Lastenrad statt Auto: Auch Stuttgart springt auf den Trend auf

Lastenrad statt Auto: Auch Stuttgart springt auf den Trend auf

Transport-Bikes werden auch hierzulande immer beliebter.

Wenn neuerdings Weihnachtsbäume in Stuttgart auf Elektro-Lastenrädern ausgeliefert werden, dann ist die Schwabenmetropole Kopenhagen wieder ein bisschen ähnlicher geworden. In der dänischen Hauptstadt besitzen 25 Prozent aller Familien mit zwei oder mehr Kindern ein Lastenrad (ladcykler), mit dem sich auch Einkäufe wie Weihnachtsbäume transportieren lassen. In Stuttgart sind jetzt immerhin schon eine Handvoll der Räder unterwegs.

Für die Aktion Grüne Weihnachten der Jugendinitiative Baden-Württemberg haben in Stuttgart drei Fahrradkuriere in den vergangenen Tagen 24 Mehrweg-Weihnachtsbäume mit dem E-Lastenrad an teilnehmende Cafés, Läden, Vereine und Büros ausgeliefert. Die Bäume haben ausreichendes Wurzelwerk und werden nach den Feiertagen in ihrer Herkunftsbaumschule wieder eingepflanzt.

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Transportbike für jederman„Stufenlose Schaltung, 250 Watt Motor und Zuladung von bis zu 200 Kilogramm – es fühlt sich an wie LKW-Fahren auf dem Radweg“, schwärmt der Lastenrad-Kurier und -Pionier Clemens Rudolf. Für ihn ist das Fahren mit dem Dreirad nicht nur klimafreundlich, praktisch, bequem und schnell, sondern auch ein Fahrerlebnis. Und zunehmend mehr Deutsche scheinen auch so zu denken.

In zahlreichen Städten gibt es inzwischen die Möglichkeit, im Selbstversuch einen Weihnachtsbaum oder den normalen Wocheneinkauf mit dem Lastenrad zu transportieren. Bei Familien ist auch der Kindertransport mit entsprechender Sitzvorrichtung im Lastenrad beliebt.

So genannte Freie Lastenräder gibt es mittlerweile quer durch die Republik von Bremen bis München und die Nutzerinnen und Nutzer können sie sich gegen eine Spende leihen. Auch in Stuttgart lässt sich auf Spendenbasis ein xyz-Lastendreirad mit Elektro-Antrieb und drei Rädern borgen.

Im neuen Jahr wird die Initiative Freies Lastenrad Stuttgart den nächsten „guten Vorsatz“ umsetzen: die Anschaffung eines Lastenrads mit einer Motorleistung von bis zu 800 Watt.

Lastenrad als ForschungsobjektEin Nutzungskonzept für das neue E-Lastenrad gibt es auch schon: Es soll alle drei Wochen sein Zuhause wechseln, damit möglichst viele lokale Organisationen, Läden und Cafés in den Genuss kommen und ein reger Austausch zwischen allen Beteiligten angestoßen wird. Ein Teil der Anschaffungskosten wurde bereits von Stuttgarter Teilnehmern der Critical Mass-Bewegung, die das Radfahren in Städten fördert, im Rahmen einer Crowdfunding-Aktion finanziert. Aktuell laufen außerdem Gespräche mit Sponsoren, um weitere Räder zu finanzieren.

Die Stuttgarter liegen damit in einem zaghaften aber zukunftsfähigen Trend. Einige Pilotprojekte wie das der IHK München mit 13 Unternehmen, die Lastenräder für den Transport nutzen und die Ergebnisse wissenschaftlichisch auswerten lassen, werden derzeit durchgeführt. Auch das DLR-Institut für Verkehrsforschung in Berlin untersucht, wie sich Fahrräder für den Transport von Waren und in der Wirtschaft generell besser nutzen lassen. Wie und wo Unternehmen aber auch Privatleute heute schon Lastenräder erfolgreich nutzen, beschreibt das Portal Lasten auf die Räder des Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Die Weichen sind also gestellt, dass die Lastenfahrräder endlich auch südlich von Kopenhagen eine breitere Zustimmung erfahren können.

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Sophia Becker arbeitet als Wissenschaftlerin am Zentrum für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung der Universität Stuttgart.

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