Jetzt auch Windkraft: Google will mit Hightech-Drachen Strom produzieren

Jetzt auch Windkraft: Google will mit Hightech-Drachen Strom produzieren

von Susanne Ehlerding

Google geht in die Luft. Der Flugdrachen Makani soll doppelt so viel Strom erzeugen, wie herkömmliche Windkraftanlagen.

Beim Kreativfestival SXSW in Texas ließ der Leiter von Googles Forschungslabor, Astro Teller, die Katze aus dem Sack: Der Internetkonzern arbeitet an einem Fluggerät, das Windkraft billig und effizient in Strom umwandeln soll.

Makani heißt das Projekt und bedeutet „Wind“ auf Hawaiianisch. Das gleichnamige Startup kaufte Google vor zwei Jahren. 50 Prozent mehr Strom als herkömmliche Windkraftwerke soll Makani erzeugen und dabei 90 Prozent weniger Material verbrauchen.

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Getestet hat Google bisher einen Prototypen, der aussieht wie ein großes Modellflugzeug ohne Kabine. Es ist neun Meter lang und hat eine Leistung von 600 Kilowatt. Zum Vergleich: Große Windräder an Land haben heute eine Leistung von bis zu drei Megawatt, also etwa das Fünffache. Das Projekt des Internetkonzerns ist also ambitioniert.

Auch starke Winde lassen Makani nicht abstürzenVier Propeller tragen Makani in eine Höhe von bis zu 450 Metern, wo der Wind kräftiger und stetiger weht als in Bodennähe. Der Drachen zieht seine Kreise dann in Bahnen senkrecht zur Erdoberfläche, taucht also immer wieder ab, um anschließend wieder aufzusteigen. Verbunden ist er mit dem Boden durch eine starke Drachenschnur, die als Stromkabel dient.

Herzstück des Fluggeräts sind besonders effiziente und verschleißarme Elektromotoren. Sie drehen die Propeller, wenn Makani abhebt. Befindet sich der Flugdrachen auf Zielhöhe, schalten die Motoren um auf Generatorbetrieb. Dann werden sie von der Windkraft angetrieben. Dabei entsteht Strom, der über das Kabel zur Bodenstation fließt.

Hier ein Youtube-Video von Makani:

In Tests habe sich Makani als extrem flugfähig bewährt, berichtete Astro Teller bei der SXSW. Der Wissenschaftler mit dem offiziellen Titel „Captain of Moonshots“ leitet Google X, „die halb-geheime Mondfahrtfabrik“ des Konzerns. Google X soll besonders innovative Projekte wie Makani vorantreiben.

Niemals sei das Fluggerät abgestürzt, sagt Teller. Dabei wurde es in einer der stürmischsten Gegenden der USA geprüft: Pigeon Point in Pescadero, Kalifornien, berichtet das Magazin The Verge. Dort wechselt der Wind innerhalb von Sekunden immer wieder Richtung und Stärke.

Leichte Drachen sollen Windkraft-Kolosse ersetzenNach dem erfolgreichen Test des Prototyps will Google kommenden Monat in die nächste Phase eintreten und einen Winddrachen mit 28 Metern Länge in die Luft bringen.

Denn laut Google sind nur 15 Prozent der Erdoberfläche geeignet, um Wind mit herkömmlichen Windrädern "zu ernten". Der Konzern will die Zahl der möglichen Standorte durch seinen Drachen erhöhen und dabei „tonnenweise Stahl durch leichte Elektronik, fortschrittliche Materialien und smarte Software ersetzen“, heißt es auf der Website des Projekts. So könnten „saubere Technologien weltweit maßgeblich“ werden.

Drachenwindprojekte gibt es mittlerweile einige, auch in Deutschland. NTS Energie und Transportsysteme aus Berlin hat ein Patent auf einen Drachen, der einen stromerzeugenden Schlitten auf einer Schienenbahn im Kreis zieht.

Enerkite aus Kleinmachnow verfolgt ein Konzept, bei dem das Drachenseil eine Generatorwinde antreibt. Bei der Buoyant Turbine von Altaeros Energies aus Massachusetts trägt eine heliumgefüllte Ummantelung einen Rotor aus Stahl.

Google will mit Drachen neue Kunden gewinnenFür Google geht es mit Makani nicht nur um den Fortschritt der erneuerbaren Energien. Der Konzern will neue Kundengruppen in Weltgegenden erschließen, wo es noch keinen Strom und kein Internet gibt.

Denn Google hat vergangenes Jahr den Solardrohnen-Hersteller Titan Aerospace gekauft. Seine Drohnen könnten einmal die Funktion von Satelliten übernehmen.

Außerdem betreibt Google das Projekt Loon. Ballons in der Stratosphäre viele Kilometer über Erde sollen demnach ein weltumspannendes Kommunikationsnetz bilden. Um kommunizieren zu können, benötigen Menschen Strom. Den könnte künftig Makani liefern.

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