Keine Abgase in Küstennähe: Erste Hybrid-Fähre verbindet Deutschland und Dänemark

Keine Abgase in Küstennähe: Erste Hybrid-Fähre verbindet Deutschland und Dänemark

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Die Hybrid-Fähre im Einsatz. Foto: Claus Lillevang / Scandlines

von Angela Schmid

Kein Lärm, keine Abgase, kein CO2: Eine dänische Reederei nutzt Diesel nur noch auf offener See.

Die Reederei Scandlines setzt künftig auf Hybridfähren: Auf der 50 Kilometer langen Strecke zwischen Rostock und dem dänischen Gedser wird das Unternehmen ab sofort ein Dieselschiff mit Elektromotor einsetzen. Ein Akku mit 1,9 Megawattstunden soll das Schiff etwa 30 Minuten lang leise und elektrisch voranbringen.

Immerhin 140 Millionen Euro hat die dänische Reederei dazu in den Bau der "grünen" Fähre gesteckt. Die Akkukapazität entspricht etwa 400 Hybridautos. Aber sie muss auch reichen, um 8800 Tonnen zu bewegen - so schwer ist das Schiff. Eine zweite Hybridfähre auf der Strecke soll im Herbst folgen.

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460 Autos und 1300 Passagiere finden in den Schiffen Platz. Beim Auslaufen soll der Akku so lange die Energie liefern, bis das Schiff das offene Meer erreicht. Die Fähren verfügen zwar über fünf Dieselgeneratoren, nutzen bei einer normalen Überfahrt aber nur zwei oder drei mit einer Auslastung von je 40 bis 55 Prozent auf See.

Am effektivsten arbeiten die Generatoren jedoch bei einer Auslastung von 85 bis 90 Prozent. Durch den Einsatz der Batteriepakete kann die Energie gespeichert und somit die optimale Auslastung der Motoren permanent gewährleistet werden. Scandlines ist nach eigenen Angaben weltweit die erste Fährreederei, die ein Hybrid-Antriebssystem dieser Größenordnung an Bord einsetzt, das überschüssige Energie in Batterien speichert. Die Fähre kann so ihren Treibstoffverbrauch optimal an die Auslastung anpassen und den CO₂-Ausstoß um 15 Prozent reduzieren.

Ohne Abgase und Lärm an der Küste

Kommt die Fähre nach einer zwei Stunden dauernden Überfahrt im Zielhafen an, wird wieder auf Batterieantrieb umgeschaltet. "Die Fähren fahren damit in Küstennähe emissionsfrei", erklärt Unternehmenssprecherin Anette Ustrup Svendsen. Die Bordbatterien werden während des 15-minütigen Aufenthalts der Fähre im Hafen über eine landseitige Batteriebank aufgeladen. Die Energie wird dabei in einem so genannten ESS (Energy Storage System) gespeichert.

Die Motorengase werden zusätzlich über vier Abgaswäscher (Scrubber), die im Schornstein integriert sind, von Schadstoffen wie Schwefel und Feinstaub gereinigt und der Emissionsausstoß um etwa 90 Prozent reduziert. Es handelt sich dabei um "Closed-Loop-Scrubber", die das verunreinigte Wasser in einer Zentrifugenanlage reinigen. Das Wasser wird in einem Tank gesammelt und gelagert, um später an Land gepumpt zu werden, wo es über eine Aufbereitungsanlage für Umweltabfälle entsorgt wird. Damit erfüllt die Reederei die seit vergangenem Jahr geltenden Anforderungen für Schiffsemissionen.

Die dänische Reederei führte das Hybrid-Antriebssystem bereits 2013 auf der "Prinsesse Benedikte" ein. 2014 folgte er Umbau von drei weiteren Fähren auf der knapp 20 Kilometer langen Strecke Puttgarden-Rødby zu Hybridfähren, womit Scandlines mehr als 25 Millionen Euro in nachhaltige Technologien investierte.

"Der nächste Schritt ist der komplett emissionsfreie Fährbetrieb auf der Strecke Puttgarden-Rødby mit 100 Prozent Batteriebetrieb", erklärt Anette Ustrup Svendsen. Die Strecke Rostock-Gedser sei dafür jedoch zu lang. Einen Zeitrahmen gibt es nicht. Die Errichtung landseitiger Ladestationen für den vollständig emissionsfreien Fährverkehr sei ein anspruchsvolles Unterfangen. "Hierfür müssen zunächst unternehmerische Ressourcen freigegeben werden. Zudem erfordert ein solches Vorhaben zweifellos Unterstützung von politischer Seite", so Anette Ustrup Svendsen.

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