Kurios: Der Fahrradhelm, der Gedanken liest

Kurios: Der Fahrradhelm, der Gedanken liest

von Anna Gauto

Ein Fahrradhelm zeichnet Hirnströme auf, um den Verkehr sicherer zu machen. Die Kunden sind bisher wenig begeistert.

Keine Sorge. Das kann und wird dieser Kopfschutz namens MindRider nicht: Die Gedanken unschuldiger Fahrradfahrer aufsaugen, auswerten und an Google verkaufen.

Den Entwicklern des MindRider – Arlene Ducao and Ilias Koen, zwei Spezialisten für Datenvisualisierung, die unter anderem am Massachusetts Institute of Technology (MIT) arbeiten – geht es darum, das Radfahren sicherer zu machen. Dafür misst und visualisiert der Helm das, was im Gehirn passiert, während der Radler durch die Stadt fährt.

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Wie genau das funktioniert?

Ein Sensor im Helm nimmt mittels EEG, einer Methode, die auch Neurophysiologen verwenden, die Hirnströme des Fahrers auf. Denn die Nervenzellen des Gehirns übertragen permanent Signale, die sich über die Kopfhaut messen lassen. Die Entwickler des MindRider machen die Hirntätigkeit damit in Echtzeit erkennbar.

So leuchtet auf der Stirnseite des Helms ein Lämpchen in grün, wenn der Radler entspannt und in rot, wenn er beim Fahren gestresst oder angespannt ist. Die zugehörige MindRider-App markiert die individuellen „Hot“ -oder „Sweetspots“ der absolvierten Route anschließend auf einer Karte.

Nutzer der App können ihre Routen auch mit Freunden teilen und so bessere Wege jenseits von Baustellen, Staus oder anderen Stressoren finden.

Baubedarf bei roten FleckenEin Testfahrer der MIT-Forscher nutzte den Fahrradhelm, um seinen "Geist zu schulen": In Routenabschnitten, die ihn besonders herausforderten, entspannte er sich ganz bewusst, was ihm angeblich half, sicherer zu navigieren.

Arlene Ducao and Ilias Koen versprechen sich von dieser Form des Crowdsourcings vor allem, Mobilität in Städten intelligenter, sicherer und grüner zu machen und den Komfort auf den Straßen insgesamt zu verbessern. Denn die roten Flecken auf den Karten zeigen deutlich, wo es Verkehrsprobleme gibt und wo Bedarf besteht, die Infrastruktur nachzurüsten.

Der "Mental-Helm", mit 140 Gramm ein Leichtgewicht, ist aber nicht nur für Radfahrer oder Skater interessant. Anfragen kommen laut den Entwicklern auch von Paraglidern, Triathleten, Reitern, Kletterern und Skifahrern.

Ob MindRider nach Testfahrten in Cambridge, Boston, New York, San Francisco, Nairobi und Paris auf den Markt kommt, hängt davon ab, ob es die Gründer schaffen, erfolgreich zu skalieren.

Ihre Finanzierungs-Kampagne, um 200.000 Dollar auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter zu sammeln, deutet eher nicht darauf hin (aktueller Stand oben).

Das könnte möglicherweise daran liegen, dass sich Radfahrer auch ohne Hirnsensoren und digitale Karte merken können, wo viel Verkehr auf sie zukommt. Allerdings: Verkehrsplanern könnte der Helm künftig Hinweise liefern, wo sie nachbessern müssen.

Vielleicht begeistert sich auch New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio für die Technik. Der nämlich will mit seiner „Vision Zero“ schwere Verkehrsunfälle in der Stadt künftig auf Null reduzieren.

Und so funktioniert MindRider:

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