Kampf gegen Smog: China bringt weltweit erste Wasserstoff-Tram auf die Schienen

Kampf gegen Smog: China bringt weltweit erste Wasserstoff-Tram auf die Schienen

von Wolfgang Kempkens

In China dürften bald die ersten Trambahnen mit Wasserstoffantrieb fahren.

In 90 Prozent aller chinesischen Städte werden regelmäßig die Grenzwerte für Luftbelastung überschritten.

Chinas Regierung hält die Einführung von emissionsarmen Technologien im öffentlichen und privaten Nahverkehr daher für unumgänglich. Tatsächlich könnten in Chinas smoggeplagten Millionenstädten schon bald Straßenbahnen mit Elektromotoren für Entlastung sorgen.

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Wasserstoff betreibt die TramDenn die Sifang Company hat nach eigener Aussage die weltweit erste Straßenbahn mit Wasserstoff-Antrieb auf die Schienen gebracht. Sie soll auf Strecken ohne Oberleitung eingesetzt werden, sagen die Lokomotivhersteller der Sifang Company, die in Qingdao an der Ostküste Chinas sitzt.

Brennstoffzellen treiben die Tram an. Sie produzieren aus Wasserstoff Strom für den Antrieb und Wärme zum Beheizen der Fahrzeuge. "Abgase" sind nur warme Luft und Wasserdampf.

Zwei Jahre haben die Entwickler getüftelt, bis alle technischen Mängel beseitigt waren.

Damit haben die Chinesen den französischen Hersteller Alstom überholt, der bis 2018 einen Triebwagen mit der gleichen Technik entwickeln will. Er ist für den Nahverkehr in Deutschland vorgesehen.

100 Kilometer Reichweite bei einer TankladungWasserstoff aus Drucktanks betreibt die Brennstoffzelle. In drei Minuten ist die Tram betankt und schafft mit einer Füllung bei einer Spitzengeschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde eine Entfernung von 100 Kilometern.

„Die durchschnittliche Länge von Straßenbahnlinien in China beträgt 15 Kilometer“, sagt Liang Jianying, Chefingenieur bei Sifang. „Wir müssen also erst nach drei Umläufen auftanken.“ Die Bahn hat 60 Sitzplätze und ist für 380 Passagiere zugelassen.

Auch die Automobilbranche arbeitet unter Hochdruck an Fahrzeugen mit Brennstoffzellen. Hersteller wie Toyota haben bereits erste Modelle mit der Technologie auf den Markt gebracht. In Hamburg sind Busse mit Wasserstoffantrieb unterwegs.

Die Vorteile: Ein Fahrzeug mit Brennstoffzelle hat eine deutlich bessere Reichweite als sein batteriegetriebenes Pendant. Vor allem aber emittiert es nur Wasserdampf und kann damit die Luftqualität verbessern.

Entscheidend für die Ökobilanz ist allerdings, wie der Wasserstoff produziert wird, der die Brennstoffzelle antreibt.

Strom für Wasserstoff kommt aus alten KraftwerkenWasserstoff ist das häufigste Element auf der Erde, kommt aber beinahe ausschließlich in gebundener Form vor – etwa Wasser oder Methan. Um das H2 für die Brennstoffzellen aus diesen Verbindungen zu lösen, ist viel Energie nötig.

Für die Wasserstofftram macht das ein Elektrolyseur, der mit Strom betrieben wird. Den Strom liefern allerdings vorwiegend ältere Kohlekraftwerke mit hohen Emissionen an Kohlendioxid und Schadstoffen.

Eine wirkliche Entlastung gäbe es nur dann, wenn der Wasserstoff emissionsfrei mit Solar-, Wind- oder Atomstrom, direkt von Mikroorganismen oder durch Wasserspaltung mit Sonnenlicht hergestellt würde. Da Brennstoffzellen einen hohen Wirkungsgrad haben und die Fahrzeuge auch beheizen, könnte die Wasserstoff-Straßenbahn dennoch einen ersten wichtigen Beitrag zur Emissionsminderung leisten.

Auch in Deutschland wäre eine solche Tram attraktiv, vor allem in sehenswerten Innenstädten. Dort stören Oberleitungen aus optischen Gründen.

Bereits heute gibt es Bahnen, die mit Stromspeichern, so genannten "Super-Caps" ausgestattet sind. Diese versorgen die Elektromotoren auf Strecken von einigen 100 Metern. Statt der Super-Caps könnten Brennstoffzellen für eine ordentliche Reichweite sorgen.

Hier ein Video der Wasserstoff-Tram:

 

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