Kühlschrank für Kleinbauern: Solarzelt hält Gemüse frisch

Kühlschrank für Kleinbauern: Solarzelt hält Gemüse frisch

von Caspar Schlenk

Ein kleines Zelt mit solarbetriebenem Ventilator schützt Nahrung vor dem Verderben – und könnte damit in Entwicklungsländern helfen.

Die Entwicklung des belgischen Designers Arne Pauwels sieht auf den ersten Blick aus wie ein Mini-Zelt. Die Konstruktion hat ein Gestell, eine Plane und Reißverschlüsse. Doch anstelle von Menschen haben darin bis zu 150 Kilo Obst und Gemüse Platz.

Ein kleines Solarpanel mit drei Watt Leistung treibt einen Ventilator an, der wiederum Wasser verteilt. Dadurch entstehe ein Mikroklima in dem Zelt, das die Zellen der Pflanzen intakt halte, erklärt Pauwels. Bis zu zehn Tage bewahre das Zelt die Nahrung wie in einem Kühlschrank, bevor sie verkommt.

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Fast die Hälfte der Nahrung verfaultAuf die Idee kam Pauwels während einer Reise durch Äthiopien. "Mir wurde bewusst, dass die Verluste nach der Ernte ein großes Problem in Afrika sind", sagte Pauwels dem Blog Ecowatch. Nahrungsmittel günstig zu kühlen, sei für Landwirte nicht möglich, denn sie sind meist von der Stromversorgung abgeschnitten. Anstatt die Produktion zu erhöhen, wolle er mit seiner Idee die Verluste reduzieren.

Weltweit haben viele Bauern mit dem Problem zu kämpfen: Bevor sie den Markt erreicht, verdirbt 45 Prozent der Nahrung, die in Entwicklungsländern produziert wird, heißt es bei der Welternährungsorganisation (FAO). Wertvolle Lebensmittel gehen so verloren.

Pauwels Unternehmen nennt die Entwicklung Wakati, was „Zeit“ in der ostafrikanischen Sprache Swahili bedeutet. Mit mehreren belgischen Universitäten testete er sein Konzept. Herausgekommen ist ein Zelt, das jeweils 100 Dollar kostet.

100 Kühl-Zelte hat das Unternehmen bereits nach Afghanistan, Haiti und Uganda exportiert – und hofft noch in diesem Jahr mit der Massenfertigung beginnen zu können.

Ein halber Liter Wasser – anstatt 700Bislang verwenden viele der Landwirte sogenannte Zero Energy Cool Chambers (ZECC), die Nahrung durch eine kleine Mauer schützen (diese Präsentation erklärt das Prinzip). Das Problem: Das Gemüse muss regelmäßig bewässert werden. Dadurch würden mehr als 100 Liter Wasser pro Tag verbraucht, schreibt Pauwels. Das wollte er ändern.

Zuerst versuchte er das Wasser aus der ZECC-Konstruktion aufzufangen und wiederzuverwenden. Doch das funktionierte nicht. Mit seinem Kühl-Zelt hat er nun eine Lösung gefunden, die nur einen halber Liter Wasser pro Woche verbraucht, anstatt der 700 Liter, die das traditionelle Kühlsystem benötigt. Auch im Vergleich zu einem Kühlschrank kann sein System bestehen: Es braucht nur ein Prozent der Energie.

Allerdings sind 100 Dollar für Landwirte in Entwicklungsländern immer noch viel Geld, obwohl sich die Investition langfristig auszahlen würde. Doch die Farmer leben meist von der Hand in den Mund. Somit ist das Solarzelt vorerst eher etwas, das Entwicklungshilfeorganisationen finanzieren könnten.

Vielleicht könnte aber auch ein Finanzierungsmodell Vorbild sein, wie es für die Ökostromversorgung in armen Ländern schon existiert. Hier bekommen Unternehmer Kredite, um die Anlagen zu kaufen und nehmen dann von den Kunden eine Gebühr. Hohe anfängliche Investitionsummen entfallen damit für die Landwirte.

Das Konzept von Pauwels ist in diesem Video kurz erklärt:

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