iLand: Diese Insel speichert genug Strom für 500 Haushalte

iLand: Diese Insel speichert genug Strom für 500 Haushalte

von Wolfgang Kempkens

Vor Belgiens Küste könnte eine Stromspeicher-Insel entstehen. Die Technik von iLand ist dabei im Grunde ganz einfach.

Bei Pumpspeichern denken viele Menschen an Gebirgsseen, deren Wasser durch lange Rohre auf Turbinen fällt. Vor der belgischen Küste gibt es zwar keine Berge – aber vielleicht bald trotzdem einen Pumpspeicher.

Die Technik ist im Grunde simpel: Drei Kilometer vor der Küste, in Höhe des beliebten belgischen Seebads De Haan, soll ein 6500 Meter langer ovaler Wall aufgeschüttet werden. In dessen Mitte liegt dann ein künstlicher See.

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Produzieren Windanlagen zu viel Strom, pressen Pumpen das Wasser aus dem künstlichen See hinaus ins Meer. Muss ins Netz eingespeist werden, können Unterwasser-Turbogeneratoren an der Kopfseite zufließendes Wasser in Strom verwandeln.

Der zehn Meter hohe Wall besteht aus Sand, der aus der Fläche zwischen dem Wall ausgebaggert wird. Dadurch wird der künstliche See eine Tiefe von 34 Metern und einen Energieinhalt von rund 2200 Megawattstunden haben. Das entspricht dem Jahresbedarf von 500 Durchschnittshaushalten. Die Anlage kann, wenn der See leer ist, stündlich bis zu 550 Megawattstunden ins Netz einspeisen, also vier Stunden lang laufen.

Vor der belgischen Küste produzieren derzeit drei Windparks mit einer Gesamtleistung von gut 700 Megawatt Strom. Obwohl das, verglichen etwa mit Deutschland mit aktuell 1800 Megawatt, relativ wenig ist, sind die Auswirkungen der unregelmäßig produzierenden Windparks bereits im belgischen Netz zu spüren.

Und weitere Anlagen sind bereits in Planung. Das Land wird daher um effektive Pufferspeicher nicht herumkommen - Pumpspeicherkraftwerke im Meer sind die billigste Lösung. Die Europäische Windenergie-Vereinigung schätzt, dass vor der belgischen Küste Windparks mit einer Gesamtleistung von 4000 Megawatt gebaut werden könnten.

Bau bis 2019 möglichOb iLand, wie die Planer das Atoll nennen, tatsächlich gebaut wird ist noch nicht entschieden. Ähnlich wie bei Großprojekten in Deutschland haben sich in Belgien Bürgerinitiativen gebildet, die das Vorhaben vehement bekämpfen. Es verschandele die Natur, weil es von der touristisch intensiv genutzten Küste zu sehen sei. Außerdem seien negative Folgen für Flora und Fauna zu befürchten.

Bart Tommelein, liberaler flämischer Staatssekretär im Nordseeministerium, beeindruckt das nicht. Er glaubt, dass sich die Insel bis 2019 realisieren lässt.

Derzeit trägt Wind nur zu wenigen Prozent zur Stromversorgung des Landes bei. Den Löwenanteil mit mehr als 50 Prozent steuern Kernkraftwerke bei, von denen zwei allerdings störanfällig sind: Je ein Block von Tihange bei Lüttich und Doel bei Antwerpen.

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