Local Motors expandiert: Rollen durch Berlin bald Autos aus dem 3D-Drucker?

Local Motors expandiert: Rollen durch Berlin bald Autos aus dem 3D-Drucker?

von Tobias Finger

Local Motors fertigt Elektroautos im 3D-Drucker. Von Berlin aus will das US-Unternehmen jetzt Europa erobern.

Local Motors hat Schlagzeilen gemacht, als es mit seinem Strati das erste Auto aus dem 3D-Drucker gezaubert hat. Nun kommen die Autorevoluzzer nach Deutschland. Der erste Übersee-Standort des innovativsten Autoherstellers der vergangenen Jahre soll in Berlin entstehen.

Nachdem Local Motors (LM) mit seinem revolutionären Entwicklungsprozess „Co-Creation“ schon den amerikanischen Automarkt aufgerüttelt hat, soll jetzt die Expansion nach Europa gelingen.

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Co-Creation meint, dass das Fahrzeug-Design von vielen, bei LM sehr vielen, Menschen gestaltet wird. Auf Crowdsourcing-Basis arbeiten derzeit 48 000 Menschen aus 130 Ländern an dem Flitzer aus dem Drucker. Jeder  Nutzer kann Vorschläge einreichen und vorhandene weiterentwickeln, über die dann abgestimmt wird. Die Autos werden anschließend in sogenannten Microfactories gefertigt, wo jedes Fahrzeug in Zusammenarbeit mit dem Kunden einzeln verschraubt wird – die meisten Teile kommen aus dem 3D-Drucker.

"Euro-Headquarters" in KreuzbergIn den USA gibt es solche Microfactories schon in Phoenix und Las Vegas. Eine mobile Fabrik befindet sich auf dem Weg nach Washington DC. Laut LM sollen in den kommenden zehn Jahren 100 weitere auf dem gesamten Globus folgen - deren Aufbau will das Unternehmen nun von Berlin aus organisieren. Hier soll auch die erste Microfactory außerhalb der USA entstehen.

Um das Europa-Geschäft aufzubauen, ist Damien Declercq, der Direktor des Bereiches "New Business Development" bei LM, im vergangenen Sommer nach Berlin gezogen. Im Rainmaking Loft Berlin, dem StartUp-Mekka im Stadtteil Kreuzberg, hat er ein Büro angemietet. Dort soll das „Euro-Headquarter“ der Amerikaner stehen.

Werden in Berlin bald Autos gedruckt?Die Stadt Berlin sei ideal, sagt Declercq. Neben Kreativität und Enthusiasmus für neue Technologien, die viele Startups nach Berlin trieben, gäbe es auch eine Vielzahl von Kunden und keine konkurrierenden Autobauer.

„Wir werden unser Hauptquartier in Berlin aufbauen – da würde es viel Sinn ergeben, dort auch eine Mikrofabrik aufzubauen“, sagte Declercq dem Manager Magazin. Aber: „Wenn es in einer anderen Stadt ein interessantes Projekt gibt, können wir auch woanders mit der europäischen Produktion starten.“

Von einer Microfactory würde Berlin stark profitieren, denn dort entstünden voraussichtlich 120 neue Arbeitsplätze. Außerdem bekäme die Hauptstadt Aufmerksamkeit und Prestige in einem Bereich, in dem sie sich noch nicht so stark positionieren konnte: der Elektromobilität.

"Europäer haben ein stärkeres Umweltbewusstsein."Europa ist für LM ein interessanter Markt. Verglichen mit den Vereinigten Staaten hätten Europäer ein viel stärker ausgeprägtes Umweltbewusstsein, meint Declercq. Daher sei der Gang nach Europa für die Hersteller der flippigen Elektroautos der nächste logische Schritt.

Allerdings unterschieden sich europäische Städte grundlegend von amerikanischen und ihren Straßen. Deshalb wolle LM für den europäischen Markt neue Fahrzeuge entwickeln.

Dafür werden die vielen Community-Mitglieder verantwortlich sein. Um das Geschäft langfristig voranzutreiben, ist Declercq nun auf der Suche nach potentiellen Partnern für die anstehenden Projekte. Gespräche gab es schon, unter anderem mit dem Fraunhofer IPK oder dem Automobilzulieferer-Netzwerk automotive BerlinBrandenburg. Sobald die Strategie steht, soll das erste Projekt für den neu erschlossenen Berliner Markt vorgestellt werden.

Rüttelt LM den deutsche Automarkt auf?Mit dem Einritt von Local Motors auf dem deutschen Automobil-Markt müssen sich deutsche Autohersteller also warm anziehen. Denn von der Idee zum fertigen Stromer vergehen bei LM lediglich 18 Monate. Konventionellen Hersteller brauchen für den Prozess in der Regel vier bis fünf Jahre.

Sollten wie geplant Mitte 2016 die ersten Fahrzeuge aus der Berliner Fabrik rollen, profitieren neben der Hauptstadt vor allem die Kunden von den neuen Modellen, die eigenhändig zusammengebaut und nachhaltig produziert werden.

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