Heizen mit Erneuerbaren: Experten fordern Pflicht für bestehende Gebäude

Heizen mit Erneuerbaren: Experten fordern Pflicht für bestehende Gebäude

von Ralph Diermann

Wer seine Heizung umbaut, könnte künftig zu einer ökologischeren Variante verpflichtet werden - Experten begrüßen das.

Die Energiewende im Heizungskeller kommt nicht voran: Gerade einmal zwölf Prozent des Heizwärmebedarfs wird heute durch Holz, Sonne oder andere erneuerbare Energien gedeckt. Während der Öko-Anteil beim Strom zuletzt rasant auf 33 Prozent gestiegen ist, stagniert er im Wärmesektor seit einigen Jahren.

Nicht einmal die massive Ausweitung der Förderung im vergangenen Jahr hat die grüne Heizenergie richtig voran gebracht. Die Zahl der Anträge auf Zuschüsse für eine Solarthermieanlage, eine Wärmepumpe oder eine Holzheizung stieg 2015 um gerade einmal 8.000 auf 68.500. Im Jahr 2010 beantragten noch mehr als doppelt so viele Hausbesitzer eine Förderung.

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Die Bundestagsfraktion der Grünen daher jetzt einen Gesetzesentwurf (pdf) in den Bundestag eingebracht, der von Hausbesitzern verlangt, 15 Prozent ihres Wärmebedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken, wenn sie ihre Heizung modernisieren. Konkret hieße das zum Beispiel: Wer seinen Gaskessel erneuert, muss sich zugleich auch eine Solarthermieanlage auf das Dach schrauben. Alternativ kann der Eigentümer den Wärmebedarf seines Hauses um 15 Prozent reduzieren, etwa durch eine Dämmung.

Bei einer Anhörung im Bundestag begrüßten Experten diesen Vorschlag. Im Wärmesektor könnten noch große Potenziale erschlossen werden, erklärte etwa Friedhelm Keimeyer vom Öko-Institut. Er schlägt vor, dass die Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien an das Alter des Heizkessels gekoppelt werden könnte. Thorsten Müller von der Stiftung Umweltenergierecht betont, dass der Gesetzesentwurf der Grünen nicht gegen das Eigentumsrecht des Grundgesetzes verstoße. Wenig verwunderlich, dass der Verband "Haus & Grund" als Vertreter der deutschen Immobilieneigentümer das Vorhaben strikt ablehnt.

Ganz neu ist die Nachrüstpflicht bei bestehenden Gebäuden nicht: Baden-Württemberg hat bereits 2008 – damals übrigens noch unter einer CDU-Regierung – eine solche Regelung eingeführt. Allerdings im Alleingang, als einziges Bundesland. Im vergangenen Jahr wurde sie noch einmal verschärft.

Anreiz, alte Heizungen zu behaltenKritiker befürchten allerdings, dass das Gesetz dem Klimaschutz eher schadet als nützt. Hausbesitzer würden damit angehalten, alte ineffiziente Heizung länger laufen zu lassen, um die Erneuerbare-Energien-Pflicht zu umgehen. Dass sie damit nicht ganz unrecht haben, zeigt eine Statistik des Energie-Dienstleisters Techem: In keinem anderen Bundesland ist der Anteil an Heizkesseln mit einem Alter von dreißig und mehr Jahren so hoch wie in Baden-Württemberg.

Ohnehin ist eine solche Vorgabe längst nicht das einzig mögliche Instrument, um Holz, Sonne und Umgebungswärme in die Heizungskeller zu bringen. Vertreter der Erneuerbare-Energien-Branche schlagen schon lange vor, eine Abgabe auf Heizöl und Erdgas zu erheben, die dann zur Förderung von Öko-Heizungen genutzt werden könnte.

Einen ganz anderen Weg geht Dänemark: Dort sind Öl- und Gasheizungen in Neubauten ganz untersagt. In bestehenden Gebäuden dürfen keine neuen Ölheizungen installiert werden. Sofern sich das Haus an ein Fernwärmenetz anschließen lässt, gilt das Verbot seit Jahresbeginn auch für Gaskessel.

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