Hamburg: Bürger-Energienetz kommt voran

Hamburg: Bürger-Energienetz kommt voran

von Birk Grüling

Hamburg erhält die Konzession für sein Stromnetz. Die städtische Betreibergesellschaft könnte aber schon bald die Preise erhöhen.

Der Rückkauf der Hamburger Energienetze nimmt immer konkretere Formen an. Mitte Juni stellte die städtische Betreibergesellschaft "Stromnetz Hamburg" die Eckpunkte ihrer Arbeit vor. Ein wichtiger Bestandteil: Die Stadt will bis 2018 jährlich mehr als 160 Millionen Euro in ihr veraltetes Stromnetz investieren.

Viele Leitungen, Schaltanlagen und Umspannwerke sind deutlich in die Jahre gekommen. Einzelne Anlage wurden bereits 1960 in Betrieb genommen und müssen entsprechend dringend erneuert werden. Das Hamburger Stromnetz versorgt derzeit etwas mehr als eine Million Kunden und ist 27.500 Kilometer lang.

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Weitere Großprojekte auf der Agenda: Bis Anfang 2016 soll die Landstromversorgung für Kreuzfahrtschiffe gesichert sein. So will die Stadt die Emissionen der Urlaubskreuzer deutlich reduzieren. In Francop, im Südwesten Hamburgs, entsteht außerdem ein Windpark samt Umspannwerk. Finanziert werden die ambitionierten Pläne zuerst über Kredite und später über Netznutzungsgebühren.

Dafür könnten möglicherweise auch die Stromkunden stärker zur Kasse gebeten werden. Geschäftsführer Dietrich Graf sagte dazu der taz: „Wir haben heute bundesweit mit die geringsten Entgelte. Das wird nicht auf alle Zukunft so bleiben können.“ Über konkrete Preissteigerung wollte er aber nicht spekulieren.

Neue Jobs entstehenKonkreter sind dagegen die Personalplanungen: Seine Belegschaft wird Stromnetz Hamburg deutlich ausbauen - von derzeit 130 Mitarbeiter auf etwa 1000 innerhalb der nächsten zwei Jahre. Die meisten kommen aus Tochterunternehmen des alten Stromversorgers Vattenfall. Die Mitarbeiter sollen auch weiter die technische Betreuung der Netze und den Kundenservice übernehmen.

Der Übergang von einem Teil des Vattenfall-Konzerns zu einer städtischen Gesellschaft könnte bis zum nächsten Jahr abgeschlossen sein. Ein neues Logo steht bereits. Die Tarife werden im Moment angepasst. Für mehr Transparenz im Energiegeschäft soll außerdem ein Kunden- und Stromnetzbeirat entstehen.

Planungssicherheit für die Investitionen und den Personalausbau hat die neue Gesellschaft inzwischen genug. Die Betriebskonzession der Stromnetze ist für die nächsten 20 Jahre gesichert. Die letzten vier Konkurrenten, u.a. Eon Hanse und der französische Energieriese Veolia, hatten kürzlich überraschend ihre Bewerbungen um die neu zu vergebene Lizenz zurückgezogen.

Im September letzten Jahres stimmten die Hamburger Bürger für den Rückkauf ihrer Energienetze. Bei dem Volksentscheid hatte sich die Initiative „Unser Hamburg – Unser Netz” mit einer hauchdünnen Mehrheit von einigen Tausend Stimmen durchgesetzt und damit Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz einen klaren Auftrag erteilt. Mit der jetzigen Vorstellung der Eckpunkte und der Sicherung der Betriebskonzession hat der Senat wichtige Teile des Volksentscheides erfüllt.

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