Ladestationen für E-Autos: Tesla und die europäische Stecker-Frage

Ladestationen für E-Autos: Tesla und die europäische Stecker-Frage

Die EU will Ordnung in den Stecker-Dschungel an Ladestationen bringen. Das kann der E-Mobilität nur helfen.

Es ist die "Henne-Ei"-Problematik: Was kommt zuerst? Müssen die Ladesäulen vorhanden sein, bevor E-Autos die Straßen erobern oder zieht eine große Auswahl günstiger Elektroautos die gewünschte Lade-Infrastruktur mit sich?

Der US-Hersteller Tesla fährt mit dem Model 3 derzeit einen Achtungserfolg ein. Innerhalb einer Woche bestellten bei den Kaliforniern 325.000 Interessenten ein Exemplar vor. Mit dem Wagen (Startpreis wohl 31.000 Euro) will Tesla den Massenmarkt elektrisieren. Und CEO Elon Musk weiß, dass zum Erfolg eine entsprechende Lade-Infrastruktur gehört.

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So baut das Unternehmen seit 2013 sein eigenes Schnellladenetz mit sogenannten Superchargern auf. Aktuell gibt es weltweit 613 Stationen mit gut 3600 Ladesäulen. In Deutschland können Tesla-Fahrer an 55 Stationen in Autobahnnähe kostenlos ihre Batterien aufladen. Bei der Präsentation des Model 3 in Los Angeles kündigte Musk an, die Zahl der Ladesäulen bis Ende 2017 auf 7.200 zu verdoppeln.

Die Zahl der so genannten Destination Charger soll bis dahin auf 15.000 vervierfacht werden. Die Idee: Auch an Orten, an denen man sich einige Stunden aufhält, sollen Tesla-Fahrer laden können. In den USA stehen diese Ladesäulen an Hotels, Golfplätzen, Einkaufszentren und Freizeitparks. Und künftig nicht nur in den USA: "Die Destination Charger werden demnächst nach Europa kommen", sagt Kathrin Schira, Teslas Pressesprecherin in Deutschland.

Schluss mit Stecker-ChaosEin Problem löst Tesla dabei aber bewusst nicht: Ähnlich wie in den Anfangstagen der Handys herrscht auch bei Elektroautos ein heilloses Stecker-Chaos. Tesla nutzt sein eigenes System. Viele der japanischen und französischen Autohersteller nutzen CHAdeMo. In Europa ist der nach seinem Hersteller benannte Mennekes-Stecker Typ 2 seit 2013 Standard, zumindest was das Laden mit Wechselstrom (AC) angeht, bei Gleichstrom (DC) setzen deutsche Hersteller auf das Combined Charging System (CCS) oder auch Combo 2 genannt. Klingt durcheinander, und spätestens an der Ladesäule ist das Stecker-Chaos auch unpraktisch.

Dafür hat sich nun die EU dazu entschlossen, aufs Gaspedal zu drücken: Ähnlich wie bei der Einigung auf Micro-USB-Ladeanschlüsse bei Handys soll sich die Auto-Branche auf einen Stecker einigen. So sieht es die EU-Richtlinie (2014/94/EU) vor. Sie ist seit Mitte März 2016 als Ladesäulenverordnung deutsches Recht. Danach muss jeder öffentliche Gleichstrom-Ladepunkt eine Kupplung für den Typ Combo 2 anbieten.

Damit sinkt die Sorge, den falschen Stecker im Kofferraum liegen zu haben. Allerdings ist das Gesetz eine Herausforderung für Tesla. Das Unternehmen muss neue Ladesäulen mit entsprechenden Anschlüssen ausstatten. Für Tesla-Kunden ist der Strom kostenlos. Das dürfte nicht für Fahrer anderer Modelle gelten. Also muss ein Abrechnungssystem her. Wie Tesla die Ladesäulen-Verordnung in Deutschland umsetzt, konnte das Unternehmen auf Anfrage von WiWo Green noch nicht beantworten.

Elektrisierte InnenstädteWährend man die rot-weißen Tesla-Ladesäulen auf Autohöfen schon mal gesehen haben mag, fallen öffentliche Ladestationen in Innenstädten kaum auf. Doch der Eindruck täuscht. Laut einer Erhebung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) gab es Ende 2015 in Deutschland 2.567 Ladestationen mit insgesamt 5.836 Ladepunkten.

Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland mit den meisten öffentlichen Ladepunkten (1.255), gefolgt von Baden-Württemberg (1.097) und Bayern (794). Im Städte-Ranking führt Berlin (433) vor Stuttgart (370) und Hamburg (203). Dabei hat gerade die Hansestadt ehrgeizige Ziele. Die Stromnetz Hamburg GmbH will ihre 175 Ladesäulen bis Ende 2016 auf 300 Stück ausbauen. Dies ist Teil eines Masterplans des Hamburger Senats, der auch gebührenfreies Parken für Elektroautos beinhaltet.

In Berlin gewann nach einer europaweiten Ausschreibung ein niederländisch-deutsches Konsortium aus den Unternehmen Allego, Alliander und The New Motion die Konzession für den Aufbau und Betrieb von Ladestationen. Von den bis September 2016 zu errichtenden 220 Ladesäulen sind bislang 94 Wechselstrom-Lader und ein Gleichstrom-Lader in Betrieb.

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