Jetzt fix: Norwegen hilft Deutschland bei der Energiewende

Jetzt fix: Norwegen hilft Deutschland bei der Energiewende

von Wolfgang Kempkens

Zwischen Norddeutschland und Norwegen verläuft künftig ein gigantisches Stromkabel für den Energieaustausch.

Strom, der von Windenergieanlagen in der Nordsee erzeugt wird, fließt künftig, kaum auf dem Festland angekommen, postwendend durch ein Seekabel nach Norwegen.

Das passiert immer dann, wenn die Mühlen auf hoher See mehr Strom erzeugen als Verbraucher in Deutschland und seinen Nachbarländern abnehmen können.

Anzeige

Norwegischer Strom bei FlauteDer Vertrag zum Bau der NordLink genannten Leitung ist jetzt zwischen dem deutsch-niederländischen Netzbetreiber TenneT, dem norwegischen Netzbetreiber Statnett und der bundeseigenen Bankengruppe KfW geschlossen worden.

Die 623 Kilometer lange Hochspannungs-Gleichstromleitung verläuft auf einer Strecke von 516 Kilometern auf dem Meeresgrund. Die Investitionssumme liegt bei 1,5 bis zwei Milliarden Euro. Die Übertragungsleistung liegt bei 1400 Megawatt. Das entspricht der Leistung eines Kernkraftwerks.

Überschussstrom, den deutsche Kraftwerke vor allem auf hoher See produzieren, wird in Wilster bei Hamburg in Gleichstrom umgewandelt. Der fließt dann ins südnorwegische Tonstad. Dort wird er in Drehstrom zurückverwandelt und ins Netz eingespeist. Die entsprechende Kapazität an Wasserkraft in Norwegen wird dann vorübergehend stillgelegt.

Das Wasser in hoch gelegenen Speicherseen bleibt dann ungerührt. Herrscht an wind- und sonnenarmen Tagen in Deutschland Strommangel, produzieren norwegische Wasserkraftwerke im Gegenzug Strom für den deutschen Markt.

Pufferspeicher für WindstromNordLink wird von einem Konsortium realisiert, an dem zu jeweils 50 Prozent Statnett und die DC Nordseekabel beteiligt sind. An DC Nordseekabel halten TenneT und KfW jeweils 50 Prozent der Geschäftsanteile. DC Nordseekabel verantwortet den Bau des Kabels auf deutschem Hoheitsgebiet. Die Norweger sind für die Abschnitte auf dänischem und norwegischem Gebiet zuständig. 2019 soll die Stromleitung in Betrieb gehen.

Durch den Bau der Leitung wird Norwegen zu einem gigantischen Pufferspeicher vor allem für Windstrom, der nicht abgesetzt werden kann. Damit wird die Abschaltung ganzer Windparks vermieden, was heute noch durchaus üblich ist, wenn eine kräftige Brise weht.

„Die Investitionsentscheidung für NordLink unterstreicht unsere Überzeugung, dass die Zukunft dem Strom aus erneuerbarer Energie gehört“, sagte der CEO von Statnett, Auke Lont. In Norwegen ist das längst realisiert. Mehr als 90 Prozent des Stroms wird in Wasserkraftwerken erzeugt.

Ob norwegischer Strom jemals in Bayern ankommt, ist allerdings fraglich. Dort wächst der Widerstand gegen neue Hochspannungsleitungen, die spätestens dann nötig sind, wenn 2022 das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet wird. Mag sein, dass Bayern darauf zielt, seine Meiler zu behalten.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%