Internationale Energieagentur: Solarenergie wird wichtigster Stromlieferant

Internationale Energieagentur: Solarenergie wird wichtigster Stromlieferant

von Benjamin Reuter

Lange standen die Experten der IEA der Solarenergie kritisch gegenüber – das ändert sich jetzt.

Es ist ungefähr so, als würde der Papst für außerehelichen Sex werben: Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht in zwei aktuellen Untersuchungen die Sonne bis 2050 zum größten Stromlieferanten weltweit aufsteigen.

Was das mit dem Papst zu tun hat? Man muss wissen, dass die IEA – wohl das einflussreichste Energieberatungsgremium weltweit und eine Art Energie-Think-Tank der Industriestaaaten mit Sitz in Paris – über Jahre die Rolle der erneuerbaren Energien klein geredet und die Preisentwicklung für Strom aus Wind- und Solaranlagen unterschätzt hat.

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Derzeit erzeugen noch Kohle-, Atom-, Erdöl- und Gaskraftwerke 80 Prozent des Stroms auf der Welt. Kohlekraft allein bringt es auf einen Anteil von rund 40 Prozent. In 35 Jahren liefert die Sonne dann schon 27 Prozent des Stroms, schreibt nun die IEA. Dahinter folgen die Wasser- und die Windkraft. Insgesamt tragen die Erneuerbaren im IEA-Szenario für 2050 mit einem Anteil von 65 bis 80 Prozent zur Stromversorgung bei.

Wie immer bei den Szenarien der IEA spielen auch hier eine Reihe von Annahmen eine Rolle, auf denen die Berechnungen aufbauen. Einmal ist das der konsequente Kampf gegen den Klimawandel, der dazu führt, dass die fossilen Energieträger in den kommenden Jahren an Bedeutung verlieren.

Entscheidend für den Aufstieg der Solarenergie ist aber etwas anderes: "Vor allem der rapide Preisverfall in den vergangenen Jahren hat es ermöglicht, dass Solarenergie zu einer wichtigen Säule der Stromversorgung werden kann", sagte IEA-Chefin Maria van der Hoeven bei der Präsentation der Szenarien in Paris.

Ein Problem sei allerdings, dass die Anfangsinvestitionen für Solaranlagen vergleichsweise hoch seien. Beim Betrieb fielen dagegen kaum noch Kosten an. Deshalb sei es wichtig, die Kosten für Kredite attraktiv zu gestalten. Das sieht van der Hoeven als einen wichtigsten Pfeiler für einen künftigen Solarboom.

Zu dieser Aussage passt, dass die IEA vor allem Unsicherheiten auf der politischen Ebene als Gefahr für die weitere Verbreitung der Solarenergie sieht. Geldgeber und Projektierer bräuchten einen verlässlichen Rahmen für ihre Investitionen, sonst würden Kredite zu teuer. Vor allem die deutsche Energiewende mit ihren vielen Politik- und Richtungswechseln in den vergangenen Jahren könnte die IEA bei dieser Aussage im Hinterkopf gehabt haben.

Aber Solarenergie ist nicht gleich Solarenergie.

Eine zunehmend wichtige Rolle bei der Stromerzeugung kommt laut IEA bis 2030 vor allem der Photovoltaik zu. Danach allerdings gehen mehr und mehr Solarwärmekraftwerke ans Netz. Indem sie die Sonnenwärme in Dampf umwandeln lässt sich die Energie auch speichern. Da Solarwärmekraftwerke auch am Nachmittag und Abends Strom liefern, seien sie die perfekte Ergänzung für Photovoltaikanlagen, schreibt die IEA. Solaranlagen, die Wärme in Strom umwandeln, tun heute unter anderem schon in Kalifornien und in der Wüste von Abu Dhabi Dienst. Noch sind sie allerdings vergleichsweise teuer.

Ende vergangenen Jahres waren laut IEA weltweit Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 137 Gigawatt installiert, das entspricht ungefähr der Leistung von ebensovielen Atomkraftwerken. Jeden Tag kämen mittlerweile 100 Megawatt Solarleistung neu ans Netz, schreibt die IEA. Der Boom spiegelt sich auch in den Investitionen: 2013 flossen knapp 100 Milliarden Dollar weltweit in den Bau von Solarpanelen.

Die Vorhersage für die Preisentwicklung bei der Solarenergie, und hier bleibt sich die IEA treu, ist allerdings eher konservativ. Bis 2020 sinken die Preise für Solarstrom aus Photovoltaikanlagen demnach um 25 Prozent, bis 2030 sind es 45 Prozent. Bedenkt man, dass die Preise für Solarstrom allein in den vergangenen fünf Jahren in den USA um rund 80 Prozent gefallen sind, ist das eher vorsichtig geschätzt. Die Kosten für Solarwärmekraftwerke mit Speicher sollen sich laut IEA bis 2050 ungefähr halbieren.

Wie explosionsartig sich die Photovoltaik in den vergangenen Jahren entwickelt hat, zeigt die folgende Grafik (Quelle: IEA):

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