Innovation: Fabrik in Mannheim macht Plastikmüll zu Öl

Innovation: Fabrik in Mannheim macht Plastikmüll zu Öl

von Benjamin Reuter

Zehn Prozent der Ölproduktion landen in Plastik. Aber der Rohstoff wird zunehmend teurer. In Mannheim entsteht eine erste Fabrik, die das Öl zurückgewinnt.

WiWo Green berichtete vor einigen Wochen über Startups in den USA, die eine neue Art von Rohstoffrausch auslösen: indem sie Plastikabfälle wieder zu Öl machen. Bisher gehen rund zehn Prozent der weltweiten Ölproduktion in Kunststoffe - unter anderem für Wasserflaschen, Handyhüllen, Tüten oder Autoteile. Manches davon landet im Recycling und manches verbrennen Kraftwerke zur Energiegewinnung. Die restlichen Plastikabfälle landen auf der Deponie. Statt Plastik zu verbrennen oder es zu lagern, wäre es besser, daraus wieder Öl herzustellen.

Genau das soll im Hafen Rheinau im Süden von Mannheim jetzt geschehen. Der Grundstein für die Ölfabrik der Zukunft ist schon gelegt. Schon in diesem Sommer soll sie ihren Betrieb aufnehmen. Die Technik dafür ist eigentlich seit den 1930er Jahren bekannt. Weiterentwickelt hat sie das deutsche Umwelttechnik-Unternehmen Nill Tech in Baden-Württemberg. Errichtet wird die Anlage vom Finanzierer Ventafonds aus Bremen.

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Und so funktioniert es: Zuerst wird der Plastikmüll vorsortiert. Das, was recycelt werden kann, geht in die Wiederverwertung. Der Rest wird in Kesseln auf rund 400 Grad erhitzt. Die in einem zweiten Schritt enstehenden Gase werden wieder abgekühlt und dann verflüssigt. Aus einer Tonne Plastik werden so 850 Liter Heizöl. Ein Teil des gewonnenen Öls entspricht Produkten wie Benzin und Kerosin. Dass der Prozess klappt, zeigt eine kleine Anlage in der Schweiz, die seit 2005 in Betrieb ist.

Die Anlage in Mannheim soll pro Jahr 20.000 Tonnen Plastikmüll verarbeiten können. Für herkömmliche Plastikflaschen allerdings ist die Anlage nicht ausgelegt, die lassen sich auch gut recyceln. Vielmehr soll sie alle Arten von Folien, also auch Müllsäcke, Rohre, Autoteile und Schaumstoffe umwandeln.

Das Futter für die Anlage kommt aus der Umgebung von Mannheim. 17 Millionen Liter Heizöl, so der Plan, sollen pro Jahr in Mannheim fließen. Wird das Öl zur Wärme- und Stromerzeugung wieder verbrannt, ist die Energieausbeute im Vergleich zum herkömmlichen Verheizen des Plastiks, drei Mal höher. Außerdem spart der Prozess in Mannheim im Gegensatz zur Sofortverbrennung rund 60 Prozent CO2. Würden alle Plastikabfälle in Deutschland auf diese Weise aufbereitet, so die Betreibergesellschaft, könnte das immerhin drei bis fünf Prozent des deutschen Rohölimports ersetzen. Ein deutscher Durchschnittshaushalt produziert rund 300 Kilogramm Plastikmüll im Jahr.

Sorgen um die Abnahme müssen sich die Mannheimer Ölhersteller nicht machen. 100 Liter gewöhnliches Heizöl kosten derzeit rund 80 Euro, das Plastik-Öl aus der Mannheimer Anlage etwas mehr als 30 Euro. Die Baukosten der Anlage betragen knapp 27 Millionen Euro. Einen Teil davon wirbt der Finanzierer Sebastian Sauerhammer auch über Beteiligungen von Privatpersonen ein. Ein weiterer Teil des Geldes stammt von einem russischen Investor.

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