Marktstart: Schwächelt Tesla ausgerechnet in Deutschland?

Marktstart: Schwächelt Tesla ausgerechnet in Deutschland?

von Jürgen Klöckner

Mit viel Rummel wagte sich Tesla auf den deutschen Markt. Doch noch verkaufen sich die E-Autos überraschend schlecht.

Seit zwei Monaten ist Tesla in Europa auf dem Markt - doch noch schwächelt der US-Elektroautohersteller vor allem in Deutschland. Gerade 98 Mal verkaufte sich - laut Kraftfahrzeug-Bundesamt - das über 70.000 Euro teure Model S hierzulande seit August.

Bis Ende 2014 will Tesla in Deutschland 1.000 Autos pro Monat verkaufen. Der S soll damit das am meisten verkaufte Oberklassefahrzeug werden, vor der Mercedes S-Klasse, dem Audi A8 und dem 7er BMW. Davon ist Tesla aber noch weit entfernt.

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Deuten die geringen Verkäufe nur auf einen verkorksten Marktstart hin oder sind sie eine echtes Problem für Tesla?

Deutschland ist für den Elektrowagenhersteller der wichtigste Markt Europas und nach den USA auch der wichtigste der Welt. Wenn das Unternehmen hier keinen Erfolg feiert, wird es langfristig schwierig, in Europa Fuß zu fassen. Das gilt auch für die Konkurrenz (Nissan Leaf, Elektro-Smart, Renault Zoe) - und die verkauft sich derzeit noch etwas besser als das Model S. Der Elektro-Smart beispielsweise 146 Mal, alleine im September.

Hat sich Tesla verkalkuliert?Wohlgemerkt sind diese Modelle schon längere Zeit auf dem Markt. Im Vergleich zum Model S wirken sie fast schon bieder - Tesla hat es aber in Deutschland anscheinend bisher nicht geschafft, den Rückenwind der vergangenen Monate auf die Straße zu bringen. Derzeit arbeite man daran, die Zahl der Vorbestellungen abzuarbeiten, sagte eine Sprecherin Wiwo Green. Erst seit vier Wochen wird der Tesla tatsächlich ausgeliefert. In den kommenden Monat sei deswegen davon auszugehen, dass die Zulassungszahlen deutlich steigen werden.

Dass viel PR in Deutschland zieht, zeigt derzeit BMW. Deren i3 kommt im November auf den Markt und wurde bereits so oft vorbestellt, dass die Bayern die Produktion hochgeschraubt haben.

Allerdings spielt Teslas E-Auto auch in einer ganz anderen Liga als Nissan, BMW und Co. Das Model S ist deutlich teurer und kein reines Stadtauto. Die kompakten Konkurrenten fahren mit einer Batterieladung 150 Kilometer weit und schaffen etwas über 100 Stundenkilometer - das Model S hingegen fährt ohne Ladestopp über 400 Kilometer Strecke bei 210 Stundenkilometern Spitze.

Ein vergleichbares E-Auto gibt es auf der Welt noch nicht. Und deswegen muss sich Tesla vor allem an sich selbst messen. In den Niederlanden und Dänemark, aber vor allem Norwegen, ist der S jetzt schon ziemlich erfolgreich. Hier sind insgesamt schon über 1.200 Exemplare auf der Straße, den größten Anteil daran hat Norwegen mit über 800 Neuzulassungen. 

Die Infrastruktur für Stromer ist in diesen Ländern deutlich besser als in Deutschland, vor allem auf der langen Strecke. Und die scheint für Teslas Markterfolg entscheidend zu sein. Das Netz an Ladesäulen auf Autobahnen ist hierzulande noch zu dünn. BMW und Tesla wollen deswegen neue Schnellladestationen auf den wichtigsten Strecken bereitstellen - erst Mitte 2014 soll die Hälfte aller Bundesbürger mit diesen sogenannten Superchargern versorgt sein, Ende 2014 dann alle.

Dann erst lässt sich Teslas Markterfolg wirklich beurteilen. Interessant werden deswegen die Verkaufszahlen der kommenden Monate werden.

Nachtrag: Die Verkaufzahlen des Tesla S in Deutschland beinhalten keine Hinweise auf die Vorbestellungen. Das haben wir im Text nachgetragen und ihn entsprechend angepasst.

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