Heizen mit Solarstrom: Grüner Pionier macht vor, wie es geht

Heizen mit Solarstrom: Grüner Pionier macht vor, wie es geht

von Wolfgang Kempkens

Warum Solarstrom vom Dach ins Netz einspeisen, dachte sich ein Tüftler aus Schwaben - er erhitzt nun sein Wasser mit Sonnenenergie. Ein Vorbild?

Wie kann man es anstellen, den gesamten Strom, den Solarzellen auf dem Dach erzeugen, im eigenen Haushalt zu verbrauchen? Auf diese Frage gibt es bisher eigentlich nur eine Antwort: Eine Batterie muss her. Doch die kostet 8000 Euro und mehr.

Werner Schmid, Tüftler aus Heubach-Lautern östlich von Schwäbisch Gmünd, hat die Lösung gefunden. Er versorgt mit Strom vom Dach auch die Heizstäbe in seinem Warmwasserkessel. Im Grunde handelt es sich bei der Technik um nichts anderes als einen großen Wasserkocher.

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Um den Strom optimal zu nutzen, hat Schmidt zusätzlich ein Mess- und Steuersystem entwickelt. Es ermittelt ständig den regulären Stromverbrauch der Geräte im Haus und das Angebot vom Dach. Was übrig bleibt, fließt in die Heizelemente.

Wenn das Brauchwasser die gewünschte Temperatur erreicht hat und die Sonne es besonders gut mit Schmid meint, fließt der Überschuss ins Netz.

Diese Art der Solarstromspeicherung in Form von warmem Wasser lohnt sich durchaus, wenn es ohnehin im Haushalt elektrisch erhitzt wird - allerdings nur dann, wenn das in einem Boiler geschieht. Wenn dieser aber mit Erdgas oder Heizöl befeuert wird, geht die Rechnung kaum auf, denn Strom aus der Steckdose kostet etwa viermal mehr als fossile Energien. Deshalb verbraucht man ihn im Haushalt besser für den Betrieb des Fernsehers oder der Waschmaschine.

Modell für die Masse?Hinzu kommt eine zweite Einschränkung: Für Solaranlagenbesitzer, die sich bereits vor vielen Jahren entschlossen haben, selbst Strom zu erzeugen, lohnt sich diese Art der Speicherung nicht. Die Einspeisevergütung, die für 20 Jahre im Rahmen des EEG-Gesetzes gezahlt wird, ist erheblich höher als die Einsparung bei der Warmwasseraufbereitung.

Schmid ist dennoch von seinem System überzeugt: Die Kosten für den Strom, der Wasser erwärmt, setzt er mit knapp 20 Cent pro Kilowattstunde an. Das ist deutlich weniger als Strom aus dem Netz kostet, er spart also Geld, wenn er mit von der Sonne erwärmtem Wasser duscht. Schmid will seine Technik zur Serienreife bringen und schließlich verkaufen.

Auch für Stromerzeuger und -verteiler ist das System bestechend. Denn wenn viele Menschen Solarstrom ähnlich wie Werner Schmid selbst im Haus nutzen, müssen die Netze in sonnenreichen Stunden kaum zusätzliche Energie verkraften.

Hubert Maier, Bereichsleiter Netze des Geislinger Energieversorgers Albwerk, sieht darin ein Konzept mit Zukunft: „Es könnte eine Möglichkeit sein, des Überschussstroms Herr zu werden“, sagte er der „Südwest Presse“ in Ulm.

Allein ist er mit seiner Idee nicht. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW in Berlin, ist davon überzeugt, dass Heizen mit Solarstrom ab 2016 auch konkurrenzfähig zu Heizöl wird. Bei einem gut gedämmten Haus könnte rund die Hälfte des Jahres mit Solarenergie geheizt werden, hat er errechnet - tief im Winter müssten dann freilich wieder Öl, Gas oder Strom aus dem Netz einspringen.

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