Strecke ab sofort ihren Dienst tun, sollen jährlich rund fünf Tonnen an Feinstaub und 270 Tonnen CO2 im Vergleich mit ihren Diesel tankenden Vorgängern einsparen. Außerdem sollen die niedrigeren Treibstoffkosten für Einsparungen von jährlich ungefähr 18.000 Euro in der Stadtkasse sorgen.

Susan Kramer, britische Staatsministerin für Transport erklärte bei der Eröffnung der neuen Buslinie vor wenigen Tagen: "Dieses Projekt bietet eine fantastische Möglichkeit, um mehr über zukünftige Einsatzgebiete und den Nutzen von Elektrobussen zu lernen." Zunächst ist das Projekt auf fünf Jahre angelegt.

Sollte der Test in Milton Keynes erfolgreich sein, dürfte das auch weitere Städteplaner zum Umdenken bewegen. Dabei ist gerade die innovative Ladetechnologie ein Schlüssel für den Erfolg des grünen Busses.

Das Konzept liese sich auch auf Elektroautos für den Privatgebrauch übertragen. Hier basteln bereits Startups an Lösungen, wie sich die passenden Ladepunkte beispielsweise in Kanaldeckeln verstecken lassen.

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