Innovation: Erfinder macht Bremsschwellen zu Mini-Kraftwerken

Innovation: Erfinder macht Bremsschwellen zu Mini-Kraftwerken

von Jan Willmroth

Ein von der EU gefördertes Forschungsprojekt macht die ungeliebten Bremsschwellen zur Stromquelle.

Es ist vermutlich eines der bekanntesten Hassobjekte der Autofahrer: Erhebungen auf Straßen, die PKW-, LKW- und Busfahrer zum Abbremsen zwingen. Wer nicht langsam genug darüber fährt, hat schnell eine Macke in der Frontschürze seines Autos oder Schrammen am Auspuff. Bremsschwellen heißen die Bauelemente, die seit den siebziger Jahren in immer mehr Städten zu einem willkommenen Mittel der Verkehrsberuhigung geworden sind.

Häufig verfehlen sie aber ihren Zweck: Autofahrer bremsen kurz ab, um dann wieder zu beschleunigen – sie fahren unstetig, verbrauchen deshalb mehr Sprit und machen genauso viel Lärm wie ohne Bremsschwellen. Wenn Fahrradfahrer die Schwellen zu spät erkennen, kann es sogar richtig gefährlich werden. An vielen Orten kommen sie deshalb außer Mode und werden zurückgebaut.

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Ein von der EU gefördertes Forschungsprojekt könnte die Bremsschwellen jetzt wieder um einiges beliebter machen: Die Initiative mit dem Namen „Poweramp“ nutzt einen Prototyp, der die Bewegungsenergie von Autos nutzt, sie über die Schwelle fahren. „Wir haben den Straßenverkehr als ungenutzte Quelle erneuerbarer Energie identifiziert“, schreiben die Entwickler. Bedenkt man die Vielzahl an Bremsschwellen, die in Städten verbaut sind, könnte es eine ernst zu nehmende Energiequelle werden, wenn das Projekt erfolgreich ist.

Straßenverkehr treibt Generatoren anSobald ein Fahrzeug auf die Erhebung in der Straße trifft, senkt sie sich leicht ab und treibt per Zahnrad-Mechanik einen Generator an, der Strom erzeugt. Die Schwellen sind höhenverstellbar, sodass sie an verschiedene Geschwindigkeiten angepasst werden können. Die elektrische Leistung des Systems hängt denn auch von der Geschwindigkeit der darüber fahrenden Fahrzeuge ab. Außerdem spielen das Gewicht, die Höhe der Schwelle und die Bauweise Mechanik eine Rolle.

Dem Projekt gingen sechs Jahre Arbeit des britischen Erfinders Peter Hughes voraus. Er hat das Poweramp-System patentiert und einige Testversionen entwickelt. Auf seiner Webseite hat er ein paar Videos veröffentlicht, in denen er die Funktionsweise der Mini-Kraftwerke erklärt.

Je höher die Schwelle aus der Straße ragt, desto ungemütlicher wird es für die Insassen der Autos. Dabei haben sich die Forscher zum Ziel gesetzt, weder Fahrverlauf noch -komfort für Autofahrer zu beeinträchtigen. Auch muss das System sehr robust sein: Es muss Millionen mal starken Kräfte standhalten, die durch die tonnenschweren Fahrzeuge entstehen. Es muss mit sehr hohen und sehr niedrigen Temperaturen klarkommen. Es muss sich rechnen und – natürlich – vor allem für Rad- und Motorradfahrer sicher sein.

Erste Tests in KürzeDeshalb wird es noch dauern, bis die ersten stromerzeugenden Bremsschwellen installiert werden. Die ersten Tests sind aber bereits gelaufen, und nach Angaben des Erfinders haben Supermärkte, Tankstellen- und Parkhausbetreiber schon ihr Interesse bekundet. Die ersten Anlagen leisten dem Konsortium zufolge bei moderatem Verkehr rund 35 kW – in etwa so viel, wie ein 200 Quadratmeter großes Photovoltaik-System oder eine kleine Windkraftanlage. Doch nach Angaben der Entwickler zu deutlich geringeren Kosten.

Bremsschwellen könnten dank Peter Hughes also ganz unverhofft zu einem neuen, kleinen Element in der Versorgung mit erneuerbaren Energien werden. Es wäre ein Nischenprodukt – eines, das ein wenig Versöhnung der Autofahrer mit den Schwellen beiträgt. Und im besten Fall unsere Straßen noch sicherer für Fußgänger macht.

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