Los Angeles: Windpark für acht Milliarden Dollar soll Stadt mit Strom versorgen

Los Angeles: Windpark für acht Milliarden Dollar soll Stadt mit Strom versorgen

von Wolfgang Kempkens

Ein Windpark mit einem riesigen Stromspeicher soll künftig Grünstrom für LA liefern – auch bei Flaute.

Die kalifornische Millionenstadt Los Angeles soll in wenigen Jahren zu einem Gutteil mit klimafreundlicher Elektrizität versorgt werden. Dafür planen vier US-Unternehmen ein Acht-Milliarden-Dollar-Projekt (6,3 Milliarden Euro), um im US-Bundesstaat Wyoming Windstrom für etwa 1,2 Millionen Haushalte zu produzieren – und ihn auch bei Flaute zu liefern. Mit 2100 Megawatt Leistung wäre es der größte Windpark in den USA und wohl einer der größten weltweit.

Die in Deutschland bekannteste Firma im Konsortium dürfte der Kompressorenhersteller Dresser-Rand sein, den Siemens gerne übernehmen möchte. Die vier Unternehmen wollen dem Stromversorger Southern California Public Power Authority im kommenden Jahr ein Angebot machen.

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Stromspeicher in der SalzkaverneUnwahrscheinlich ist die Realisierung eines solchen Megaprojektes nicht. Denn Windkraft in Wyoming ist mit Kosten von rund drei Eurocent pro Kilowattstunde die günstigste Form der Energieerzeugung neben Kohle. Die Los Angeles Times hatte schon im Februar über ein ähnliches Projekt berichtet. Jetzt geht es aber nicht nur um einen Windpark: Die Anlage soll am Ende aus dem Windpark in Wyoming und einem Druckluftspeicherkraftwerk in Utah bestehen.

Die Entfernung von 425 Meilen zwischen Wyoming und Utah soll eine neue Hochspannungsleitung überwinden, die den Bundesstaat Colorado durchquert. Utah ist bereits starkstromtechnisch mit Kalifornien verbunden, sodass für die 490 Meilen bis Los Angeles keine neue Leitung gebaut werden muss. Der Windpark  soll rund neun Millionen Megawattstunden Strom pro Jahr erzeugen.

2,6 Milliarden Dollar verschlingt die Hochspannungsleitung zwischen Windpark und Speicher, vier Milliarden der Windpark selbst. Mit 1,5 Milliarden Dollar schlägt das Speicherkraftwerk zu Buche.

Und das soll so funktionieren: Wenn der Windpark mehr Strom produziert als gerade benötigt wird, pressen gewaltige Kompressoren ihn in vier unterirdische Hohlräume, die jeweils 400 Meter hoch sind und einen Durchmesser von 150 Metern haben. Diese werden aus mächtigen Salzstöcken ausgespült. Die später dort eingesperrte Luft wird einen Druck von bis zu 75 bar haben, 35 Mal mehr als der in einem Autoreifen. Der Energieinhalt der vier Speicher reicht für die Produktion von 40 Millionen Kilowattstunden.

Neue Technik nötigWyoming gehört zu den windreichsten Regionen der USA. Vor allem nachts, so die Planer, wird der künftige Windpark genügend Strom liefern, um die Speicher zu füllen. Tagsüber, vor allem mittags, wenn Millionen Klimaanlagen in Kalifornien auf Hochtouren laufen, wird die Druckluft in bis zu acht Turbogeneratoren wieder in Strom verwandelt. Die Anlage liefert also rund um die Uhr immer so viel Strom wie gerade benötigt wird.

Dresser-Rand, Spezialist für Turbinen, Pumpen und Kompressoren, mit Sitz im texanischen Houston hat bereits 1991 eines der wenigen Druckluftspeicherkraftwerke weltweit gebaut. Die 135-Megawatt-Anlage steht in Alabama. Sie wird genutzt, um Frequenzschwankungen im Netz auszugleichen. Eben diese Aufgabe erledigt auch die einzige Anlage dieser Art in Deutschland, die im niedersächsischen Huntorf läuft und eine Leistung von 290 Megawatt hat.

Allerdings haben die heutigen Luftspeicher einen miserablen Wirkungsgrad, weil die Wärme, die beim Komprimieren der Luft entsteht, einfach an die Umwelt abgegeben wird. Umgekehrt muss die Druckluft, die beim Entspannen eiskalt wird, per Gasbrenner erwärmt werden, damit die Turbine nicht vereist. Mehrere Unternehmen, darunter der französische Konzern Alstom, haben Pläne entwickelt, die Kompressionswärme zu speichern, um sie später zur Erwärmung der Druckluft zu nutzen. Das verbessert den Wirkungsgrad von weniger als 50 Prozent auf mehr als 70.

Das geplante Megaprojekt könnte auch für Siemens interessant sein, wenn der Dresser-Rand-Kauf gelingt, woran es eigentlich keine Zweifel gibt. Denn die Münchner gehören zu den weltweit größten Herstellern von Windturbinen. Das Kraftwerk in Wyoming benötigt bis zu 700 dieser Mühlen. Wer sie baut, steht bisher nicht fest.

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