Internationale Energieagentur: Ab 2020 müssen Emissionen weltweit sinken

Internationale Energieagentur: Ab 2020 müssen Emissionen weltweit sinken

von Daniel Anthes

Die IEA warnt vor den Emissionen des Energiesektors. Die Klimakonferenz von Paris könne helfen, diese zu senken.

Daniel Anthes ist Nachhaltigkeitsbeauftragter bei einer international tätigen Wirtschaftsberatung. Für WiWo Green schreibt er Gastbeiträge zu den Themen Ressourcenmanagement und CSR.

Im Dezember dieses Jahres wird Paris Schauplatz für die COP21, die 21. UN-Klimakonferenz. Die Debatte dazu ist bereits in vollem Gange, angestoßen durch die UN selbst, den Papst oder die G7.

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Nun hat sich auch die Internationale Energieagentur (IEA) zu Wort gemeldet und ihren neusten Weltenergie-Bericht veröffentlicht. Im Jahr 1974 von Industrienationen als autonome Institution gegründet, galt die IEA lange als Fach- und mitunter sogar als Lobby-Organisation, die sich für eine sichere Energieversorgung basierend auf fossilen Energieträgern aussprach. Doch ihr neuester Bericht kommt nun wie ein Paukenschlag daher.

Die Zeit dränge, denn der Kampf gegen höhere Treibhausgasemissionen werde jedes Jahr teurer. Tiefe Einschnitte bei Energieemissionen seien notwendig, Produktion und Nutzung von Energie machen nämlich zwei Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen aus.  Und trotzdem müsse das globale Wirtschaftswachstum erhalten und die Energieversorgung gesichert bleiben.

Mut macht dabei, dass sich Wirtschaftswachstum und energiebezogene Emissionen entkoppeln. In 2014 wuchs die Weltwirtschaft um ca. drei Prozent, während die CO2-Emissionen des Energiesektors konstant blieben.

Dafür gibt es zwei Gründe: Die schnelle Expansion kohlenstoffarmer Technologien: Erneuerbare Energieträger, wie z. B. Wind, Solar oder Wasserkraft, machten fast die Hälfte der in 2014 neu geschaffenen Stromerzeugungskapazität aus. (vgl. Abb. 1) Im Gegenzug geht die Energieintensität weltweit zurück (im Durchschnitt um 2,3 Prozent).

CO2-Zertifikate ein wichtiges WerkzeugUm diesen Weg weiterzugehen, scheint eine Einpreisung von Kohlenstoff unumgänglich. Laut IEA-Angaben stammen etwa elf Prozent der weltweit energiebezogenen CO2-Emissionen aus Regionen, in welchen ein entsprechender CO2-Markt bzw. ein Emissionshandelssystem vorhanden ist. Diesem stehen jedoch 13 Prozent gegenüber, welche in Regionen mit Subventionen für fossile Brennstoffe emittiert werden. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die auf internationalen Finanzmärkten gehandelte Tonne CO2 für momentan rund sieben US-Dollar implizit mit 115 US-Dollar bezuschusst wird (vgl. Abb. 2).

Doch auch in diesem Zusammenhang zeichnen sich immer mehr positive Trends ab. Die EU will ihr Handelssystem reformieren, andere Staaten führen ein eigenes ein (wie etwa Südkorea oder China). Länder wie Indien, Indonesien, Malaysia und Thailand nutzen die gegenwärtig niedrigen Ölpreise, um ihre Subventionen für fossile Brennstoffe abzubauen.

Wichtige Schritte, denn die IEA fordert, dass 2020 der Scheitelpunkt globaler energiebezogener CO2-Emissionen erreicht werden müsse. Und das ließe sich umsetzen, ohne dass die Wirtschaft darunter leide. Dazu müssten einige Kernmaßnahmen umgesetzt werden, wie etwa noch höhere Energieeffizienz, Einschränkung der Kohleverstromung und eine Umschichtung der Subventionen für fossile Energien hin zu den Erneuerbaren.

Dazu pocht die IEA auf mehr Engagement der Staaten: Bei der letztjährigen Klimakonferenz in Lima wurde beschlossen, dass im Vorfeld von COP21 nationale Beiträge bei der UN vorgelegt werden - jedoch sind hier noch lange nicht alle Zusagen eingetroffen. Wie wichtig dies jedoch ist, bringt die zentrale Botschaft des IEA-Berichts auf den Punkt: „Die Welt muss schnell lernen, innerhalb ihrer Grenzen zu leben, wenn diese Generation sie mit einem reinen Gewissen der nächsten übergeben soll."

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