Intelligente Stromnetze: Elektroautos sollen Sonnenenergie speichern

Intelligente Stromnetze: Elektroautos sollen Sonnenenergie speichern

von Wolfgang Kempkens

Stromversorger Wemag will Akkus von E-Fahrzeugen in das Stromnetz integrieren - "tanken" würde für Autofahrer billiger.

Der Schweriner Stromversorger Wemag arbeitet konsequent an der Lösung eines der drängendsten Probleme bei der Versorgung mit Wind- und  Solarstrom. Nachdem er bereits eine Großbatterie in Betrieb genommen hat, die 5000 Kilowattstunden Strom für sonnenlose und windschwache Zeiten puffert, hat er jetzt eine 70-prozentige Mehrheit am Hamburger Elektroauto-Umrüster Karabag übernommen.

Die Partner wollen in großem Stil Batterien von Elektroautos als Speicher für überschüssigen Strom aus erneuerbaren Quellen einsetzen. „Wir möchten dieses Potenzial konsequent nutzen und ausbauen und die Entwicklung von Elektroautos aktiv vorantreiben“, sagt Caspar Baumgart, kaufmännischer Vorstand der Wemag.

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Autobesitzer verdienen Geld mit ihrem FahrzeugWenn das Ziel der Bundesregierung erreicht wird, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die deutschen Straßen zu bringen, könnten diese stolze 16 Millionen Kilowattstunden abpuffern, glauben Experten. Das ist immerhin der Jahresbedarf von 4000 Haushalten.

Die Speicherdienstleistung könnte sich für die Autobesitzer sogar lohnen. Überschussstrom, der heute nur Verluste bringt, würde zu Niedrigstpreisen oder sogar kostenlos in die Fahrzeugbatterien fließen.

Das Leipziger Unternehmen Deutsche Energieversorgung, das Pufferbatterien für den Einsatz im eigenen Haus baut, bietet seinen Kunden diese Art kostenlose Stromversorgung bereits an. Das Unternehmen kauft Strom, wenn er billig ist oder gar nichts kostet und leitet ihn in die Batterien seiner Kunden.

Smartgrid muss kommenFür den Aufbau eines Stromnetzes, in das häusliche Solarbatterien, Elektroautos und andere Pufferspeicher integriert sind, ist eine "intelligente", von Software gesteuerte Infrastruktur nötig. Die muss dafür sorgen, dass all die Speicher über das Internet miteinander vernetzt sind und kommunizieren.

Jeder einzelne Puffer muss zum Beispiel ständig über den aktuellen Strompreis informiert werden, um zu entscheiden, ob er Überschussstrom aus dem Netz schlucken oder ihn abgeben soll oder doch lieber den Solarstrom vom eigenen Dach aufnimmt.

Auch die Haushaltsgeräte, die viel Strom verbrauchen (Waschmaschinen zum Beispiel), müssen integriert werden, damit sie genau dann laufen, wenn besonders viel elektrische Energie angeboten wird.

Ziel dieses intelligenten Stromnetzes ist es, Pufferbatterien und Großverbraucher wie Kühlhäuser so zu steuern, dass stets der gesamte Ökostrom Abnehmer findet, der wetterabhängig erzeugt wird. Die Batterien in den Autos sorgen dafür, dass er sich zeitversetzt nutzen lässt.

Allerdings kann die intelligente Steuerung nicht alles. Bei der Integration von Autobatterien muss der Nutzer selbst aktiv werden, um nicht mit leerer Batterie da zu stehen, wenn er zur Arbeit fahren will. Er muss dem System also frühzeitig mitteilen, wann er starten möchte und wie viel Strom er für den nächsten Trip braucht.

Hybridmotor sorgt auch im Winter für ReichweiteEin intelligentes Ladegerät, das dazu in der Lage ist, haben Wissenschaftler der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt unter der Leitung von Professor Ansgar Ackva bereits entwickelt. Es lädt die Autobatterien bei hohem Stromangebot auf und speist einen Teil davon ins Netz, wenn es an Strom mangelt.

Die Powerbox, an deren Entwicklung der japanische Autohersteller Mitsubishi, die Autozulieferer Jopp aus Bad Neustadt und A. Eberle aus Nürnberg sowie der Stromversorger Überlandwerke Rhön beteiligt beteiligt waren, hat mit 20 Kilowatt eine so hohe Leistung, dass die Batterien eines Autos im Notfall innerhalb von 30 Minuten aufgeladen sind.

Das Hamburger Unternehmen Karabag rüstet derzeit vor allem Fahrzeuge des italienischen Autoherstellers Fiat um. Der Verbrennungsmotor fliegt raus. Seinen Platz nimmt ein Elektromotor ein. Im Angebot sind der Fiat 500 und drei Transporter unterschiedlicher Größe.

Bisher haben die Hamburger, die auch Umrüstsätze für Bastler anbieten, rund 800 Fahrzeuge verkauft. Ohne einen Tank kommen allerdings auch diese Fahrzeuge nicht aus. Der wird mit Alkohol – Bioethanol – für die Bordheizung gefüllt, die Karabag gemeinsam mit dem Spezialisten Eberspächer entwickelt hat. Ohne die Spritheizung und rein elektrisch betrieben würde die Reichweite des Fahrzeugs im Winter drastisch sinken.

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