Kosten der Energiewende: Schönrechnen bringt nichts

Kosten der Energiewende: Schönrechnen bringt nichts

von Benjamin Reuter

CDU und SPD entscheiden demnächst über die Zukunft der Energiewende. Die zentrale Frage: Was kostet der Ökostrom-Ausbau derzeit überhaupt?

Die Spitzen der wahrscheinlich nächsten Regierung aus CDU, CSU und SPD verhandeln derzeit fleißig darüber, wie sie die Zukunft des Landes gestalten wollen. Auch das Thema Energie spielt dabei eine Rolle. Die zentralen Fragen, die für einen Koalitionsvertrag gelöst werden müssen:

Wie soll es weitergehen mit der Energiewende? Wie viel Ökostrom brauchen und wollen wir in Zukunft? Wer soll den grünen Umbau unserer Stromversorgung eigentlich bezahlen und wie sind die in den vergangenen Jahren zur Regel gewordenen Erhöhungen bei der Ökostromumlage zu stoppen? Diese kletterte zuletzt um knapp 20 Prozent auf 6,24 Cent pro Kilowattstunde im nächsten Jahr.

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Leiten werden die Diskussionsrunde zur Zukunft der Energiewende NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Umweltminister Peter Altmaier (CDU). Bevor sie die genannten Fragen aber beantworten können, müssen sie ersteinmal wissen, wie viel der Ausbau von Wind-, Solar- und Biogasanlagen überhaupt kostet. Und genau bei diesem Punkt gab es in den vergangenen Wochen einige Verwirrung.

Denn als der Anstieg der EEG-Umlage für 2014 Mitte Oktober von den Übertragungsnetzbetreibern verkündet wurde, beeilten sich die Befürworter der Energiewende mit der Feststellung, dass der Ausbau der Erneuerbaren gar nicht schuld sei am Strompreisanstieg.

Nur 0,15 Cent für Wind und Sonne?



Hermann Falk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE), erklärte dazu: "Der Ausbau (der Erneuerbaren) hat nur einen Anteil von 15 Prozent oder 0,15 Cent pro Kilowattstunde an dem Anstieg der EEG-Umlage von insgesamt knapp 1 Cent pro Kilowattstunde." Er bezog sich dabei auf die Ergebnisse einer Studie, die sein eigener Verband durchgeführt hatte (hier als PDF). Der Rest der Erhöhung gehe vor allem auf die Ausnahmen der Industrie von der EEG-Umlage zurück und die sinkenden Strompreise an der Börse.

Dieser Interpretation folgten auch andere in der Diskussion. Der Tenor: Die EEG-Umlage sage nichts mehr über die Kosten der Energiewende aus.

Aber stimmt das wirklich? Wie so oft, wenn es um Statistiken geht, lohnt ein Blick auf die Quellen und Rechengrundlagen der zitierten Zahlen.

Denn eine Studie des Öko-Institutes in Berlin kommt zu ganz anderen Ergebnissen (hier als PDF). Dort ist der Ausbau der erneuerbaren Energien mit 0,44 Cent immerhin knapp zur Hälfte für die Erhöhung der EEG-Umlage von 2013 auf 2014 verantwortlich und nicht, wie vom BEE berechnet, für nur 15 Prozent.

In der aktuellen politischen Diskussion um die Kosten der Energiewende und die Gründe für den Strompreisanstieg, können selbst solch geringen Centbeträge beachtliche Sprengkraft entfalten. Wichtig ist deshalb die Frage, welche Zahlen denn nun gelten?

Zahlen von 2008, um den Anstieg zwischen 2013 und 2014 zu erklärenAuf Nachfrage heißt es beim BEE, dass die Statistiker ihrer Rechnung idealisierte Annahmen zu Grunde gelegt hätten. Konkret bedeutet das, dass sie teilweise auch Zahlen von 2008 für ihre Berechnungen nutzten. Damals waren allerdings die Kosten für Industrieausnahmen kaum vorhanden und die Börsenstrompreise hoch - heute sind erstere sehr hoch und letztere sehr niedrig. Umso stärker fällt ihr Anteil in den Berechnungen für den Anstieg der EEG-Umlage für das kommende Jahr aus.



Damit ist klar, dass die Berechnungen des BEE überhaupt nichts über den Anstieg der Umlage zwischen 2013 und 2014 aussagen.



Der BEE drückt das verklausuliert so aus: "Im reinen Jahresvergleich ist die Berechnung des Ökoinstitutes realitätsnäher." Aber was soll dann die Studie des BEE überhaupt, wenn die Zahlen mit den realen Rahmenbedingungen der Energiewende derzeit wenig bis gar nichts zu tun haben?

Laut BEE sollte die Studie auf die Ungleichgewichte in der Entwicklung der EEG-Umlage aufmerksam machen. Der Verband schreibt: "Wenn es keine Steigerungsfaktoren außer der Vergütung geben würde, würde die Umlage nur um 0,15 ct von 2,39 in 2013 auf 2,54 in 2014 steigen."

Ziel dieser Darstellung sei es, die häufig emotional geführte Diskussion über die EEG-Umlage und den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien zu versachlichen.

So sei die Umlage zwischen 2008 und 2014 von 1,1 Cent pro Kilowattstunde auf 6,24 Cent gestiegen - eine Versechsfachung also. Die reinen Kosten für den in Solar-, Wind- und Biogasanlagen produzierten Strom hätten sich in dieser Zeit aber nur verdreifacht. Sprich: Die Kosten der Energiewende sind nur zum Teil auf den Ausbau der erneuerbaren Energien zurückzuführen.

Diese Feststellung ist durchaus notwendig, richtig und ganz nebenbei auch im Sinne des Verbandes. Diese Aussage allerdings in eine Studie über den aktuellen Strompreisanstieg zu verpacken, führt eher in die Irre, als dass es der Aufklärung dient. Einen Gefallen tun sich die Befürworter der Energiewende damit nicht.

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