Klimaretter oder Ladenhüter: Wie „öko“ sind Elektroautos?

Klimaretter oder Ladenhüter: Wie „öko“ sind Elektroautos?

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Ein elektrisch angetriebener BMW i3 lädt an einer Ladesäule in der Innenstadt von Leipzig.

E-Fahrzeuge sollen die Autoindustrie in ein Zeitalter jenseits des Erdöls führen - und so zum Klimaschutz beitragen. Bei ihrer Ökobilanz muss man aber auch die Quellen des Stroms berücksichtigen.

Das Elektrofahrzeug, klimaschonender Retter der von Abgas-Skandal und Umweltvorschriften gebeutelten Autoindustrie. Dieses Bild scheinen - Absatzprobleme hin oder her - viele Verfechter der Ökomobile im Konkurrenzkampf mit klassischen Diesel- und Benziner-Modellen zu pflegen. Ein genauerer Blick auf die tatsächliche Ökobilanz zeigt aber: Das Ausmaß der Umweltverträglichkeit steht und fällt mit mehreren Faktoren. Nicht nur die Herkunft des Stroms ist zentral.

„Elektrofahrzeuge sind im Betrieb mit erneuerbaren Energien nahezu emissionsfrei“, heißt es beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Die Betonung liegt auf „erneuerbaren“ - denn falls ein E-Auto etwa mit großen Anteilen an Kohlestrom fährt, ist seine Nutzung in der Gesamtbetrachtung schon deutlich weniger sauber. Einige Ökostrom-Anbieter beliefern nach eigenen Angaben schon heute E-Auto-Ladestationen nur mit „grüner“ Elektrizität. „Wir bieten an allen unseren Ladepunkten ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen“, erklärt die RWE-Tochter Innogy. Er stamme aus Wasserkraft.

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Tatsächlich besteht bei Experten kein Zweifel daran, dass Autos mit Elektromotor einen kleinen Öko-Vorteil haben. „Der Energieaufwand über den gesamten Lebenszyklus ist um das drei- bis vierfache geringer als bei fossil betriebenen Fahrzeugen“, berichtete das österreichische Umweltbundesamt in einer Studie im Sommer 2016.

Elektroautos im Kostenvergleich

  • BMW

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    BMW i3Strom36.150 Euro598 Euro47,8 Cent
    Mini Cooper SSuper Plus26.600 Euro542 Euro43,4 Cent
    Mini Cooper SDDiesel28.300 Euro519 Euro41,5 Cent

    Quelle: ADAC

  • Citroën

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Citroën C-ZeroStrom19.800 Euro433 Euro34,6 Cent
    Citroën C1 Vti 68Super13.900 Euro388 Euro31,0 Cent

  • Ford

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Ford Focus ElectricStrom34.900 Euro665 Euro53,2 Cent
    Ford Focus 1.5 EcoBoostSuper25.500 Euro618 Euro49,4 Cent
    Ford Focus 2.0 TDCiDiesel28.100 Euro623 Euro49,8 Cent

  • Hyundai

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Hyundai IONIQ ElektroStrom33.300 Euro587 Euro47,0 Cent
    Hyundai i30 1.6 GDISuper22.630 Euro562 Euro45,0 Cent
    Hyundai i30 1.6 CRDi blueDiesel24.030 Euro548 Euro43,8 Cent

  • Kia

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Kia Soul EVStrom28.890 Euro526 Euro42,1 Cent
    Kia Soul 1.6 GDISuper19.990 Euro529 Euro42,3 Cent
    Kia Soul 1.6 CRDiDiesel23.490 Euro539 Euro43,1 Cent

  • Mercedes-Benz

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Mercedes-Benz B250eStrom39.151 Euro713 Euro57,0 Cent
    Mercedes-Benz B220 4MaticSuper34.076 Euro773 Euro61,8 Cent
    Mercedes-Benz B220dDiesel36.521 Euro728 Euro58,2 Cent

  • Nissan

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Nissan LeafStrom34.385 Euro632 Euro50,6 Cent
    Nissan Pulsar 1.2 DIG-TSuper22.290 Euro574 Euro45,9 Cent
    Nissan Pulsar 1.5 dCiDiesel22.690 Euro535 Euro42,8 Cent

  • Renault

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Renault ZoëStrom34.700 Euro580 Euro46,4 Cent
    Renault Clio TCe 90Super16.790 Euro433 Euro34,6 Cent
    Renault Clio dCi 90Diesel20.290 Euro454 Euro36,3 Cent

