Kanada: Eis-Highway soll Pendler auf Schlittschuhen in die Stadt bringen

Kanada: Eis-Highway soll Pendler auf Schlittschuhen in die Stadt bringen

von Felix Ehrenfried

Wieso Bus oder Bahn nutzen, wenn es auch auf Schlittschuhen ins Büro gehen kann?

In der kanadischen Stadt Edmonton, rund 1000 Kilometer nordöstlich von Vancouver gelegen, könnten die Pendler demnächst statt Bus oder Bahn Schlittschuhe nutzen, um damit zur Arbeit zu kommen. Landschaftsarchitekt Matt Gibbs erarbeitete in seiner Masterarbeit an der University of British Columbia ein Konzept, wie solch ein Eis-Highway, englisch Freezeway, aussehen könnte.

Dabei waren es vor allem zwei Dinge, die den Kanadier auf die Idee für sein Konzept brachten. Zum einen ist Kanada eine Eishockey-begeisterte Nation, neben Lacrosse zählt der Teamsport auf Schlittschuhen zu den Nationalsportarten und viele Menschen sind sicher auf Kufen unterwegs.

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11 Kilometer Eishighway durch die InnenstadtZum anderen sind es die klimatischen Bedingungen: Edmonton mit seinen 812.00 Einwohnern ist die Hauptstadt der Provinz Alberta, wo von November bis Anfang April Durchschnittstemperaturen herrschen, die deutlich unter dem Gefrierpunkt liegen.

Wieso also nicht die Begeisterung der Kanadier für Eissport mit den kühlen Temperaturen verbinden und eine neue Art des öffentlichen Transports schaffen?

Gibbs' Konzept sieht vor, dass der Eis-Highway parallel zu den bestehenden Straßen verläuft, teilweise aber auch stillgelegte Eisenbahnstrecken nutzen könnte. Er soll auf einer Schleife von elf Kilometern durch die Stadt führen. Selbstverständlich soll der Highway auch Anschluss zum Stadion des lokalen Eishockey-Teams, den Edmonton Oilers, haben. Dann könnte es auf Schlittschuhen zum Eishockeyspiel gehen.

Nachdem Gibbs seine Masterarbeit bereits vor rund zwei Jahren präsentierte, hat die Idee nun neuen Aufwind bekommen, da Gibbs aktuell an einem tragfähigen Konzept zur Umsetzung des Eis-Highways arbeitet.

Wie das Tech-Magazin Wired berichtet, hat das Konzept aber nicht nur Freunde. Ein Stadtrat bezeichnete die Idee als "die dümmste Sache, die ich in 30 Jahren gehört habe". Eine Stadtplanerin von Edmonton hingegen erklärte gegenüber den kanadischen Global News: "Es wäre toll, das zu haben."

Gibbs' Idee ist allerdings nicht ganz neu, wie er selber zugibt. So schlug bereits in den 1990ern Stadrat Tooker Gomberg vor, man solle im Winter doch einfach die Hydranten öffnen und die Straßen fluten, damit die Menschen zur Arbeit auf Schlittschuhen skaten können.

Dank Kühlstechnik auch im Sommer Eislaufen?Das Hauptproblem an der Umsetzung seines Eis-Highways sei heute die Frage der Haftung im Falle eines Unfalls, erklärt Gibbs. Außerdem seien die Kosten bisher ungeklärt. Man könne das Konzept zuerst aber auch als Freizeitangebot auf kleineren Streckenabschnitten testen, so Gibbs. Auch ließe sich der Freezeway mittels Kühltechnik in die wärmeren Monate retten, schlägt er vor.

Das "Fortbewegungsmittel Schlittschuh" klingt beim ersten Hören vielleicht etwas abgedreht, aber das Konzept hat durchaus Potential. In der kanadischen Metropole Ottawa ist der Rideu Canal über die Wintermonate beispielsweise eine riesige, öffentliche Eisbahn, die direkt durchs Stadtzentrum führt.

Und auch in den Niederlanden nutzen viele Stadtbewohner die zugefrorenen Grachten gerne als Möglichkeit, schnell durch die Stadt zu kommen.

Ob man das Konzept mittels energieintensiver Technik auf wärmere Monate ausweiten sollte, ist dagegen fraglich. Doch gerade im Winter ist ein Eis-Highway ein Konzept, das mehr als eine Überlegung wert ist. Im Sommer, wenn das Eis weg ist, könnten Radfahrer die Fahrbahn nutzen.

Hier noch ein Video des Eis-Highway:



 

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