Local Motors: US-Unternehmen druckt Elektroauto in nur fünf Tagen

Local Motors: US-Unternehmen druckt Elektroauto in nur fünf Tagen

von Tobias Finger

Das US-Unternehmen Local Motors fertigt seinen Elektroflitzer Strati in Rekordgeschwindigkeit.

Es war ein eher ambitioniertes Versprechen: Im diesem Frühjahr kündigte das US-Automobil-Kollektiv Local Motors (LM) an, ein Elektroauto in lediglich fünf Tagen zu drucken, zusammenzusetzen und Probe zu fahren. Vor wenigen Tagen war es dann auf der International Manufacturing Technology Show (IMTS) in Chicago soweit. Der erste „Strati“ fuhr tatsächlich seine erste Runde.

Beim Strati handelt es sich um einen kleinen urbanen Flitzer, der den Anforderungen des Verkehrs einer modernen Metropole gerecht werden soll. Strati kommt aus dem Italienischen und bedeutet Schichten – ein durchaus treffender Name, wenn man den Herstellungsprozess betrachtet. Dieser war auf der IMTS in drei Phasen gegliedert.

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Erst drucken, dann fräsenIn Phase eins wurden einzelne Autoteile in der sogenannten additiven Fertigung gedruckt – Teil für Teil, wobei jede Schicht etwa 15 Minuten dauerte. Der gesamte Prozess mit einem großen Spezialdrucker lief über insgesamt 44 Stunden. Phase zwei bestand aus der weiteren Bearbeitung der Teile, die unter anderem einen ganzen Tag voller Fräsarbeiten beinhaltete.

Nachdem die ersten beiden Abschnitte des Fertigungsprozesses absolviert waren, konnte die dritte und letzte Phase, die eigentliche Montage anlaufen. Hier wurde der letzte Feinschliff angelegt. Nach den stressigen Fertigungstagen, an denen das Team nahezu rund um die Uhr arbeitete, konnte schließlich der Schlüssel im Zündschloss umgedreht werden und der Jungfernfahrt des ersten Strati-Modells stand nichts mehr im Weg.

Game Changer in der AutomobilindustrieDer Antrieb des Strati stammt aus dem 100 Prozent elektrischen Renault Twizy. Gedruckt wurden die Teile aus Carbonfasern und Kunststoff. LM geht davon aus, dass der Strati rund 50 Kilometer pro Stunde schnell fahren kann, abschließende Tests stehen aber noch aus.

Local Motors CEO John Rogers gab sich aber auch vor diesen Tests schon sehr selbstbewusst. „Bei Local Motors verändern wir die Art, wie Menschen sich fortbewegen,“ sagte er gemäß der Association For Manufacturing Technology, einem der Partner von LM. Aber nicht nur die Fortbewegung will Rogers revolutionieren, sondern auch die Fertigung. Kommen bei einem herkömmlichen Auto rund 25.000 Einzelteile zum Einsatz, sind es beim Auto aus dem Drucker weniger als 50. Die Zeit zwischen erstem Design und Produktion lag gerade mal bei sechs Monaten. "Das ist ein Game Changer in der Welt der Automobilindustrie“, glaubt Rogers.

Damit liegt er vielleicht nicht einmal ganz falsch. Local Motors ist neben der kalifornischen Autoschmiede Tesla wahrscheinlich das momentan innovativste Kleinunternehmen der Branche. Hauptverantwortlich dafür ist der Co-Creation getaufte Entwicklungsprozess.

Konkret bedeutet das, dass den 59 angestellten Mitarbeitern nach Angaben des Unternehmens 36.300 Communitymitglieder zur Hand gehen. Diese sind die Quintessenz im Konzept des Unternehmens mit Hauptsitz in Phoenix, im US-Bundesstaat Arizona.

Gemeinsam arbeiten die Mitarbeiter im Netz an einer Vielzahl von Projekten. Der Ablauf ist dabei immer ähnlich: Die Idee für ein Fahrzeug wird auf die LM-Plattform hochgeladen. Dort können sie alle anderen interessierten Entwickler einsehen, woraufhin diese potenzielle Designs ausarbeiten und ebenfalls ins Netz stellen. Anschließend reichen die User Vorschläge für weitere Teile ein, über deren Umsetzung und die praktische Verwendbarkeit die Beteiligten entscheiden – so lange, bis ein komplettes Konzept steht, das theoretisch auch in Serie produziert werden kann.

Hier ist der Fertigungsprozess des Strati im Zeitraffer zu sehen:

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