  • Tesla

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Tesla Model S 60 Strom71.020 Euro1206 Euro96,5 Cent
    Mercedes-Benz CLS 400Super63.427 Euro1198 Euro95,8 Cent
    Mercedes-Benz CLS 350dDiesel62.178 Euro1156 Euro92,5 Cent

  • VW

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    VW e-up!Strom26.900 Euro472 Euro37,8 Cent
    VW up! 1.0Super14.255 Euro375 Euro30,0 Cent

Schon verglichen mit Hybridautos, die einen E- und Verbrennungsmotor kombinieren, würden 50 bis 70 Prozent weniger Energie verbraucht - von der Produktion über den Betrieb bis zur Entsorgung. Betrachte man die Entstehung klimaschädlicher Treibhausgase wie CO2, seien reine E-Modelle im Vergleich zu Benzinern oder Dieseln um 75 bis 90 Prozent vorn. Nicht zu unterschätzen sei zudem die Frage, wie oft Akkus getauscht werden müssen sowie das Thema Recycling.

Beim Ressourcenverbrauch von E-Autos spiele vor allem die Fahrzeug- und Batterieproduktion eine entscheidende Rolle, heißt es in einer im Dezember veröffentlichten Studie des Berliner Verkehrsinstituts InnoZ im Auftrag von Greenpeace. Weil Batterien eine geringere Energiedichte haben, sind E-Fahrzeuge oft überdurchschnittlich schwer und damit weniger effizient. Lösungen sollen Leichtbau und Fortschritte bei den Batterien bringen. Die Autoindustrie berichtet gerade bei der Batterieforschung von erheblichen Fortschritten.

Generell warnen Branchenexperten wie Ferdinand Dudenhöffer vor vorschnellen Vergleichen der E-Technologie zu heutigen Verbrennern. „Es ist nicht richtig, ein ausgereiftes Produkt wie den Verbrennungsmotor sowie die dazugehörige Tankinfrastruktur und Raffineriestruktur mit den ersten zehn Jahren des Elektroautos zu vergleichen.“ Er fügt hinzu: „So wäre es aber, wenn wir jetzt mit Ökobilanzen Dinge darstellen, die enormes Entwicklungspotenzial haben, das wir aber noch nicht genau kennen.“

Was den Deutschen an Elektroautos besonders gefällt

  • 33 Prozent

    Ein Drittel der Befragten freut sich besonders über die geringen Emissionen.

  • 22 Prozent

    Die gleichmäßige Beschleunigung der Konstruktionen spricht mehr als jeden Fünften besonders an.

  • 21 Prozent

    Weniger Kosten für die Fortbewegung Die Energiepreise finden fast ebenso viel Zuspruch wie die gleichmäßige Beschleunigung.

  • 20 Prozent

    Von der Laufruhe sind rund 20 Prozent der Probanden besonders überzeugt.

  • 3 Prozent

    Imageprobleme? Vielleicht. Denn das ist für nur 3 Prozent der Befragten ein besonderer Aspekt bei Elektrofahrzeugen.

  • 1 Prozent

    Einem von hundert Befragten gefällt das Design an Elektroautos am besten.

    Quelle: Statista

Ein enormes Potenzial haben E-Fahrzeuge, da ist sich die Branche einig. Nur: In den Autohäusern sind Elektrofahrzeuge bisher vor allem Ladenhüter - obwohl das Angebot der Hersteller stetig wächst. Und auch die Nachfrage nach der Kaufprämie ist weiter höchst bescheiden. Bis Ende Januar wurden in Deutschland insgesamt lediglich 10 835 Anträge auf eine Prämie gestellt, wie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle am Mittwoch in Eschborn mitteilte.

Der Grünen-Politiker Oliver Krischer mahnte, neben dem Ausbau der Ladestationen sei ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien nötig, damit Elektroautos mit reinem Ökostrom fahren können. „Wenn Union und SPD die Energiewende weiter ausbremsen, wird sich auch der Erneuerbaren-Stromanteil bei E-Autos nicht groß erhöhen.“ Damit erweise die Bundesregierung nicht nur der Energiewende, sondern der gesamten „Verkehrswende“ einen „Bärendienst“.

Und Greenpeace warnt seit langem: Die staatliche Kaufprämie verhindere sogar eine „Verkehrswende“, indem sie den Kauf privater Pkw subventioniere - statt nachhaltige Mobilitätsangebote zu stärken. „Das beste E-Auto ist nicht das eigene, sondern das geteilte“, sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup. Die Forderung lautet also: weniger Autos vor allem in den Großstädten, dafür mehr Carsharing und ÖPNV.

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