Heizung: Ein Berliner Startup will die Kosten senken

Heizung: Ein Berliner Startup will die Kosten senken

von Benjamin Reuter

Die Heizkosten steigen rapide. Das Berliner Startup Futurewatt will mit einem Online-Portal Verbrauchern helfen, die Ausgaben zu senken.

Wer sich mit Energie auskennt, musste sich in den vergangenen Tagen doch etwas wundern. Da streitet ganz Deutschland über steigende Strompreise und eine angeblich unbezahlbare Energiewende. Dabei ist der Kostentreiber bei der Energie nicht nur der Strom, sondern auch die Wärme – ganz ohne Einfluss von Wind und Solar. Die Kosten für die Heizung machen im Haushaltsschnitt rund zwei Drittel der Gesamtenergiekosten aus.

Hier die Zahlen im Einzelnen: Die Kosten für Heizöl stiegen in den vergangenen zehn Jahren von rund rund 35 Euro für 100 Liter auf knapp 100 Euro. Immerhin ein Viertel der Heizenergie in Deutschland wird über Öl gewonnen. Auch der Gaspreis ist im deutschen Durchschnitt zwischen 2005 und 2013 um knapp 20 Prozent in die Höhe geklettert. Gas wärmt rund 43 Prozent der Haushalte. Zum Vergleich: Beim Strom war im selben Zeitraum eine Preissteigerung von rund 30 Prozent zu verzeichnen.

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Kein Wunder, dass bei diesen Zahlen immer mehr Verbraucher versuchen, ihre Heizkosten zu senken. Bisher war das gar nicht so einfach. Das wollen Philipp Pausder und Florian Tetzlaff, die Gründer des Berliner Startups Futurewatt, nun mit einem neuen Onlineportal ändern. Auf heizkosten-senken.de bieten sie einen Komplettservice für neue Heizungsanlagen an: von der Beratung, über die Finanzierung bis hin zur Installation. Es geht also nicht nur um einen Anbietervergleich wie bei vielen Strompreisportalen, sondern um ein Komplettpaket, um die Haustechnik auszutauschen.

Zielgruppe des neuen Angebots sind vor allem die Eigentümer der 15,1 Millionen Ein-und Zweifamilienhäuser in Deutschland. Schon bald sollen aber auch Mieter, Vermieter und Wohnungsbaugesellschaften hinzukommen. Wer ein eigenes Haus hat, sagt Philipp Pausder, könne durch eine neue Heizungsanlage im Durchschnitt 750 Euro im Jahr sparen. Bei einem Wechsel von einer Heizölanlage auf eine Pelletheizung – die mit gepressten Holzspänen oder Sägemehl arbeitet – können Verbraucher durchschnittlich sogar 1.500 Euro im Jahr sparen.

Gewinn für Verbaucher und das KlimaDie großen Sprünge entstehen vor allem, indem Hausbesitzer von teurem Öl auf billigeres Gas oder die Pellets umstellen. Moderne Heizkessel arbeiten zudem sehr viel effizienter als die alten Modelle.

Und so funktioniert es: Verbraucher geben auf dem Portal sieben Parameter wie Energieverbrauch und derzeitigen Energieträger ein und bekommen dann eine persönliche Auswertung zugeschickt. Die erklärt, welche Heizungsoption und welches Gerät in dem jeweiligen Fall am günstigsten sind. Ein neuer Heizkessel plus Installation schlägt im Durchschnitt für Eigenheimbesitzer mit 7000 bis 8000 Euro zu Buche.

Futurewatt organisiert in einem zweiten Schritt sowohl den Handwerker, der den neuen Heizkessel einbaut und - falls gewünscht - auch das Geld, um die Heizung zu bezahlen. Abstottern kann der Kunde die Kosten über die Einsparungen auf seiner Wärmerechnung. Am Ende muss er also nicht mal Geld für den Umbau vorschießen.

Dass es in Deutschland einen enormen Bedarf für ihr Angebot gibt, davon sind die Gründer überzeugt. Allein 15 Millionen Heizungen gebe es in Deutschland, die älter als zehn Jahre seien, sagt Pausder. Bisher werden pro Jahr nur drei Prozent von ihnen ausgetauscht. Es rechne sich jedoch, die Anlagen alle 10-15 Jahre zu erneuern, so dass die Sanierungsquote mit sechs Prozent erheblich höher liegen könnte. Im Übrigen bringt der Heizungstausch auch Gewinne für das Klima, denn Gas und Holzpellets stoßen weniger Treibhausgase aus als Öl.

Ökorechner für Umweltbewußte geplantPausder hat den Klimanutzen auch schon berechnet: Mit den ersten 10.000 ausgetauschten Heizungen (4000 davon Ölheizungen, 6000 Gasheizungen) und deren Umstellung auf Pellets und neue Gas-Kessel werden über 10 Jahre 561,971 Tonnen CO2 gespart – das ist so ungefähr viel, wie 400.000 Autos auf einer Strecke von 10.000 Kilometern ausstoßen.

Die Idee für das Heizkosten-Portal kam den Gründern von Futurewatt während ihrer Arbeit für Unternehmen. Denn auch für sie bietet das Startup Komplettlösungen zum Energiesparen an – also alles von effizienteren Maschinen bis hin zur Finanzierung. Die Idee überführte der IT-Spezialist Kristofer Fichtner, mittlerweile bei Futurewatt für Technik zuständig, in mühsamer Kleinarbeit und unzähligen Testläufen ins Internet.

„Da es diese Komplettlösungen für Haushalte fehlte, haben viele Verbraucher das Thema Wärme vor sich her geschoben“, glaubt Pausder. Bisher sei die Berechnung schlicht zu aufwendig gewesen. Das Internetportal soll das jetzt ändern. Dabei arbeitet Futurewatt anbieterneutral: Drei der fünf größten deutschen Heizanlagenbauer sind mit ihren Geräten bei heizkosten-senken vertreten.

Auch die Wärmeerzeugung durch Solarthermie und kleine Blockheizkraftwerke – die gleichzeitig Strom und Wärme liefern – soll in den kommenden Wochen in die Berechnungen mit einfließen. Ebenso wie ein Ökorechner, der noch einmal speziell auf die klimafreundlichste Art der Heizung hinweist.

Einen Heiz-Trend können die Gründer derzeit noch nicht mit einbeziehen: Die Nutzung von Erdwärme. Dafür fehlt schlicht eine bundesweite Erdwärmekarte, mit deren Daten die Computer rechnen können. Immerhin, die Anschaffung einer neuen Heizung soll demnächst auch mobil funktionieren: über eine App für Smartphones.

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