Kommentar: Die E-Auto-Kaufprämie ist ein Klima-Desaster

Kommentar: Die E-Auto-Kaufprämie ist ein Klima-Desaster

von Peter Vollmer

Statt der Kaufprämie für E-Autos wären Investitionen in die Infrastruktur sinnvoller – denn die muss grün werden.

Alle hauen sie drauf: Experten, Kommentatoren und bestimmt auch die Stammtische: Die Kaufprämie für E-Autos kommt je nach Perspektive zu spät („Hätte man schon statt Abwrackprämie machen können“), zu früh („Noch gibt es gar keine E-Autos, die sich normale Menschen leisten können“) oder sollte überhaupt weggelassen werden.

Der Zeitpunkt ist ohnehin daneben. VW profitiert nun nach dem Abgasskandal, in dessen Nachlauf ranghohe Manager nicht ohne Diskussion auf ihre Bonuszahlungen verzichten konnten, auch noch von Steuergeschenken. Was für ein fatales Zeichen. Nur: Die Elektrifizierung des Straßenverkehrs muss kommen – sonst verliert Deutschland den Anschluss an den Markt.

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Die Regierung hat daran ebenfalls ein Interesse, will sie doch ihre Klimaziele erreichen. Mit Nissan und Tesla fahren aber ausländische Autobauer vorneweg; und selbst das deutsche Traditionsunternehmen Opel, das sich nur an Chevys erfolgreiche Stromer dranhängen müsste, schafft es in Deutschland nicht. So gesehen ist die aktuelle Förderung sinnvoll: Deutsche Autohersteller bekommen einen Anreiz, auf E-Autos zu setzen.

Es ist für deutsche Unternehmen auch noch nicht zu spät. Nur: Spätestens nach dem Diesel-Skandal hätte es dazu keinen staatlichen Anstupser mehr gebraucht. Die internationalen Umweltgesetze zwingen die Autobauer zum Umdenken, machen Verbrennungsmotoren mehr und mehr unattraktiv.

In Sachen Klima bringt die E-Auto-Förderung allerdings Deutschland keinen Schritt weiter. Denn der Strom kommt immer noch zu zwei Dritteln aus unökologischen Quellen, allen voran von den dreckigen Kohlekraftwerken.

Grüner Kraftwerkspark für LadestationenWenn der Staat schon Geld in die Hand nehmen möchte, wäre es an anderer Stelle deutlich besser aufgehoben. Zum Beispiel bei E-Tankstellen. Benzin-Tankstellen waren die ersten Jahrzehnte alle staatlich. Warum sollte der Staat also nicht eine Ladestruktur aufbauen?

Und damit sind nicht nur Ladesäulen an der Autobahnraststätte gemeint, die die Regierung nun immerhin auch noch einmal mit 300 Millionen Euro angehen will. Sondern auch der Kraftwerkspark daneben: Was soll der Durchbruch der E-Autos bringen, wenn diese dann mit vergoldetem Kohlestrom geladen werden müssen? Besitzern von Mittelklassewagen fehlt oft das Geld (und das Haus), um einen eigenen Solar-Carport zu bauen. Ein Problem, das sich bei den ersten E-Autos im Niedrigpreisbereich verstärken wird. Wo sollen die laden, wenn nicht an öffentlichen Stationen?

Statt mit weiteren 700 Millionen Euro den Kauf von Fahrzeugen zu fördern, wären Investitionen in Ladestationen sinnvoller, deren Strom von Wind- und Solaranlagen kommt. Rund um die Uhr tanken könnte man, wenn überschüssiger Strom in Batterien oder - mit der Power-to-Gas-Technologie - als Wasserstoff gespeichert würde. Je nach Anlage könnten sogar Gas-Autos dort tanken und würden mit einem Schlag attraktiver.

Der Strom wäre komplett grün, die Erzeugung ziemlich günstig. Es würde die viel kritisierte deutsche Infrastruktur aufwerten. Und wäre der nächste Schritt in Richtung Energie- und Verkehrswende.

Pedelecs einfach vergessenNur leider ist das nicht nur teurer, sondern vor allem auch aufwendiger als das bloße Verteilen von Geldgeschenken an Autokäufer. Zudem wäre ein solches Projekt nicht mehr in dieser Legislaturperiode zu schaffen. Auf lange Sicht ist und bleibt es aber ein Unding, die Energiewende durch die jetzt geplanten Reformen auszubremsen und E-Autos zu fördern. Um eine echte Verkehrswende drückt sich die Regierung mit dem Förderprogramm. Für solche Visionen sind mittlerweile Privatleute zuständig. Da ist es kein Wunder, dass Elon Musk bald mehr Investoren als die SPD Wähler hat.

Übrigens: Für Pedelecs, die preislich oft jenseits von Gut und Böse sind, gibt es keine finanzielle Hilfe. Doch würden die E-Bikes nur 999 statt 1999 Euro kosten, wäre ein rasanter Absatz sicher. Dabei bedeutet der Zweiradverkehr: Weniger schwere Unfälle, zumindest auf den Radwegen, weniger Staus und weniger eingesetzte Materialien beim Bau. Doch mittlerweile sind chinesische E-Roller deutlich billiger als deutsche Fahrräder mit Strom-Unterstützung. Die nächste verschlafene Branche ...

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