Kunststoff aus CO2: Ford will Schaum aus Kohlendioxid verbauen

Kunststoff aus CO2: Ford will Schaum aus Kohlendioxid verbauen

Bild vergrößern

Dieser Schaum aus Kohlendioxid soll erdölbasierte Kunststoffe ersetzen. (Foto: Ford)

von Wolfgang Kempkens

Ein Start-up stellt Schaum aus CO2 her - Ford will diesen bald in seinen Autos verbauen.

Kunststoff ist für Autobauer ein zweischneidiges Schwert. Er macht das Auto leichter, aber über die Umweltfreundlichkeit lässt sich streiten. Doch nun könnte Ford guten Gewissens Naturmaterialien durch Kunststoffe ersetzen, denn der Autobauer hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Kohlendioxid in Schaum für Polster verwandeln lassen kann.

Auch feste Kunststoffe wären so herstellbar. In spätestens fünf Jahren will das US-Unternehmen eine Technologie des Jungunternehmens Novomer in Ithaca im US-Bundesstaat New York zur Herstellung von Bauteilen für seine Fahrzeuge zu nutzen. Damit könnten rund 270.000 Tonnen Erdöl eingespart werden, heute noch ausschließliches Basismaterial für Polyol, das unter anderem zur Herstellung von Polyurethan genutzt wird. Aus diesem Hartschaum sind zahlreiche Einbauteile im Innenraum von Fahrzeugen wie Lenkrad, Türverkleidungen und Armlehnen.

Anzeige

Ford will dazu Kohlendioxid aus Fabrikabgasen als Rohstoff nutzen. Derzeit setzt das Unternehmen bereits testweise Bauteile aus Kohlendioxid-Kunststoffen ein. So will der US-Autobauer 50 Prozent des Erdöls durch Kohlendioxid ersetzen.

Ähnliche Idee aus Dormagen

Covestro, früher Bayer MaterialScience, hat ein ähnliches Verfahren entwickelt, das den Erdöleinsatz um 20 Prozent reduziert. Im nächsten Jahr geht in Dormagen bei Leverkusen eine Produktionsanlage in Betrieb, die pro Jahr 5000 Tonnen Polsterschaum für die Möbelindustrie und für Autositze herstellen wird. Ob Ford sein 50-Prozent-Ziel erreicht ist noch keineswegs ausgemacht. Novomer selbst spricht von einer "nennenswerten" Einsparung an Erdöl.

Die Entwicklungen von Covestro und Novomer basieren auf der Entwicklung von preiswerten Katalysatoren, die das reaktionsträge Kohlendioxid dazu bringen, mit anderen Molekülen zu reagieren. Außerdem sollen die Prozesse bei mäßigen Temperaturen und geringem Überdruck stattfinden, um den Energieaufwand zu minimieren. Das ist beiden Unternehmen gelungen.

"Ford arbeitet aggressiv daran, die Belastung für die Umwelt zu reduzieren, indem wir den Einsatz von Kunststoffen und Schaum auf Basis von Erdöl verringern", wirbt Debbie Mielewski, bei Ford für den Umweltschutz zuständig: Schon jetzt nutzt das Unternehmen Pflanzenöle als Basis für die Polsterschaumherstellung. Dessen Qualität ist allerdings geringer als die von Schaum aus Erdöl. Das Novomer-Material soll dagegen von höchster Qualität sein. Ford reklamiert für sich, das erste Autounternehmen zu sein, das Kunststoffe auf Kohlendioxidbasis in serienfahrzeugen einsetzt, beziehungsweise einsetzen wird.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%