Innovation: Dresdner Startup erfindet Datenheizung

Innovation: Dresdner Startup erfindet Datenheizung

von Wolfgang Kempkens

Heizen mit Gas, Pellets oder Erdwärme? Alles veraltet! Neuerdings lassen sich Häuser und Wohnungen mit Servern eines virtuellen Rechenzentrums beheizen.

Eine der wahrscheinlich innovativsten Ideen, um umweltfreundlicher zu heizen, kommt erstmal ganz unspektakulär daher: In den Kellern von 20 deutschen Haushalten stehen derzeit aktenschrankgroße Server, die zu einem virtuellen Rechenzentrum des Dresdner Unternehmens AoTerra gehören. Vernetzt sind sie über das Internet. Die Übertragungsleistung liegt bei 50 Megabit pro Sekunde.

Das zunächst scheint erstmal nicht erwähnenswert. Doch die Server haben eine verblüffende Zusatzfunktion: Ihre Abwärme wird von einem Wärmetauscher eingefangen und zum Heizen des Hauses und zum Erwärmen von Trinkwasser genutzt. 3,6 Kilowatt bringt diese Datenheizung. In herkömmlichen Rechenzentren wird diese Wärme vollständig an die Außenluft abgegeben, damit die Computer nicht überhitzt werden und den Dienst einstellen.

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Den Anstoß zum Aufbau eines virtuellen Rechenzentrums, dessen Server die Zentralheizung in bis zu 170 Quadratmeter großen Häusern und Wohnungen vollkommen überflüssig machen, gab Professor Christof Fetzer, Computerwissenschaftler an der Technischen Universität Dresden. Er suchte nach einer kostengünstigen Heizung für sein Haus, das er bauen wollte. Die fand er im Rechenzentrum seiner Universität in Form von Servern.

Tests in seiner eigenen Wohnung waren erfolgreich. Daraufhin gründete er 2011 das Unternehmen AoTerra. Die heizenden Server nennt das Unternehmen, das mittlerweile 34 Mitarbeiter hat, AoHeat. Bis zum Jahresende sollen 100 weitere Server ausschließlich in deutschen Haushalten aufgebaut und vernetzt werden. Damit soll Kunden des virtuellen Rechenzentrums auch signalisiert werden, dass ihre Daten sicher sind - sie werden ja schließlich bei ihnen im Keller gelagert.

Und wenn mal nichts zu rechnen ist und der Server nicht arbeitet? So was komme nie vor, heißt es aus dem Unternehmen. Es gebe immer genug zu tun.

AoHeat kostet in der Anschaffung rund 12000 Euro. Danach muss sich der Haus- oder Wohnungsbesitzer um nichts mehr kümmern. Den Service übernimmt AoHeat, und für mindestens 15 Jahre auch die Stromkosten. In gut isolierten Häusern reicht der Server zum Heizen und die Warmwasserbereitung aus. In Altbauten lässt er sich mit einem Spitzenlastkessel kombinieren, der einspringt, wenn es besonders kalt ist.

AoHeat lässt sich auch mit Solarkollektoren kombinieren. Im Sommer wird überschüssige Wärme an die Umgebungsluft abgegeben.

Vom 18. April an können Privatpersonen die Geschäftsidee von AoTerra unterstützen und über den Crowdfunding-Dienst Seedmatch ab 250 Euro in das Unternehmen investieren. Das Startup möchte zunächst 500.000 Euro einsammeln, um weiter wachsen zu können.

Die Idee aus Sachsen hat aber nicht nur in Deutschland Potenzial. So verbrauchen allein die Rechenzentren des Internetgiganten Google so viel Strom wie rund 800.000 Deutsche Haushalte im Jahr. Würde man diese Abwärme nutzen, ließen sich über Wärmetauscher im sonnigen Kalifornien sicher einige zehntausend Häuser kühlen.

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